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- 03.03.03 -

 

 

 

 

 

Weizen und Waffen: Im Schatten des Hungers rüsten USA Äthiopien auf

Während Amerika dem dürregeschwächten Äthiopien mit Lebensmitteln unter die Arme greift, stärkt es dort zugleich seine eigene Stellung am Horn von Afrika.

Von Antje Passenheim, dpa

Addis Abeba (dpa) - Mit Weizen und Waffen machen die USA Politik in Äthiopien. Während Amerika dem dürregeschwächten Land mit Lebensmitteln unter die Arme greift, stärkt es dort zugleich seine eigene Stellung am Horn von Afrika. Auf der Jagd nach Mitgliedern des Terrornetzwerks El Kaida nehmen die USA mit Hilfe der äthiopischen Armee erneut das Nachbarland Somalia ins Visier.

«Die USA helfen uns, doch als Gegenleistung ziehen sie uns in ihren Krieg», kritisiert ein Arzt in der Hauptstadt Addis Abeba. «Mit ihrem Weizen kaufen sie sich bei uns ein.» So hat Washington zugesagt, die Hälfte der in Notappellen geforderten 1,4 Millionen Tonnen Lebensmittelhilfe abzudecken. Doch die weißen Mehlsäcke mit der rot-blauen Aufschrift USA stillen nicht nur den Hunger - sie erschlagen die Landwirtschaft der Region bis ins Nachbarland Somalia, kritisieren Agrarexperten. Aus der dortigen Bay Region bezieht Südäthiopien normalerweise einen Teil seines Getreides. «Doch statt auf dem lokalen Markt zu kaufen, überschütten die USA die Region lieber mit ihren eigenen Überschüssen.» Durch die fallenden Getreidepreise stagniere die Landwirtschaft Somalias.

 


© ArtToday

Lebensmittelhilfe der USA (hier in Somalia): Mit Weizen und Waffen machen die USA Politik am Horn von Afrika.

 

Doch zwischen die US-Säcke, die täglich über den Hafen des Nachbarlands Dschibuti ins Land kommen, mischen sich Ladungen, die für Somalia weitaus bedrohlicher als Weizen sind: Waffen und Panzer rollen auf langen Lastwagen-Kolonnen über die gut ausgebaute Straße von Dschibuti nach Addis Abeba. «Regierungschef Meles Zenawi kann sie von dem Geld kaufen, das er nach Verhandlungen mit US-Präsident Bush im Dezember mit aus Washington brachte», sagen regierungsnahe Kreise.

Für Mitte März erwarten die Hafenbehörden im Nachbarland Dschibuti eine weitere große Waffenladung mit Zielort Äthiopien. Beobachter sprechen davon, dass die Lieferungen an der über 1000 Kilometer langen Grenze zu Somalia landen sollen. Dort bilden amerikanische Spezialkräfte bereits äthiopische Soldaten für den Kampf gegen Terroristen aus.

Äthiopien, das seit Jahren somalische Kriegsfürsten beherbergt, die zum Sturz der machtlosen Übergangsregierung in Mogadischu blasen, unterstützt die Amerikaner in ihrem Verdacht auf Terrorzellen in Somalia. Die dort operierende radikal-islamische Gruppe Al Ittihad soll enge Verbindungen zu Osama bin Ladens Terrornetzwerk El Kaida haben. Das traditionelle Spannungsverhältnis zwischen Somalia und Äthiopien, insbesondere um die umstrittene Grenzregion Ogaden, nutzen die USA. Nach Ende des Eritrea-Konflikts ist die rund 300.000 Mann starke äthiopische Armee frei für einen Einsatz im Antiterror-Krieg. In Somalia locken aber auch Seehäfen wie der von Merca, die das landumschlossene Äthiopien seit Abspaltung Eritreas nicht mehr hat.

Die Fäden für alle Aktivitäten am Horn von Afrika ziehen die USA von ihrem Anti-Terror-Hauptquartier und größten militärischen Stützpunkt auf dem afrikanischen Kontinent in Dschibuti. «Wenn wir Beweise dafür hätten, dass hochrangige Terroristen in einem dieser Länder sind», erklärte dessen Kommandeur John Sattler in Addis Abeba, «würden wir uns die Erlaubnis holen, um Länder wie Äthiopien darauf anzusetzen.»

Solche Pläne erzeugen bereits gefährlichen Protest: Auf einem Transporter mit US-Weizen entdeckten dschibutische Grenzbeamte vor zwei Wochen ein Bombe. Ein zweiter Sprengsatz passierte unbemerkt mit derselben Nothilfeladung die Grenze nach Äthiopien. Vor der Hauptstadt Addis Abeba detonierte er. Angeblich wurde niemand verletzt.

 

 Mehr Informationen:

Äthiopien: AA, DSE/LIS

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