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Weizen und Waffen: Im Schatten des Hungers
rüsten USA Äthiopien auf
Während Amerika dem dürregeschwächten
Äthiopien mit Lebensmitteln unter die Arme greift, stärkt
es dort zugleich seine eigene Stellung am Horn von Afrika.
Von Antje Passenheim, dpa
Addis Abeba (dpa) - Mit Weizen
und Waffen machen die USA Politik in Äthiopien. Während
Amerika dem dürregeschwächten Land mit Lebensmitteln
unter die Arme greift, stärkt es dort zugleich seine eigene
Stellung am Horn von Afrika. Auf der Jagd nach Mitgliedern des
Terrornetzwerks El Kaida nehmen die USA mit Hilfe der äthiopischen
Armee erneut das Nachbarland Somalia ins Visier.
«Die USA helfen uns, doch
als Gegenleistung ziehen sie uns in ihren Krieg», kritisiert
ein Arzt in der Hauptstadt Addis Abeba. «Mit ihrem Weizen
kaufen sie sich bei uns ein.» So hat Washington zugesagt,
die Hälfte der in Notappellen geforderten 1,4 Millionen Tonnen
Lebensmittelhilfe abzudecken. Doch die weißen Mehlsäcke
mit der rot-blauen Aufschrift USA stillen nicht nur den Hunger
- sie erschlagen die Landwirtschaft der Region bis ins Nachbarland
Somalia, kritisieren Agrarexperten. Aus der dortigen Bay Region
bezieht Südäthiopien normalerweise einen Teil seines
Getreides. «Doch statt auf dem lokalen Markt zu kaufen,
überschütten die USA die Region lieber mit ihren eigenen
Überschüssen.» Durch die fallenden Getreidepreise
stagniere die Landwirtschaft Somalias.

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ArtToday
Lebensmittelhilfe
der USA (hier in Somalia): Mit Weizen und Waffen machen
die USA Politik am Horn von Afrika.
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Doch zwischen die US-Säcke,
die täglich über den Hafen des Nachbarlands Dschibuti
ins Land kommen, mischen sich Ladungen, die für Somalia weitaus
bedrohlicher als Weizen sind: Waffen und Panzer rollen auf langen
Lastwagen-Kolonnen über die gut ausgebaute Straße von
Dschibuti nach Addis Abeba. «Regierungschef Meles Zenawi
kann sie von dem Geld kaufen, das er nach Verhandlungen mit US-Präsident
Bush im Dezember mit aus Washington brachte», sagen regierungsnahe
Kreise.
Für Mitte März erwarten
die Hafenbehörden im Nachbarland Dschibuti eine weitere große
Waffenladung mit Zielort Äthiopien. Beobachter sprechen davon,
dass die Lieferungen an der über 1000 Kilometer langen Grenze
zu Somalia landen sollen. Dort bilden amerikanische Spezialkräfte
bereits äthiopische Soldaten für den Kampf gegen Terroristen
aus.
Äthiopien, das seit Jahren
somalische Kriegsfürsten beherbergt, die zum Sturz der machtlosen
Übergangsregierung in Mogadischu blasen, unterstützt
die Amerikaner in ihrem Verdacht auf Terrorzellen in Somalia.
Die dort operierende radikal-islamische Gruppe Al Ittihad soll
enge Verbindungen zu Osama bin Ladens Terrornetzwerk El Kaida
haben. Das traditionelle Spannungsverhältnis zwischen Somalia
und Äthiopien, insbesondere um die umstrittene Grenzregion
Ogaden, nutzen die USA. Nach Ende des Eritrea-Konflikts ist die
rund 300.000 Mann starke äthiopische Armee frei für
einen Einsatz im Antiterror-Krieg. In Somalia locken aber auch
Seehäfen wie der von Merca, die das landumschlossene Äthiopien
seit Abspaltung Eritreas nicht mehr hat.
Die Fäden für alle
Aktivitäten am Horn von Afrika ziehen die USA von ihrem Anti-Terror-Hauptquartier
und größten militärischen Stützpunkt auf
dem afrikanischen Kontinent in Dschibuti. «Wenn wir Beweise
dafür hätten, dass hochrangige Terroristen in einem
dieser Länder sind», erklärte dessen Kommandeur
John Sattler in Addis Abeba, «würden wir uns die Erlaubnis
holen, um Länder wie Äthiopien darauf anzusetzen.»
Solche Pläne erzeugen bereits
gefährlichen Protest: Auf einem Transporter mit US-Weizen
entdeckten dschibutische Grenzbeamte vor zwei Wochen ein Bombe.
Ein zweiter Sprengsatz passierte unbemerkt mit derselben Nothilfeladung
die Grenze nach Äthiopien. Vor der Hauptstadt Addis Abeba
detonierte er. Angeblich wurde niemand verletzt.
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