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- 25.02.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

Vor dem drohenden Krieg:

Helfern im Irak wird die Zeit knapp

Angesichts der Kriegsgefahr verstärken UNICEF und andere Hilfsorganisationen die humanitäre Hilfe im Irak. Ein Wettlauf mit der Zeit.

Von Gregor Mayer, dpa

Bagdad (dpa) - Gespräche mit Vertretern der UN-Hilfsorganisationen in Bagdad beginnen derzeit stets mit der gleichen Standardfloskel: «Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, als hätten wir die Hoffnung aufgegeben, dass sich ein Krieg noch vermeiden lässt.» Doch die Planungen für die Stunde Null laufen jetzt schon auf Hochtouren. «Das ist einfach eine Frage der Verantwortung», sagt Carel de Rooy, der Repräsentant des UN-Kinderhilfswerks UNICEF in Bagdad.

Zu den wichtigsten Programmen der UNICEF im Irak gehören die Bekämpfung der Unterernährung bei Kleinkindern und groß angelegte Impfkampagnen gegen Kinderlähmung und Masern. Die chronische Unterernährung ist laut UNICEF zumindest teilweise eine Folge der Sanktionen der Vereinten Nationen. Andere Ursachen sind nach Ansicht De Rooys die allgemeine Armut, die Übervölkerung in den Elendsquartieren und einseitige Ernährungsgewohnheiten. Der Mangel an proteinhaltiger Nahrung bei den Armen führe zu Anämie (Blutarmut) bei den Frauen, deren Schwangerschaften zu 20 Prozent mit Komplikationen verlaufen und die dann untergewichtige Babys zur Welt bringen. Diese können wiederum, weil sich die Familie hochwertige Lebensmittel nicht leisten kann, nicht richtig hochgepäppelt werden und bleiben so chronisch unterernährt.

1991, am Ende des Golfkriegs, waren im Irak 18,7 Prozent der Kinder unter fünf Jahren davon betroffen. Nur fünf Jahre später, bevor die Sanktionen durch das UN-Hilfsprogramm «Öl für Lebensmittel» abgeschwächt wurden, lag dieser Anteil bei alarmierenden 32 Prozent. Über ein Netzwerk örtlicher Kinderfürsorgezentren begann UNICEF, flächendeckend spezielle Kekse mit hohem Proteingehalt und therapeutische Milch an bedürftige Familien zu verteilen. Außerdem kann die Regierung nun mit dem Geld aus ihren Öl-Exporten Nahrungsmittel kaufen, die auf Lebensmittelkarten verteilt werden. Im vergangenen Jahr sank der Anteil an chronisch unterernährten Kindern auf 24 Prozent.

Was ein Krieg für die humanitäre Lage im Irak bedeuten würde, hat Carel de Rooy auf einem Schaubild dargestellt. Mit einem Kugelschreiber hat er eine schraffierte Säule für dieses Jahr hinzugemalt: Die Unterernährungsrate könnte im Kriegsfall schnell wieder über die 30-Prozent-Rate klettern. Vor allem sei damit zu rechnen, dass alle ausländischen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen das Land verlassen. Schon jetzt werde deren Zahl langsam reduziert, erklärt der UNICEF-Vertreter. Mitarbeiter kämen nicht aus dem Urlaub zurück; andere, deren Verträge ausliefen, würden nicht mehr ersetzt.

Damit nicht alles zusammenbricht, sollen die Iraker die Stellung halten. «Dafür sind unsere irakischen Mitarbeiter bestens vorbereitet», sagt De Rooy. «Wir haben sie schon seit Monaten in alle zentralen Planungsprozesse eingebunden. Sie werden wissen, was zu tun ist.» Was noch fehle, sei das Geld, um die Hilfsgüter in die vorbereiteten Kanäle zu leiten. «Und wir stehen in einem Wettlauf mit der Zeit», fügt er hinzu. «Hätte ich noch fünf Wochen, würde ich mich - insofern man diesen Ausdruck für diese Situation verwenden kann - wohler fühlen.»

Mit Geldsorgen kämpfen auch die kleinen regierungsunabhängigen Hilfsorganisationen. «Die logistische Struktur steht bei uns. Ich kann 80 Prozent von dem umsetzen, was ich angestrebt habe», erklärt Alexander Christof, der die Operation von «Architekten für Menschen in Not» in Bagdad leitet. Seine Organisation repariert Kläranlagen und Krankenhäuser, führt Fortbildungen durch und kann im Notfall Hilfsgüter verteilen. Sie konzentriert ihre Planungen ganz auf den Raum Bagdad, wo Christof «die größte humanitäre Not» erwartet.

«Aber das Geld kommt noch nicht», erläutert der Münchner, der vor eineinhalb Jahren nach Bagdad umzog. «Die internationale Gebergemeinschaft wird erst reagieren, wenn die ersten Bomben auf Bagdad fallen.» Zu diesem Zeitpunkt müssten aber die Hilfsaktionen bereits anlaufen. Aus Erfahrung mit früheren Krisen und Kriegen weiß Christof, dass dies «nur über die spontane und rasche Hilfsbereitschaft privater Spender zu bewerkstelligen sein wird».

 


© dpa/Shehzad Noorani/UNICEF

Ein Baby erhält im Januar 2003 die erste Schluckimpfung gegen Kinderlähmung im Gesundheitszentrum Tairawa in Erbil im Norden des Irak.


 Mehr Informationen:

UNICEF

Über die Arbeit der "Architekten für Menschen in Not" (ZDF)

Irak-Berichterstattung der Deutschen Welle


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