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Hilfsorganisationen: 300.000 Kindersoldaten
- «Druck verstärken»
Zahlreiche Hilfsorganisationen
haben den anhaltenden Missbrauch von Kindern als Soldaten angeprangert.
London/Köln/Berlin (dpa)
- Trotz der vertraglichen Ächtung durch die Vereinten Nationen
vor einem Jahr werden nach Angaben von UNICEF weltweit immer noch
300.000 Jungen und Mädchen als Kämpfer missbraucht.
Das UN-Kinderhilfswerk rief am Dienstag alle Regierungen auf,
Militärs und Milizenchefs, die Kinder in den Krieg schicken,
zur Verantwortung zu ziehen und als Kriegsverbrecher zu verfolgen.
Dazu müssten mehr Länder als bisher das UN-Verbot von
Kindersoldaten in nationales Recht umsetzen.
Minderjährige würden
in der ganzen Welt als Soldaten missbraucht, weil sie «billig»
und leicht zu manipulieren seien, erklärte der Geschäftsführer
von UNICEF Deutschland, Dietrich Garlichs, in Köln zum ersten
Jahrestag des internationalen Abkommens gegen den Einsatz von
Kindersoldaten an diesem Mittwoch. «Um diese zynische Praxis
zu stoppen, muss mehr internationaler Druck aufgebaut werden.»
Laut Amnesty International hat
der Missbrauch von Kindern in Kriegen eher noch zugenommen. «Kinder
werden auch heute als Soldaten, Träger, Späher oder
Sexsklaven missbraucht», sagte Casey Kelso, Koordinator
der «Koalition gegen Kindersoldaten». Auch das Kinderhilfswerk
terre des hommes appellierte an die internationale Gemeinschaft,
entschiedene Maßnahmen gegen diese extreme Form der Menschenrechtsverletzung
einzuleiten.
Vor einem Jahr war das Zusatzprotokoll
zur Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen in Kraft getreten.
Es verbietet den Einsatz von Kindern in Armeen. Laut Amnesty haben
111 Länder das Protokoll unterzeichnet, doch nur 46 davon
haben sich bislang dazu verpflichtet, das Verbot in ihre Gesetzgebung
aufzunehmen. Deutschland hat demnach das Abkommen ebenfalls noch
nicht ratifiziert. Die Kindernothilfe (Duisburg) forderte, die
Bundeswehr sollte auf die Anwerbung von Freiwilligen unter 18
Jahren - etwa für den Sanitätsdienst - verzichten und
damit Vorbild für andere Staaten sein.
«Mit der Verabschiedung
des Abkommens allein ist das Problem keinesfalls gelöst»,
sagte Andreas Rister von terre des hommes Deutschland in Osnabrück.
Besonders drastische Fälle seien vor allem aus Afrika, Asien
und Südamerika bekannt. In der Armee Burmas etwa seien rund
70.000 Kinder im Alter ab elf Jahren zwangsrekrutiert, in Kolumbien
stünden 14.000 Jungen und Mädchen ab zehn Jahren im
Militärdienst.
Der UNICEF-Botschafter und Ex-James-Bond-Darsteller
Roger Moore startete am Montag in Berlin zusammen mit Deutschlands
First Lady Christina Rau eine Aktion gegen Kinderhandel. Zudem
erhielt Moore für seine Arbeit bei UNICEF das Bundesverdienstkreuz
von Bundespräsident Johannes Rau.
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