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Frankreich: «Neue Vegetarier»
schaffen einen Modetrend
Verstärkte Tendenz zu
Obst und Gemüse: Die «neuen Vegetarier» in Frankreich
sind wohlhabend, trendy und um ihre Gesundheit besorgt.
Von Petra Klingbeil, dpa
Paris (dpa) - Von der verstärkten
Tendenz zu Obst und Gemüse profitieren Restaurants, Großhändler
und die Kosmetik-Industrie, deren jüngste Kreation als «Cucumber»
in hellgrüner Flasche auf den Markt gekommen ist. «Wenn
ich einen Tag lang kein Gemüse oder Obst esse, fehlt mir
etwas», sagt der 25 Jahre alte Finanzanalyst Bruno Zaraya
aus Paris.
Die neuen Vegetarier sind keine
Ideologen, die gegen tierische Nahrung sind, sondern sie wollen
gesund leben und haben seit der Krise um den Rinderwahnsinn BSE
eine zusätzliche Begründung dafür gefunden.
An einsamer Spitze der Früchte-Hitliste
steht in Frankreich der Apfel mit fast 19 Kilogramm Verbrauch
pro Haushalt im Jahr, gefolgt von der Tomate als Lieblingsgemüse
mit 14 Kilogramm. Doch auch die weiße Rübe, der Kürbis
und die Rote Bete, die man längst in Vergessenheit versunken
glaubte, erleben ein großartiges Comeback. Die Zahl der
Grünkost-Gourmets im Land ist schwer zu schätzen, doch
seit einem Jahr registrieren Obst- und Gemüseläden Hochkonjunktur
mit einem jährlichem Wachstum um etwa acht bis 20 Prozent.
«Die Ware geht weg wie
warme Semmeln», sagt der Händler eines der größten
Obst- und Gemüsegeschäfte von Paris. Beim «Fruitier
d'Auteuil» am westlichen Rande der Hauptstadt kaufen die
Schauspielerinnen Carole Bouquet und Mireille Darc ein. «Ich
habe Bestellungen von Grünzeug über 500 Euro»,
sagt der Händler. Der «König der Gemüse»,
die Firma Bonduelle, hat innerhalb eines Jahres einen Umsatzsprung
von 25 Prozent verzeichnet. Der französische Staat unterstützt
den Trend. «Mehr Gemüse, weniger Herz-Kreislauf- Erkrankungen»,
lautete eine Werbekampagne des Gesundheitsministeriums.
Doch nicht nur in der Küche
wird es zunehmend grün. «Sag es mit Gemüse»,
statt mit Blumen, lautet eine neue Werbung. Zu Weihnachten verschickten
Unternehmen als Geschenke Gemüse-Körbe statt der sonst
üblichen Wein-Sortimente. «Das ist preiswerter und
originell», sagt die Marketing-Leiterin einer Werbeagentur.
Die Tendenz ist auch psychologisch
zu erklären. «In einer Überflussgesellschaft muss
man schlank sein. Dicksein wird im Gegensatz zu früheren
Jahrzehnten mit Krankheit und Armut verbunden», erklärt
der Soziologe Jean-Pierre Poulain, Autor des Buches «Penser
l'Alimentation» (Nachdenken Über Ernährung).
«Mit Obst und Gemüse
fühle ich mich wohl, intellektuell frischer und ich bin ruhiger
geworden», sagt die Schauspielerin Juliette Binoche, die
auf dem Bio-Markt am Boulevard Raspail einkaufen geht. Ihre Schauspieler-Kollegin
Mireille Darc hat sogar einen Gemüsegarten angelegt und schwärmt
besonders für Tomaten. «Dieses Aroma und dieser Geschmack
- das erinnert mich an meine Kindheit», sagt sie.
Das französische Institut
für die landwirtschaftliche Forschung (INRA) konzentriert
sich zur Zeit auf den Geschmack. Die Forscher haben eine wilde
Tomatensorte entdeckt, deren besondere Note bis zu 15 Minuten
im Mund spürbar bleibt. Diese fingergroße Sorte braucht
allerdings noch fünf Jahre, um mit Hilfe von Kreuzungen «marktreif»
gezüchtet zu werden.
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