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Nach dem Weltsozialforum:
Die Linke spürt wieder Aufwind
Die Linke spürt wieder
Aufwind. Das ist ein Gefühl, mit dem die rund 100.000 Teilnehmer
des 3. Weltsozialforums in Porto Alegre in ihre Heimat zurückkehren.
Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa
Porto Alegre (dpa) - Egal, was
Redner und Diskussionsteilnehmer beim sechstägigen Welttreffen
der Globalisierungskritiker in der südbrasilianischen Stadt
sagten, solange es nur links und solidarisch war, konnten sie
auf brausenden Applaus rechnen.
Wiederverstaatlichung von Unternehmen
und Banken, Sondersteuern für Reiche, genereller Schuldenerlass
für die Dritte Welt, bewaffnete Revolution unter dem Banner
von Marx, Engels und Lenin, Abschaffung des Internationalen Währungsfonds
(IWF) und der Weltbank, Verlegung der Vereinten Nationen weg aus
den USA bis zur Abschaffung aller Kapitalisten? Immer tosender
Beifall, als ob gerade bekannte Rockstars die Bühne betreten
hätten. «Vom ich, ich, ich zum tic, tic, tic»,
schloss der uruguayische Soziologe und Schriftsteller Eduardo
Galeano seinen Vortrag unter dem amüsierten Beifall von rund
20.000 Zuhörern. Tic heißt in der Sprache der Eingeborenen
wir.
Wesentlich konkretere Arbeit
leisteten Gruppen wie der Bund für Umwelt- und Naturschutz
Deutschland oder das weltweite Netzwerk Attac in hunderten von
Arbeitsgruppen. Da ging es um die Entschuldung der Dritten Welt,
die Welthandelsorganisation WTO und die Beschneidung der Macht
der Konzern.
Es ist das Versagen neoliberaler
Experimente in den Ländern der Dritten Welt, die zunehmende
Armut und Umweltzerstörung, die Arroganz des Nordens, vor
allem der als übermächtig empfundenen USA und deren
Kriegsrhetorik, die die Menschen auf die verbalen Barrikaden trieb.
Dort oben waren die Feindbilder US-Regierung, Hochfinanz und die
multinationalen Konzerne eindeutig und Grautöne Mangelware.
«Wir sollten von der Krisenstimmung des Weltwirtschaftsgipfels
in Davos ermutigt sein», sagte der bekannte Kapitalismus-Kritiker,
der US- Schriftsteller Noam Chomsky, nicht ohne Schadenfreude.
Ein wenig mehr kontroverse Debatte,
etwas mehr Widerspruch, hätte sich Margot Käßmann,
Bischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche von Hannover,
schon gewünscht. Wenn da jemand vorschlage, der Norden solle
Reparationen für Kolonialismus, Rassismus bezahlen und schon
wäre das Schuldenproblem der armen Länder gelöst,
dann blieben da doch noch ein paar Fragen offen, gibt die Bischöfin
zu bedenken. «Es wäre doch ganz gut, wenn die Gegenseite
mit am Tisch säße», sagt Käßmann.
Ihr Fazit ist dennoch positiv:
«Die hier spürbare unglaubliche Hoffnung und das Engagement
ermutigen, und das will ich mit nach Hause nehmen.» Von
dieser Bewegung könnten die wohlhabenden Länder noch
viel lernen. «Der Norden ist zwar wirtschaftlich reich,
aber arm an Visionen», sagt Käßmann und beklagt
die derzeit in Deutschland vorherrschende «latente Depression».
Zugleich warnt sie aber auch vor dem Klischee der «bösen
Weißen» im Norden und der «guten Armen»
im Süden.
Genau dieses Klischee aber nährten
die USA in Porto Alegre unfreiwillig mit ihrer Drohung, Irak anzugreifen.
Dieser in den Worten Galeanos «rationale Wahnsinn»
diene nur der Sicherung des irakischen Erdöls, lautete der
auf hunderten von Diskussion wiederholte Verdacht. Wenn die USA
als einzige Supermacht ihre Kriegsmacht so schamlos zur Durchsetzung
wirtschaftlicher Interessen einzusetzen bereit seien, dann sei
dem Norden auch jede andere Schandtat zuzutrauen. Der Widerstand
gegen einen Irak-Krieg rahmte das Treffen ein. Zum Auftakt und
zum Ende demonstrierten zehntausende Teilnehmer für den Frieden.
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