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- 28.01.2003 -

 

 

 

 

 

 

Nach dem Weltsozialforum:

Die Linke spürt wieder Aufwind

Die Linke spürt wieder Aufwind. Das ist ein Gefühl, mit dem die rund 100.000 Teilnehmer des 3. Weltsozialforums in Porto Alegre in ihre Heimat zurückkehren.

Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa

Porto Alegre (dpa) - Egal, was Redner und Diskussionsteilnehmer beim sechstägigen Welttreffen der Globalisierungskritiker in der südbrasilianischen Stadt sagten, solange es nur links und solidarisch war, konnten sie auf brausenden Applaus rechnen.

Wiederverstaatlichung von Unternehmen und Banken, Sondersteuern für Reiche, genereller Schuldenerlass für die Dritte Welt, bewaffnete Revolution unter dem Banner von Marx, Engels und Lenin, Abschaffung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank, Verlegung der Vereinten Nationen weg aus den USA bis zur Abschaffung aller Kapitalisten? Immer tosender Beifall, als ob gerade bekannte Rockstars die Bühne betreten hätten. «Vom ich, ich, ich zum tic, tic, tic», schloss der uruguayische Soziologe und Schriftsteller Eduardo Galeano seinen Vortrag unter dem amüsierten Beifall von rund 20.000 Zuhörern. Tic heißt in der Sprache der Eingeborenen wir.

Wesentlich konkretere Arbeit leisteten Gruppen wie der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland oder das weltweite Netzwerk Attac in hunderten von Arbeitsgruppen. Da ging es um die Entschuldung der Dritten Welt, die Welthandelsorganisation WTO und die Beschneidung der Macht der Konzern.

Es ist das Versagen neoliberaler Experimente in den Ländern der Dritten Welt, die zunehmende Armut und Umweltzerstörung, die Arroganz des Nordens, vor allem der als übermächtig empfundenen USA und deren Kriegsrhetorik, die die Menschen auf die verbalen Barrikaden trieb. Dort oben waren die Feindbilder US-Regierung, Hochfinanz und die multinationalen Konzerne eindeutig und Grautöne Mangelware. «Wir sollten von der Krisenstimmung des Weltwirtschaftsgipfels in Davos ermutigt sein», sagte der bekannte Kapitalismus-Kritiker, der US- Schriftsteller Noam Chomsky, nicht ohne Schadenfreude.

Ein wenig mehr kontroverse Debatte, etwas mehr Widerspruch, hätte sich Margot Käßmann, Bischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche von Hannover, schon gewünscht. Wenn da jemand vorschlage, der Norden solle Reparationen für Kolonialismus, Rassismus bezahlen und schon wäre das Schuldenproblem der armen Länder gelöst, dann blieben da doch noch ein paar Fragen offen, gibt die Bischöfin zu bedenken. «Es wäre doch ganz gut, wenn die Gegenseite mit am Tisch säße», sagt Käßmann.

Ihr Fazit ist dennoch positiv: «Die hier spürbare unglaubliche Hoffnung und das Engagement ermutigen, und das will ich mit nach Hause nehmen.» Von dieser Bewegung könnten die wohlhabenden Länder noch viel lernen. «Der Norden ist zwar wirtschaftlich reich, aber arm an Visionen», sagt Käßmann und beklagt die derzeit in Deutschland vorherrschende «latente Depression». Zugleich warnt sie aber auch vor dem Klischee der «bösen Weißen» im Norden und der «guten Armen» im Süden.

Genau dieses Klischee aber nährten die USA in Porto Alegre unfreiwillig mit ihrer Drohung, Irak anzugreifen. Dieser in den Worten Galeanos «rationale Wahnsinn» diene nur der Sicherung des irakischen Erdöls, lautete der auf hunderten von Diskussion wiederholte Verdacht. Wenn die USA als einzige Supermacht ihre Kriegsmacht so schamlos zur Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen einzusetzen bereit seien, dann sei dem Norden auch jede andere Schandtat zuzutrauen. Der Widerstand gegen einen Irak-Krieg rahmte das Treffen ein. Zum Auftakt und zum Ende demonstrierten zehntausende Teilnehmer für den Frieden.

 


© dpa

Der Widerstand gegen einen Irak-Krieg rahmte das Weltsozialforum ein. Zum Auftakt und zum Ende demonstrierten zehntausende Teilnehmer für den Frieden.


 Mehr Informationen:

Porto Alegre 2003

Weltsozialforum 2003

DIE ZEIT: Globalisierung

vista verde: Globalisierung

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