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Giftmüll-Deponie Afrika: Die Zeitbombe
unterm Palmendach
In Afrika tickt eine ökologische
Zeitbombe: Große Mengen ungebrauchter Chemikalien wie Pestizide
und andere vergessene oder vergammelte Altlasten sind als unberechenbarer
Cocktail sich selbst überlassen.
Von Ralf E. Krüger, dpa
Johannesburg (dpa) - Unter Palmen
und Strohdächern, Wellblech und selbst offenem Himmel tickt
in Afrika eine ökologische Zeitbombe. In 50.000 bis 100.000
Fässern schwappt nach Schätzungen der Vereinten Nationen
eine Giftbrühe, die einst als Waffe im Vernichtungskampf
gegen Käfer, Kräuter und Krankheiten angeliefert wurde.
Große Mengen ungebrauchter Chemikalien wie Pestizide, Fungizide,
Herbizide und andere vergessene, vernachlässigte oder vergammelte
Altlasten sind als unberechenbarer Cocktail sich selbst überlassen.
Die Verfallsdaten sind meist längst überschritten, viele
Fässer rostig, die Substanzen mangels Hinweisschildern oft
undefinierbar. Der Müll - darunter Supergifte wie Arsen,
Lindan oder DDT - überfordert bei weitem die Möglichkeiten
der afrikanischen Staaten.
Er ist nach den Horror-Schlagzeilen
Ende der 80er Jahre über Giftmüll-Tourismus aus Europa
das neue Sorgenkind von Umweltschützern und Hilfsorganisationen.
Nicht mehr skrupellose Müllhändler sind es, die mit
ihren Umtrieben zwischen Lagos und Maputo für Unbehagen sorgen.
Aber jetzt werden die Taten sichtbar: Pestizide, die vor sich
hin rotten. Gut ein Jahrzehnt nach Unterzeichnung der Basler Giftmüll-Konvention
- die dem internationalen Mülltourismus einen Riegel vorschob
- bestimmen Sicherung, Bergung und Entsorgung der Pestizide die
Prioritätenliste. Viele sind wegen der Gefahr für Mensch
und Umwelt längst verboten. Sie bergen die tödliche
Gefahr potenzieller Chemiekatastrophen.
Der Giftmüll sammelte sich
in den vergangen drei Jahrzehnten an. Vielfach lagert er nach
Beobachtungen von Umweltschützern direkt in der Nähe
von Feldern und Brunnen, Märkten oder Lebensmittelläden,
vor denen Kinder spielen und Tiere grasen. «Sowohl Südafrika
wie Botswana haben mehr als 1000 Tonnen nicht mehr verwendbarer
Pestizid-Vorräte, das gleiche gilt für Mosambik»,
zitiert Ronel Beukes vom World Wide Fund for Nature (WWF) eine
entsprechende Studie. Auch die Umweltorganisation Greenpeace warnt
schon seit langem vor den Folgen. «Wo immer wir auch kontrollieren:
Der Verpackungszustand der Pestizide ist erbärmlich, die
Aufbewahrung abenteuerlich», sagt Greenpeace-Giftexperte
Andreas Bernstorff.
Auf drei Dollar pro Kilogramm
oder Liter Gift werden die Kosten für seine Beseitigung geschätzt
- eine technische, organisatorische und finanzielle Überforderung
für viele der oft bitter armen Staaten. Kein Wunder, dass
angesichts der hohen Kosten und komplizierten Entsorgung erst
3000 Tonnen Giftmüll unschädlich gemacht wurden.
Deshalb hat das Internationale
Umwelt-Finanzierungsprogramm GEF (Global Environment Facility)
Mitte Oktober gerade 25 Millionen Dollar als Anschubfinanzierung
für ein Programm zugesagt, das in den kommenden 12 bis 15
Jahren Afrika vom Chemiemüll befreien soll. 10 weitere Millionen
sollen Entwicklungshilfe-Organisationen und andere Institutionen
beisteuern. Die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO, die seit 1985
mit internationalen Richtlinien Vertrieb und Anwendung von Pestiziden
zu regulieren versucht, war des Lobes voll. «Afrikanische
Staaten haben viel zu lange unter den widrigen Effekten der Verseuchung
mit Pestiziden gelitten», sagt FAO-Spezialist Mark Davis.
Ungelöst ist dagegen ein
anderes Müllproblem tief im Süden des Kontinents: der
radioaktive Abfall. Denn bei Kapstadt steht Afrikas einziges größeres
Atomkraftwerk. «Südafrika hat keine Entsorgungspolitik
und lagert seinen Atommüll auf dem Gelände», sagte
Südafrikas renommierter Atomenergie-Kritiker David Fig. Wie
es um die Sicherheit bestellt ist, zeigte eine Greenpeace-Aktion
Ende August: Obwohl die Behörden das Gelände als sicher
bezeichneten, waren mehrere Demonstranten dort problemlos eingedrungen.
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