vista verde - Portal für Umwelt und Natur - Werbung 

vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   P o l i t i k   &   G e s e l l s c h a f t

News - Seite 1Politik
Natur und Artenvielfalt
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 27.01.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

Giftmüll-Deponie Afrika: Die Zeitbombe unterm Palmendach

In Afrika tickt eine ökologische Zeitbombe: Große Mengen ungebrauchter Chemikalien wie Pestizide und andere vergessene oder vergammelte Altlasten sind als unberechenbarer Cocktail sich selbst überlassen.

Von Ralf E. Krüger, dpa

Johannesburg (dpa) - Unter Palmen und Strohdächern, Wellblech und selbst offenem Himmel tickt in Afrika eine ökologische Zeitbombe. In 50.000 bis 100.000 Fässern schwappt nach Schätzungen der Vereinten Nationen eine Giftbrühe, die einst als Waffe im Vernichtungskampf gegen Käfer, Kräuter und Krankheiten angeliefert wurde. Große Mengen ungebrauchter Chemikalien wie Pestizide, Fungizide, Herbizide und andere vergessene, vernachlässigte oder vergammelte Altlasten sind als unberechenbarer Cocktail sich selbst überlassen. Die Verfallsdaten sind meist längst überschritten, viele Fässer rostig, die Substanzen mangels Hinweisschildern oft undefinierbar. Der Müll - darunter Supergifte wie Arsen, Lindan oder DDT - überfordert bei weitem die Möglichkeiten der afrikanischen Staaten.

Er ist nach den Horror-Schlagzeilen Ende der 80er Jahre über Giftmüll-Tourismus aus Europa das neue Sorgenkind von Umweltschützern und Hilfsorganisationen. Nicht mehr skrupellose Müllhändler sind es, die mit ihren Umtrieben zwischen Lagos und Maputo für Unbehagen sorgen. Aber jetzt werden die Taten sichtbar: Pestizide, die vor sich hin rotten. Gut ein Jahrzehnt nach Unterzeichnung der Basler Giftmüll-Konvention - die dem internationalen Mülltourismus einen Riegel vorschob - bestimmen Sicherung, Bergung und Entsorgung der Pestizide die Prioritätenliste. Viele sind wegen der Gefahr für Mensch und Umwelt längst verboten. Sie bergen die tödliche Gefahr potenzieller Chemiekatastrophen.

Der Giftmüll sammelte sich in den vergangen drei Jahrzehnten an. Vielfach lagert er nach Beobachtungen von Umweltschützern direkt in der Nähe von Feldern und Brunnen, Märkten oder Lebensmittelläden, vor denen Kinder spielen und Tiere grasen. «Sowohl Südafrika wie Botswana haben mehr als 1000 Tonnen nicht mehr verwendbarer Pestizid-Vorräte, das gleiche gilt für Mosambik», zitiert Ronel Beukes vom World Wide Fund for Nature (WWF) eine entsprechende Studie. Auch die Umweltorganisation Greenpeace warnt schon seit langem vor den Folgen. «Wo immer wir auch kontrollieren: Der Verpackungszustand der Pestizide ist erbärmlich, die Aufbewahrung abenteuerlich», sagt Greenpeace-Giftexperte Andreas Bernstorff.

Auf drei Dollar pro Kilogramm oder Liter Gift werden die Kosten für seine Beseitigung geschätzt - eine technische, organisatorische und finanzielle Überforderung für viele der oft bitter armen Staaten. Kein Wunder, dass angesichts der hohen Kosten und komplizierten Entsorgung erst 3000 Tonnen Giftmüll unschädlich gemacht wurden.

Deshalb hat das Internationale Umwelt-Finanzierungsprogramm GEF (Global Environment Facility) Mitte Oktober gerade 25 Millionen Dollar als Anschubfinanzierung für ein Programm zugesagt, das in den kommenden 12 bis 15 Jahren Afrika vom Chemiemüll befreien soll. 10 weitere Millionen sollen Entwicklungshilfe-Organisationen und andere Institutionen beisteuern. Die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO, die seit 1985 mit internationalen Richtlinien Vertrieb und Anwendung von Pestiziden zu regulieren versucht, war des Lobes voll. «Afrikanische Staaten haben viel zu lange unter den widrigen Effekten der Verseuchung mit Pestiziden gelitten», sagt FAO-Spezialist Mark Davis.

Ungelöst ist dagegen ein anderes Müllproblem tief im Süden des Kontinents: der radioaktive Abfall. Denn bei Kapstadt steht Afrikas einziges größeres Atomkraftwerk. «Südafrika hat keine Entsorgungspolitik und lagert seinen Atommüll auf dem Gelände», sagte Südafrikas renommierter Atomenergie-Kritiker David Fig. Wie es um die Sicherheit bestellt ist, zeigte eine Greenpeace-Aktion Ende August: Obwohl die Behörden das Gelände als sicher bezeichneten, waren mehrere Demonstranten dort problemlos eingedrungen.

 

 Mehr Informationen:

UNEP: Chemicals

WWF: Umweltgifte

Greenpeace

vista verde: Umweltgifte

 

 Lesen Sie auch:

Vereinte Nationen: 2003 ist «Jahr des Süßwassers»

Uran-Fund in Tansania: Afrika als Einkaufsparadies für Terroristen?

Afrika: Pestizid-Einsatz bringt Kleinbauern Nachteile

UN-Konferenz: Weitere Kontrolle des Chemikalienhandels beschlossen

UN-Konferenz: Giftige Chemikalien töten in der Dritten Welt

Abfälle: Mehr Pestizid-Müll in Afrika

UNEP: Afrikas Umwelt unter Druck

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft | Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung

 

© vista verde 2003
Alle Rechte vorbehalten
Jede Vervielfältigung - auch auszugsweise - bedarf der Genehmigung