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- 24.01.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

USA: Bush-Regierung kann bei Umweltschützern keine Lorbeeren sammeln

Das Thema Umweltschutz ist unter der konservativen US-Regierung zum Reizwort geworden. Die Industrie frohlockt, Umweltschützer sind empört.

Von Christiane Oelrich, dpa

Washington (dpa) - Präsident George W. Bush begann seine Amtszeit mit dem Paukenschlag gegen das mühsam ausgehandelte Klimaprotokoll von Kyoto, das Bush als mangelhaft und für die USA irrelevant abtat. Es folgten die Lockerungen zahlreicher Umweltauflagen für die Industrie. In Naturreservaten soll leichter nach Öl gebohrt, in den Wäldern wieder mehr abgeholzt werden dürfen. Die Industrie frohlockt, Umweltschützer sind empört.

 


© ArtToday

Weißkopfseeadler: Trotz des amerikanischen Wappenvogels soll in US-Naturreservaten leichter nach Öl gebohrt, in den Wäldern wieder mehr abgeholzt werden dürfen.

 

«Die Regierung hat eine dauerhafte Amnestie für die schlimmsten Umweltverschmutzer geschaffen», kritisiert Wesley Warren, Wirtschaftsexperte der Naturschutzgruppe «Natural Resources Defence Council» (NRDC). Sie gehört mit einer halben Million Mitgliedern zu den größten in den USA. «Zwei Trends sind deutlich: eine Änderung der Philosophie und eine Reduzierung der Mittel für die Verfolgung von Umweltsündern», sagt Warren.

Im vergangenen Jahr hob die Regierung eine Regel auf, die Ölraffinerien zum Einbau kostspieliger Luftfilter verpflichtete. Sie setzt seitdem auf freiwillige Maßnahmen zur Luftschonung, die mit Steuerbegünstigungen gefördert werden. Einige Bestimmungen des Gesetzes über saubere Luft von 1977 hätten Innovationen behindert, argumentierte die Umweltschutzbehörde EPA. Bislang mussten bei allen Baumaßnahmen teure Filter eingebaut werden. Jetzt können kleinere Modernisierungen vorgenommen werden, ohne die Filter einzubauen. Mit der Regeländerung würden gefährlichen Emissionen sogar reduziert, sagte EPA-Chefin Christine Todd Whitman.

Neun Bundesstaaten haben dagegen jetzt Klage eingereicht. Ihre Handhabe für striktere Umweltauflagen sei damit schwer beeinträchtigt. «Mit ihrem Handeln verursacht die Bush-Regierung mehr sauren Regen, mehr Smog, mehr Asthma und mehr Erkrankungen der Atemwege für Millionen Amerikaner», monierte der Justizminister des Bundesstaates New York, Eliot Spitzer. «Es scheint, dass der gute Vorsatz der Bush-Regierung für das neue Jahr ist, die Energieindustrie zu beschwichtigen, indem sie das Leben der Leute im Nordosten der USA aufs Spiel setzt», meinte der Justizminister von Connecticut, Richard Blumenthal.

Die Regierung plant andere Änderungen, die den Bundesstaaten und Umweltschützern gegen den Strich gehen. So soll die Überwachung von Sauberkeitsstandards an zahlreichen Gewässern aus Bundeszuständigkeit an die Bundesstaaten übergeben werden. Weil die Bundesstaaten bei Industrieansiedlungen aber gegeneinander konkurrierten, sei die Einhaltung hoher Umweltstandards damit nicht mehr gewährleistet, moniert die Naturschutzgruppe NRDC.

Ein Fonds, aus dem die Säuberung Giftstoff verseuchter Gelände finanziert wurde, steht nach Angaben der Gruppe kurz vor dem Bankrott. Die Regierung weigerte sich ein Gesetz zu verlängern, das die Ölindustrie zu einer Sondersteuer zur Finanzierung des Fonds verpflichtete. Damit bleibe die Rechnung am Steuerzahler hängen. Ohnehin sind unter der Bush-Regierung wesentlich weniger Gelände gesäubert worden: 47 im Jahr 2001, verglichen mit jeweils mehr als 80 in den Vorjahren.

Umweltverschmutzer zahlen nach Angaben des NRDC unter der Bush- Regierung im Durchschnitt 64 Prozent weniger Strafen als in den Jahren zuvor. In den ersten zwei Jahren der neuen Regierung seien im Durchschnitt Zivilstrafen im Umfang von 3,8 Millionen Dollar im Monat verhängt worden, in den zwei Jahren davor habe der Betrag bei 10,6 Millionen Dollar gelegen. «Die Zahlen sprechen für sich. Dies ist mehr als nur laxe Strafverfolgung, das ist ein Pflichtversäumnis», schimpft Warren. «Es zeigt sich ganz klar: wer zahlt, gibt den Ton an.» Die Industrie habe Bushs Wahlkampf finanziert und werde dafür jetzt belohnt.

Die Umweltbehörde EPA weist die Vorwürfe von sich. Mit weniger Regularien und Anreizen für freiwillige Schutzmaßnahmen sei mehr zu erreichen als mit Zwangsbestimmungen, argumentiert sie.

 

 Mehr Informationen:

The White House

NRDC: The Bush Record

EPA


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