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Weltsozialforum: Traum von gerechterer
Welt lockt 100.000 Menschen
Das wachsende Unbehagen über
die neoliberale Globalisierung und vor allem über die dabei
herabfallenden Späne beschert dem Weltsozialforum in Brasilien
dieses Jahr eine Rekordbeteiligung.
Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa
Buenos Aires (dpa) - Mindestens
100.000 Teilnehmer erwarten die Organisatoren vom kommenden Donnerstag
an zu dem bunten Treffen in Porto Alegre, eine Verdoppelung im
Vergleich zum Vorjahr. So vielfältig wie die Zahl der angemeldeten
Gruppen, deren Ziele und die hunderten parallelen Veranstaltungen
auch sein mag, die meisten Teilnehmer werden durch den Traum von
einer gerechteren Welt angelockt.
Der Verlust von Arbeitsplätzen
und sozialen Rechten in den reichen Ländern, zunehmende Armut
und Verschuldung in den Schwellenländern und Hungersnöten
in den ganz armen Ländern sowie die weltweite Umweltzerstörung
dürften die Diskussionen bestimmen. Daneben werden die Kriegsvorbereitungen
der USA und Großbritanniens gegen den Irak auf einhellige
Ablehnung der Verfechter einer sanfteren und solidarischeren Weltordnung
stoßen. Auch ein Schuldenerlass für Länder wie
Argentinien steht auf der Liste der Forderungen ganz oben.
«Andere Welten sind möglich.»
Dieses zugleich optimistische und beliebige Schlagwort stand von
Anfang an als Motto über den Weltsozialforen. Es stellt zugleich
den «unumkehrbaren, unvermeidbaren und insgesamt segensreichen
Charakter der neoliberalen Globalisierung in Abrede», schrieb
der Generaldirektor von «Le Monde Diplomatique» und
Präsident von Attac-Frankreich, Bernard Cassen. Allerdings
gehe es nach der Phase der Ablehnung nun verstärkt darum,
positive Ziele zu formulieren, fügte das Mitglied des internationalen
Rates des Weltsozialforums hinzu.
Das Weltsozialforum wurde 2001
als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum in Davos aus der
Taufe gehoben. Dieses Jahr findet es zum dritten und letzten Mal
im südbrasilianischen Porto Alegre statt. 2004 wollen sich
die linksgerichteten Verfechter einer neuen Weltordnung, Umweltschützer,
Gewerkschafter, Kirchenvertreter und Repräsentanten von -
in diesem Jahr knapp 5000 - Bürgerinitiativen in Indien treffen.
Porto Alegre und das Weltsozialforum
haben sich zu einer Art Brutkasten für alternative, linke
Ideen und die Strategien zu deren Durchsetzung entwickelt. Konkrete
Ergebnisse werden jedoch auch dieses Jahr wieder kaum messbar
sein. Das liegt am Selbstverständnis der Organisatoren und
Teilnehmer, die hierarchische Strukturen und von Führungsgremien
formulierte, zusammenfassende Abschlusserklärungen ablehnen.
In der Charta der Prinzipien
definiert sich das Forum als «Raum» und «Prozess»
aber keinesfalls als «Einheit». Genau dies werfen
die Kritiker dem Treffen vor. Es sei ein eher beliebiger Debattierklub,
der über Aktionismus nicht hinaus- und schon gar nicht in
der Realität ankomme.
Den Zweiflern rät Cassen,
einfach mal in einen der hunderten von Podiumsdiskussionen, Arbeitsgruppen,
Konferenzen und Seminare zu gehen. Dann würden sie sehen,
dass das Forum «einem Ameisenhaufen ähnelt, in dem
es von Vorschlägen nur so wimmelt». Eben, nur von Vorschlägen,
würden die Kritiker wohl entgegnen.
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