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- 20.01.2003 -

 

 

 

 

Weltsozialforum: Traum von gerechterer Welt lockt 100.000 Menschen

Das wachsende Unbehagen über die neoliberale Globalisierung und vor allem über die dabei herabfallenden Späne beschert dem Weltsozialforum in Brasilien dieses Jahr eine Rekordbeteiligung.

Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa

Buenos Aires (dpa) - Mindestens 100.000 Teilnehmer erwarten die Organisatoren vom kommenden Donnerstag an zu dem bunten Treffen in Porto Alegre, eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr. So vielfältig wie die Zahl der angemeldeten Gruppen, deren Ziele und die hunderten parallelen Veranstaltungen auch sein mag, die meisten Teilnehmer werden durch den Traum von einer gerechteren Welt angelockt.

Der Verlust von Arbeitsplätzen und sozialen Rechten in den reichen Ländern, zunehmende Armut und Verschuldung in den Schwellenländern und Hungersnöten in den ganz armen Ländern sowie die weltweite Umweltzerstörung dürften die Diskussionen bestimmen. Daneben werden die Kriegsvorbereitungen der USA und Großbritanniens gegen den Irak auf einhellige Ablehnung der Verfechter einer sanfteren und solidarischeren Weltordnung stoßen. Auch ein Schuldenerlass für Länder wie Argentinien steht auf der Liste der Forderungen ganz oben.

«Andere Welten sind möglich.» Dieses zugleich optimistische und beliebige Schlagwort stand von Anfang an als Motto über den Weltsozialforen. Es stellt zugleich den «unumkehrbaren, unvermeidbaren und insgesamt segensreichen Charakter der neoliberalen Globalisierung in Abrede», schrieb der Generaldirektor von «Le Monde Diplomatique» und Präsident von Attac-Frankreich, Bernard Cassen. Allerdings gehe es nach der Phase der Ablehnung nun verstärkt darum, positive Ziele zu formulieren, fügte das Mitglied des internationalen Rates des Weltsozialforums hinzu.

Das Weltsozialforum wurde 2001 als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum in Davos aus der Taufe gehoben. Dieses Jahr findet es zum dritten und letzten Mal im südbrasilianischen Porto Alegre statt. 2004 wollen sich die linksgerichteten Verfechter einer neuen Weltordnung, Umweltschützer, Gewerkschafter, Kirchenvertreter und Repräsentanten von - in diesem Jahr knapp 5000 - Bürgerinitiativen in Indien treffen.

Porto Alegre und das Weltsozialforum haben sich zu einer Art Brutkasten für alternative, linke Ideen und die Strategien zu deren Durchsetzung entwickelt. Konkrete Ergebnisse werden jedoch auch dieses Jahr wieder kaum messbar sein. Das liegt am Selbstverständnis der Organisatoren und Teilnehmer, die hierarchische Strukturen und von Führungsgremien formulierte, zusammenfassende Abschlusserklärungen ablehnen.

In der Charta der Prinzipien definiert sich das Forum als «Raum» und «Prozess» aber keinesfalls als «Einheit». Genau dies werfen die Kritiker dem Treffen vor. Es sei ein eher beliebiger Debattierklub, der über Aktionismus nicht hinaus- und schon gar nicht in der Realität ankomme.

Den Zweiflern rät Cassen, einfach mal in einen der hunderten von Podiumsdiskussionen, Arbeitsgruppen, Konferenzen und Seminare zu gehen. Dann würden sie sehen, dass das Forum «einem Ameisenhaufen ähnelt, in dem es von Vorschlägen nur so wimmelt». Eben, nur von Vorschlägen, würden die Kritiker wohl entgegnen.

 


© dpa

Im vergangenen Jahr: Mit einem Marsch von 15.000 Menschen hatte das 2. Weltsozialforum in Porto Alegre im Januar 2002 begonnen.

 

 Mehr Informationen:

Porto Alegre 2003

Weltsozialforum 2003

vista verde: Globalisierung


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