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- 10.01.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

Ägypten: «Toschka» soll in der Wüste den Boden für Millionenstädte bereiten

Das Bewässerungsprojekt «Toschka» soll die ägyptische Wüste in eine fruchtbare Ebene verwandeln und Siedlungsfläche für Millionen schaffen. Kritiker halten den Plan allerdings für größenwahnsinnig, unbezahlbar und ökologisch unverantwortlich.

Von Ulrike Koltermann, dpa

Kairo (dpa) - Die Wüste lebt, das Wasser sprudelt, Millionen Ägypter siedeln im ehemals kargen und trockenen Oberägypten. Das ist der Traum namens «Toschka», den der ägyptische Präsident Hosni Mubarak seit Jahren verfolgt. Das nach einer Nilebene benannte Bewässerungsprojekt soll die Wüste in eine fruchtbare Ebene verwandeln und die innerägyptische Massenwanderung Richtung Nildelta stoppen. Kritiker halten Mubaraks Plan allerdings für größenwahnsinnig, unbezahlbar und ökologisch unverantwortlich. In Kürze will Mubarak die ersten Pumpen in Betrieb nehmen, die das Wasser in die Wüste bringen sollen.

Baubeginn für das im Pharaonenstil errichtete Mubarak-Pumpwerk war am 9. Januar 1997. Die Anlage ist nach ägyptischen Angaben weltweit die größte ihrer Art. Sie ist das Herz des «Toschka»-Projekts zur Fruchtbarmachung der Wüste in Oberägypten. Die 21 Pumpen, die in den kommenden Monaten nach und nach angeworfen werden sollen, befördern Wasser aus dem Nasser See bis zu 50 Meter hoch in ein Kanalsystem, das sich mehr als 320 Kilometer durch die Wüste schlängelt. Täglich sollen sich bis zu 25 Millionen Kubikmeter Wasser in die Kanäle ergießen.

«Wir wollen mit modernen Bewässerungsmethoden mehr als 200.000 Hektar Land fruchtbar machen», sagt Hussein El Atfi vom Wasserministerium. Schon jetzt baut ein vom saudischen Prinzen Al Walid bin Talal finanzierter Testbetrieb mit Hilfe von Grundwasser Melonen, Trauben und Tomaten in der Wüste an. «Künftig sollen dort große Mengen Obst und Gemüse für den arabischen, aber auch für den europäischen Markt produziert werden», sagt El Atfi. Dank des warmen Klimas könne auch in den Wintermonaten geerntet werden.

«Die Landwirtschaft ist erst der Anfang», sagt El Atfi. Die ägyptische Regierung denkt langfristig und will mit «Toschka» das Problem der Überbevölkerung angehen. Schließlich drängeln sich die etwa 68 Millionen Ägypter auf nur 5 Prozent der Fläche ihres Landes. «Wenn das Land in Oberägypten fruchtbar ist, brauchen die Menschen aus der Region nicht mehr ins Nildelta zu ziehen», erläutert El Atfi. Bis zu 18 Städte sollen aus dem Boden gestampft werden, in denen etwa 2 Millionen Menschen wohnen und arbeiten können.

Nach Angaben des Wasserministeriums liegen die Ausgaben mit bislang 4 Milliarden Ägyptischen Pfund (800 Millionen Euro) noch im Plan. In den kommenden 20 Jahren wird mit Kosten in Höhe von etwa 300 Milliarden Ägyptischen Pfund (62,3 Milliarden Euro) gerechnet. Die Regierung hofft auf reiche Investoren - unter anderem aus den Golfstaaten - und lockt mit großzügigen Steuererleichterungen.
 


© Jacques Descloitres, MODIS Land Rapid Response Team, NASA/GSFC

Der Nasser-Stausee (Mitte) und die Bewässerungsflächen des Toschka-Projektes (Mitte links) aus dem Weltraum. Der sie verbindende Bewässerungskanal ist auf dieser Satelliten-Aufnahme der NASA vom März 2002 nicht sichtbar. Oben rechts sieht man das Rote Meer.

 

Bodenversalzung befürchtet

Die offiziell angekündigte Studie über die ökologischen Folgen von «Toschka» ist bislang nicht veröffentlicht. «Die Regierung informiert zu wenig über mögliche negative Folgen», sagt ein Umweltexperte, der seinen Namen nicht nennen möchte. Das gesamte Ökosystem sei in Gefahr. «Der Boden wird allmählich versalzen, langfristig hat es auch Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel und das Klima», prognostiziert er. Die ökologischen Folgen könnten bis ins Nildelta hinein zu spüren sein.

Kritik an dem Projekt ist in Kairo nicht sehr willkommen. Anfangs hatte die oppositionelle Wafd-Partei immer wieder auf die hohen Kosten und die unabsehbaren Folgen für die Umwelt hingewiesen. Vor zwei Jahren musste der Chefredakteur der Parteizeitung seinen Posten räumen. Nach Ansicht politischer Beobachter hatte die Regierung dabei ihre Finger im Spiel. Seitdem ist es auffallend ruhig geworden um das Projekt, das die Wüste in eine Stadtlandschaft verwandeln soll.

 

 Mehr Informationen:

Das Toshka-Projekt (Schulprojekt)

Ägyptens Weg in die Moderne (bpb)

Ägypten (DSE/LIS)


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