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- 06.12.2002 -

 

 

 

 

Treffen mit Fischer:

Neudeck fordert Protest aus Berlin an Moskau

Der von den russischen Grenzbehörden abgewiesene Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck hat von der Bundesregierung ein offizielles Protest-Schreiben an Moskau gefordert.

Köln/Wörlitz (dpa) - Es sei ein «politischer Skandal», dass er gemeinsam mit dem früheren Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) und dem Schriftsteller Günter Wallraff an der Reise in das Grenzgebiet zu Tschetschenien gehindert worden sei, sagte Neudeck der dpa am Donnerstag in Köln. Wallraff sagte: «So einfach lassen wir uns nicht abspeisen.»

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) erklärte sich bereit, Neudeck, Wallraff und Blüm im Auswärtigen Amt zu treffen. Die drei sollten berichten, dann werde man beraten, sagte Fischer am Rande der Winterklausur der Grünen-Bundestagsfraktion in Wörlitz (Sachsen- Anhalt). Danach werde über Schlussfolgerungen entschieden.

Blüm, Neudeck und Wallraff war am Dienstag am Moskauer Flughafen Scheremetjewo trotz gültiger Visa die Einreise verweigert worden. «Die deutsche Regierung muss dagegen formell protestieren und fordern, dass eine solche humanitäre Reise und Menschenrechtsreise durchgeführt werden kann», verlangte Neudeck.

Das Trio werde erneut versuchen, eine Reise nach Inguschetien - die Nachbarrepublik Tschetscheniens - zu starten. Dort lebten 160 000 tschetschenische Flüchtlinge in erbärmlichen Zuständen, etwa in verlassenen Schweineställen oder Höhlen. Es müsse dringend auf das Schicksal dieser Menschen hingewiesen werden.

Das russische Außenministerium hatte am Mittwoch nach Angaben der Agentur Interfax mitgeteilt, Wallraff habe in einem Interview angekündigt, Beweise zu sammeln, um sie für eine antirussische Kampagne zu nutzen. Eine solche «journalistische Tätigkeit» sei mit dem beantragten Touristenvisum nicht vereinbar gewesen. Außerdem sei das Visum nur für Moskau und Sankt Petersburg ausgestellt worden.

Wallraff wies den Vorwurf einer «antirussischen Kampagne» zurück: «Wir wollten in Tschetschenien den Auftakt machen, um weitere Brennpunkte in der Welt aufzusuchen, wo Menschenrechte missachtet werden.»

 


© dpa

Der Autor Günter Wallraff (v.l), Cap Anamur-Vorstand Rupert Neudeck und der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm am Dienstagabend (07.01.2003) nach ihrer Ankunft aus Moskau in der Ankunftshalle des Frankfurter Flughafens.

 

 Mehr Informationen:

Cap Anamur

Günter Wallraff

DIE ZEIT: Die Reparaturkolonne


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