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Kyoto-Protokoll: Fünf Jahre Klimakrimi
- Warten auf Russland
Pünktlich zum fünften
Jahrestag des Klimaschutz-Protokolls von Kyoto hat die Europäische
Union ein wichtiges Instrument für das Vertragswerk umgesetzt.
Von Simone Humml, dpa
Hamburg (dpa) - Politiker und
Umweltschützer sehen in den am Montag vereinbarten Regeln
zum Handel von «Verschmutzungsrechten» innerhalb der
EU einen Anreiz für weitere Länder, im Kyoto-Prozess
mitzumachen. Karsten Smid von Greenpeace bezeichnet sie als «Meilenstein
auf dem Weg, die Verpflichtungen des Kyoto-Protokolls in nationale
Klimaschutzpolitik umzusetzen».
In der japanischen Stadt Kyoto
startete vor fünf Jahren, am 11. Dezember 1997, eine neue
Runde im Kampf um den Klimaschutz. Die Teilnehmerstaaten einigten
sich auf das Ziel, die Treibhausgase in den Industrieländern
im Zeitraum 2008 bis 2012 um mindestens 5 Prozent im Vergleich
zu 1990 zu senken. Doch das Ringen um die richtigen Wege zum Ziel
begann.
Die USA hatten schon am Schlusstag
der Konferenz 1997 unter der Regierung von Präsident Bill
Clinton angekündigt, das Protokoll nicht zu ratifizieren.
Der weltgrößte Treibhausgas-Emittent mischte zwar zunächst
noch im Kyoto-Prozess mit, doch scheiterte die Klimakonferenz
in Den Haag (2000) vor allem daran, dass sich die USA und andere
Länder großzügig die Forstwirtschaft als Klimaschutz-
Beitrag anrechnen wollten. Ein konkretes Regelwerk zum Kyoto-
Protokoll wurde erst 2001 in Bonn und Marrakesch vereinbart, nachdem
die USA unter der Regierung von George W. Bush den Verhandlungen
den Rücken gekehrt hatten.
Nach dem Ausscheiden der USA
ist in jedem Fall die Teilnahme Russlands für das Kyoto-Protokoll
nötig, denn das Vertragswerk wird erst gültig, wenn
es Industrieländer ratifizieren, die 1990 zusammen mindestens
55 Prozent des Kohlendioxids weltweit ausgestoßen haben.
Die Aussichten stehen gut. «Russland
weiß genau, dass es am Emissionshandel erst teilnehmen kann,
wenn es ratifiziert hat», sagt der Sprecher des Bundesumweltministeriums,
Michael Schroeren. Auf Grund des Zusammenbruchs der Industrie
in den 1990er Jahren hat gerade Russland viele Treibhausgasgutscheine
zu verkaufen.
«Der Emissionshandel ist
aber auch ein Appetitanreger für weitere Länder, dem
Kyotoprozess beizutreten», ergänzt Schroeren mit Blick
auf die USA. Diesen Mechanismen würden sich andere Volkswirtschaften
auf Dauer voraussichtlich nicht entziehen. Es sei zu hoffen, dass
die US- Wirtschaft weiter Druck mache auf die Politik.
Stephan Singer, Klimachef der
Umweltstiftung WWF in Europa, warnt, Europa dürfe nicht den
Fehler machen, Klimaschutz und Kyoto nur im Licht des Emissionshandels
zu betrachten. «Alle Regierungen haben noch genug zu tun,
um Klimaschutz wirklich umzusetzen.» Er forderte europaweite
Energie-Standards für elektrische Geräte, die dann nur
bestimmte Energiemengen verbrauchen dürften. Der öffentliche
Verkehr und der Güterverkehr auf der Schiene müssten
europaweit gefördert und der Energieverbrauch von Häusern
reduziert werden.
Einig sind sich Umweltschützer
und viele Wissenschaftler, dass in weiteren Klima-Verhandlungsrunden
noch deutlich mehr für den Klimaschutz getan werden muss:
«Das Kyoto-Protokoll ist ein guter Ansatz, doch es reicht
mitnichten», sagt Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut
für Klimafolgenforschung.
«Wenn sich der globale Mittelwert
um mehr als zwei Grad erhöht, stoßen wir in Temperaturbereiche,
die in der Kulturgeschichte der Menschheit einmalig wären.»
Um dies zu verhindern, müsse der Anteil an regenerativen
Energien in den kommenden 20 bis 30 Jahren auf 30 bis 40 Prozent
der Energieproduktion erhöht werden.
Ohnehin sei die Erde schon im
Klimawandel: «Es gibt kein Entweder- Oder zwischen Vermeidung
und Anpassung, sondern beides muss gemacht werden», betont
Edenhofer. Er setzt Hoffnung auf die Industrie und verweist auf
die Konzerne Shell und BP. Beide haben - lange vor politischen
Vorgaben - jeweils einen internen Zertifikatshandel zwischen eigenen
Geschäftseinheiten erprobt. Und sie verzeichneten damit einen
Emissionsrückgang. Bei Shell handelten die Betriebe eine
Tonne Kohlendioxidausstoß mit durchschnittlich fünf
Dollar.
Das Kyoto-Protokoll beruht auf
der 1992 vereinbarten Klimaschutzkonvention von Rio de Janairo.
Deren Ziel ist es, den Ausstoß von Treibhausgasen derart
zu vermindern, dass sich Mensch und Ökosysteme «auf
natürliche Weise» den Klimaänderungen anpassen
können.
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