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- 10.12.2002 -

 

 

 

 

 

 

Kyoto-Protokoll: Fünf Jahre Klimakrimi - Warten auf Russland

Pünktlich zum fünften Jahrestag des Klimaschutz-Protokolls von Kyoto hat die Europäische Union ein wichtiges Instrument für das Vertragswerk umgesetzt.

Von Simone Humml, dpa

Hamburg (dpa) - Politiker und Umweltschützer sehen in den am Montag vereinbarten Regeln zum Handel von «Verschmutzungsrechten» innerhalb der EU einen Anreiz für weitere Länder, im Kyoto-Prozess mitzumachen. Karsten Smid von Greenpeace bezeichnet sie als «Meilenstein auf dem Weg, die Verpflichtungen des Kyoto-Protokolls in nationale Klimaschutzpolitik umzusetzen».

In der japanischen Stadt Kyoto startete vor fünf Jahren, am 11. Dezember 1997, eine neue Runde im Kampf um den Klimaschutz. Die Teilnehmerstaaten einigten sich auf das Ziel, die Treibhausgase in den Industrieländern im Zeitraum 2008 bis 2012 um mindestens 5 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Doch das Ringen um die richtigen Wege zum Ziel begann.

Die USA hatten schon am Schlusstag der Konferenz 1997 unter der Regierung von Präsident Bill Clinton angekündigt, das Protokoll nicht zu ratifizieren. Der weltgrößte Treibhausgas-Emittent mischte zwar zunächst noch im Kyoto-Prozess mit, doch scheiterte die Klimakonferenz in Den Haag (2000) vor allem daran, dass sich die USA und andere Länder großzügig die Forstwirtschaft als Klimaschutz- Beitrag anrechnen wollten. Ein konkretes Regelwerk zum Kyoto- Protokoll wurde erst 2001 in Bonn und Marrakesch vereinbart, nachdem die USA unter der Regierung von George W. Bush den Verhandlungen den Rücken gekehrt hatten.

Nach dem Ausscheiden der USA ist in jedem Fall die Teilnahme Russlands für das Kyoto-Protokoll nötig, denn das Vertragswerk wird erst gültig, wenn es Industrieländer ratifizieren, die 1990 zusammen mindestens 55 Prozent des Kohlendioxids weltweit ausgestoßen haben.

Die Aussichten stehen gut. «Russland weiß genau, dass es am Emissionshandel erst teilnehmen kann, wenn es ratifiziert hat», sagt der Sprecher des Bundesumweltministeriums, Michael Schroeren. Auf Grund des Zusammenbruchs der Industrie in den 1990er Jahren hat gerade Russland viele Treibhausgasgutscheine zu verkaufen.

«Der Emissionshandel ist aber auch ein Appetitanreger für weitere Länder, dem Kyotoprozess beizutreten», ergänzt Schroeren mit Blick auf die USA. Diesen Mechanismen würden sich andere Volkswirtschaften auf Dauer voraussichtlich nicht entziehen. Es sei zu hoffen, dass die US- Wirtschaft weiter Druck mache auf die Politik.

Stephan Singer, Klimachef der Umweltstiftung WWF in Europa, warnt, Europa dürfe nicht den Fehler machen, Klimaschutz und Kyoto nur im Licht des Emissionshandels zu betrachten. «Alle Regierungen haben noch genug zu tun, um Klimaschutz wirklich umzusetzen.» Er forderte europaweite Energie-Standards für elektrische Geräte, die dann nur bestimmte Energiemengen verbrauchen dürften. Der öffentliche Verkehr und der Güterverkehr auf der Schiene müssten europaweit gefördert und der Energieverbrauch von Häusern reduziert werden.

Einig sind sich Umweltschützer und viele Wissenschaftler, dass in weiteren Klima-Verhandlungsrunden noch deutlich mehr für den Klimaschutz getan werden muss: «Das Kyoto-Protokoll ist ein guter Ansatz, doch es reicht mitnichten», sagt Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

«Wenn sich der globale Mittelwert um mehr als zwei Grad erhöht, stoßen wir in Temperaturbereiche, die in der Kulturgeschichte der Menschheit einmalig wären.» Um dies zu verhindern, müsse der Anteil an regenerativen Energien in den kommenden 20 bis 30 Jahren auf 30 bis 40 Prozent der Energieproduktion erhöht werden.

Ohnehin sei die Erde schon im Klimawandel: «Es gibt kein Entweder- Oder zwischen Vermeidung und Anpassung, sondern beides muss gemacht werden», betont Edenhofer. Er setzt Hoffnung auf die Industrie und verweist auf die Konzerne Shell und BP. Beide haben - lange vor politischen Vorgaben - jeweils einen internen Zertifikatshandel zwischen eigenen Geschäftseinheiten erprobt. Und sie verzeichneten damit einen Emissionsrückgang. Bei Shell handelten die Betriebe eine Tonne Kohlendioxidausstoß mit durchschnittlich fünf Dollar.

Das Kyoto-Protokoll beruht auf der 1992 vereinbarten Klimaschutzkonvention von Rio de Janairo. Deren Ziel ist es, den Ausstoß von Treibhausgasen derart zu vermindern, dass sich Mensch und Ökosysteme «auf natürliche Weise» den Klimaänderungen anpassen können.

 

 Mehr Informationen:

BMU: Klimaschutz

Greenpeace

WWF

PIK Potsdam

vista verde: Klima

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