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- 09.12.2002 -

 

 

 

 

 

 

Welttag:

Appelle und Kritik zum Tag der Menschenrechte

Anlässlich des «Tags der Menschenrechte» an diesem Dienstag haben Bundesregierung und Hilfsorganisationen Menschenrechtsverletzungen im Rahmen des Anti-Terror-Kampfes beklagt.

Berlin/London (dpa) - «Auch in der internationalen Allianz gegen den Terrorismus muss die Einhaltung der Menschenrechte oberste Priorität haben», erklärte Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) am Montag. Die Opposition warf Rot-Grün in diesem Zusammenhang eine inkonsequente Politik vor. UN-Generalsekretär Kofi Annan bezeichnete die Achtung der Menschenrechte als wirksamstes Instrument gegen Kriminalität und Terrorismus.

Wieczorek-Zeul appellierte an die internationale Gemeinschaft, keine Regierungen zu tolerieren, die Menschenrechte mit Füßen treten. «Diese perversen Zweckallianzen haben gerade in Entwicklungsländern oft verheerende Spuren hinterlassen», sagte die Ministerin. Für Maßnahmen zur Stärkung von Menschenrechten, guter Regierungsführung und Demokratie in Entwicklungsländern habe die Bundesregierung in den nächsten Jahren rund 170 Millionen Euro eingeplant.

Die Organisation Amnesty International betonte, Menschenrechtsverletzungen seien nicht nur Sache der Entwicklungsländer. «Menschenrechte werden jeden Tag weltweit verletzt», sagte Sprecherin Teresa Richardson in London. Auch die Verschärfung der Anti-Terror-Gesetze etwa in Großbritannien, die Todesstrafe in den USA und Folterungen in der Türkei gehörten dazu. Amnesty hat 2001 Menschenrechtsverletzungen in 152 Ländern und Regionen festgestellt.

UN-Generalsekretär Annan hatte bereits vergangene Woche erklärt, die Wahrung der Menschenrechte sei «die beste Garantie» für internationale Sicherheit und Freiheit. «Wir wollen sicherstellen, dass wir dieses wertvolle Erbe niemals als etwas Selbstverständliches betrachten.»

Der menschenrechtspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Funke, warf Rot-Grün indes eine inkonsequente Politik vor: «Menschenrechte vertragen keine Doppelstandards.» Aber weder kritisiere die Bundesregierung angemessen die russische Tschetschenien-Politik, noch fordere sie bei der chinesischen Führung eine bessere Menschenrechtssituation ein. Unions-Experte Hermann Gröhe (CDU) forderte, gegen gravierende Einschränkungen der Meinungsfreiheit in diesen Ländern zu kämpfen: «Menschenschinder fürchten nämlich nichts so sehr wie die Wahrheit.»

Die Gesellschaft für bedrohte Völker bescheinigte der Regierung Schröder eine «rapide zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber Menschenrechtsverletzungen». Der SPD-Fraktionssprecher für Menschenrechte, Rudolf Bindig, bestritt die Vorwürfe: «Wir werden auch künftig unsere Politik der Stärkung der Menschenrechte im In- und Ausland fortsetzen.» Union und FDP warf er vor, keine eigenen Initiativen und Konzepte entwickelt zu haben.

Die Kinderhilfsorganisation terre des hommes prangerte neben zunehmender Gewalt beim Anti-Terror-Kampf an, dass nach wie vor weltweit Kinderarbeit und Kinderhandel blühten. Auch würden Millionen Minderjährige als Prostituierte und Soldaten zwangsrekrutiert. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte forderte die Bundesregierung auf, sich bei den Vereinten Nationen gegen die Steinigung in Ländern mit islamischem Recht einzusetzen.

Der «Tag der Menschenrechte» erinnert an die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte am 10. Dezember 1948.

 

 Mehr Informationen:

BMZ

amnesty international

Gesellschaft für bedrohte Völker

terre des hommes


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