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- 06.12.2002 -

 

 

 

 

 

 

Von der Krise zur Katastrophe:

Akute Hungersnot im südlichen Afrika

Anhaltende Trockenheit im Verbund mit Missmanagement, Aids und politischem Chaos hat im südlichen Afrika zu einer akuten Hungersnot geführt.

Von Ralf E. Krüger, dpa

Johannesburg (dpa) - Große Augen, leerer Blick: Wie ein Häufchen Elend aus Haut und Knochen steht der Junge am Wegesrand und schaut über ein zerstörtes Maisfeld. Nach langer Hitze und Dürre war es nun auf einmal der Frost, der über das von Südafrika umschlossene kleine Gebirgskönigreich Lesotho herzog. Nicht nur die schwächelnde Saat, sondern auch die Hoffnung auf einen Ausweg aus der Krise zerstörte er: Lesotho wird auch 2004 noch am Tropf der internationalen Nothilfe hängen. Es ist eins von sechs Ländern im südlichen Afrika, in denen zur Zeit das Wetter verrückt spielt und 15 Millionen Menschen eine immer bedrohlichere Hungersnot beschert.

Klimatologen warnen vor einer El-Nino-Wetteranomalie, die in der gesamten Region die Niederschlagsmenge verändern könnte. Schon klagen auch Bauern in Südafrika über ausbleibenden Regen und die Ärmsten der Armen über immer weiter steigende Lebensmittelpreise. Eine menschliche Katastrophe sieht das UN-Kinderhilfswerk Unicef heraufziehen. Berichte über erste «Hungertote» in der Region mehren sich bereits, chronische Unterernährung ist allgegenwärtig. Sie macht die meist schon von der Immunschwächekrankheit Aids geschwächten Menschen noch anfälliger für Infektionen. Nahrungsmittelreserven sind fast überall aufgebraucht.

Bereits im Mai war absehbar, dass es eine Krise im südlichen Afrika geben würde. «Nun steuern wir direkt auf eine Katastrophe zu», sagt Jennifer Abrahamson vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP). Kurz vor Weihnachten soll eine Lageanalyse klären, ob eine Verdoppelung der Hilfe nötig wird. Klar ist aber bereits, dass ein Nachlassen der Hilfe zahlreiche Menschen zum Tode verurteilen würde. Abrahamson: «Dass die Krise weiter bestehen wird, steht außer Frage. Unklar ist, wie weit sie sich noch verschlimmern wird.» Die Gründe sind zum überwiegenden Teil wetterbedingt, werden aber verschärft durch Missmanagement, Aids oder politisches Chaos.

Es setzt auch die Helfer unter Druck. Denn die chaotischen Farmbesetzungen in Simbabwe, die die Hungersnot nicht verursacht, aber verstärkt haben, führten zu nachlassender Spendenbereitschaft. Vielfach wird zu Recht befürchtet, dass die Hilfe nur Anhängern von Präsident Robert Mugabe zugute käme. Der hat nach langem Leugnen der drohenden Hungersnot vor der Wahl nun den landesweiten «Notstand» ausgerufen, um den vom Verhungern bedrohten Menschen zu helfen.

Im Wettlauf gegen die Zeit hatten WFP, Caritas, Welthungerhilfe, Rotes Kreuz, World Vision und andere in den Ländern Malawi, Simbabwe, Sambia, Mosambik, Lesotho und Swasiland Depots eingerichtet und Infrastruktur aufgebaut. Zwischen Cuamba (Mosambik) und Malawis Grenze hat das WFP gerade eine 77 Kilometer lange Schienenverbindung renoviert, um Nahrungsmittel über den Hafen Nacala zu transportieren. Die im Krieg zerstörte Verbindung ermöglicht nun einen schnellen Transport großer Nahrungsmengen. «Zeit ist in Malawi entscheidend - die Zahl der Hungernden wird im Dezember von 2,3 Millionen auf 3,3 Millionen springen», sagt WFP-Malawi-Experte Gerard Van Dijk.

Auch das neue Hilfsbündnis «Aktion Deutschland Hilft» (ADH) unterstützt diese Sicht. «Wenn die Menschen bis zur nächsten vollen Ernte überhaupt eine Chance bekommen sollen, dann müssen die Organisationen jetzt breite internationale Unterstützung erhalten», meint ADH-Vorstandssprecher Heribert Röhrig. Hilfsorganisationen vor Ort seien am Ende ihrer finanziellen und personellen Kraft. Viele betreuen auch noch andere Brandherde humanitärer Hilfe in Afrika.

Denn auch in Angola, Äthiopien und Burundi hungern die Menschen. In dem kleinen Bürgerkriegsland im Gebiet der großen Seen sind nach WFP-Warnungen schon in diesem Monat 1,2 Millionen Menschen von einer akuten Hungersnot bedroht. In Angola, wo es nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg Hoffnung auf Frieden gibt, stehen die Hilfsorganisationen ebenso wie in Äthiopien vor enormen Herausforderungen.

Dort warnte Regierungschef Meles Zenawi vor einer Hungersnot bisher nicht gekannten Ausmaßes, von der bis zu 15 Millionen Menschen bedroht seien. Mehr als bei der großen Dürre 1984. Auch das WFP schloss sich dem Hilfsappell an. «Die bisherigen Spendenzusagen reichen bei weitem nicht», warnt die Repräsentantin für das Land am Horn von Afrika, Georgia Shaver. «Wenn die Geber schnell reagieren, können wir schweres menschliches Leid verhindern.»

 

 Mehr Informationen:

Aktion Deutschland Hilft

Deutsche Welthungerhilfe

Unicef


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