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- 02.12.2002 -

 

 

 

 

 

 

EU-Pläne: Deutschland soll Atomkraft stärker fördern

Atomausstieg hin oder her: Deutschland könnte schon bald gezwungen sein, noch stärker als bisher die Kernkraft in Europa zu fördern und selbst in Osteuropa Atommeiler mitzufinanzieren.

Von Can Merey, dpa

Berlin/Brüssel (dpa) - Der Atomausstieg ist eines der rot-grünen Vorzeigeprojekte. Und nach dem Willen der Bundesregierung soll er ein «weltweites Signal» aussenden. Doch in Brüssel wird dieses Signal anscheinend nicht empfangen. Noch stärker als ohnehin schon könnte die Bundesrepublik bald gezwungen sein, Kernkraft in Europa zu fördern und Atommeiler selbst in Osteuropa mitzufinanzieren. Die EU- Kommission will den Euratom-Kreditrahmen für Kernkraftwerke von vier auf sechs Milliarden Euro massiv aufstocken. Als größter Nettozahler müsste Deutschland davon indirekt rund 20 Prozent tragen.

Bundestags-Abgeordnete von SPD und Grünen laufen in Berlin Sturm gegen die Anfang November beschlossenen Kommissions-Pläne. Als «nicht akzeptabel» hatte Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) die Vorschläge in einem Brief an EU-Kommissare bereits zuvor abgekanzelt. Doch nicht die Umwelt-, sondern die Finanzminister entscheiden in der Sache. So kann von deutscher Seite nur noch Hans Eichel (SPD) das Vorhaben stoppen. An diesem Montag wollen rot-grüne Parlamentarier Eichel bei einem Treffen dazu bewegen, beim EU-Finanzministerrat voraussichtlich Anfang kommenden Jahres ein Veto einzulegen.

Die energiepolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Michaele Hustedt, schimpft mit Blick auf die Pläne: «Eine solche Mittelvergabe widerspricht den Zielsetzungen des deutschen Atomausstiegs, weil sie den Ausbau der Atomenergie in Europa immer weiter vorantreibt.» Zwar werde stets angeführt, dass durch die Mittel die Sicherheit bei den teils maroden osteuropäischen Atomkraftwerken verbessert werden soll. «Bislang ist die Sicherheitswirkung dieser Projekte allerdings fragwürdig.»

In der Tat sollen die Euratom-Gelder für Zwecke verwendet werden, die besonders den Grünen die Haare zu Berge stehen lassen dürften. So sind etwa 250 Millionen Euratom-Euro für das rumänische Atomkraftwerk Cernavoda 2 beantragt. Dabei geht es aber keineswegs um die Verbesserung von Sicherheitsstandards bei einem laufenden Meiler: Cernavoda 2 ist ein Neubau, für den laut Hustedt kein altes AKW in Rumänien abgeschaltet wird.

In die bulgarischen Reaktoren Kosloduj 5 und 6 wurden bereits 215 Millionen Euro aus Euratom-Mitteln gepumpt. «Damit sollte eigentlich die Schließung der Hochsicherheitsreaktoren 1 bis 4 unterstützt werden», kritisiert Hustedt. «Es zeichnet sich aber ab, dass sich die Schließung der Reaktoren 3 und 4 bis 2010 herauszögern wird.»

Der Bundestag hat sich in der vergangenen Legislaturperiode bereits dafür ausgesprochen, Euratom auslaufen zu lassen. Immerhin stammt der Vertrag, der die Entwicklung der Kernenergie in der Gemeinschaft fördern soll, aus dem Jahr 1957. Auch Hustedt spricht sich vehement für ein Ende von Euratom aus und fordert, der Vertrag müsse in die Debatte des EU-Konvents für eine europäische Verfassung einbezogen werden. Schließlich, so sagt die Grünen-Politikerin, sei Euratom «das letzte verbliebene Relikt aus den Gründerjahren der EU».

 

 Mehr Informationen:

BMU: Atomkraft

EU-Kommission: Atomenergie

Bündnis 90/Die Grünen

Homepage von Michaele Hustedt

vista verde: Atomkraft


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