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AKW Emsland: Hoftransport statt Castor-Zugreise
Statt streng bewacht und begleitet
von massiven Protesten quer durch Deutschland sollen abgebrannte
Brennelemente bald gewissermaßen über den Hof ins Zwischenlager
transportiert werden.
Von Jutta Steinhoff, dpa
Lingen (dpa) - Nicht gerade in
der Schubkarre, sondern wie bisher auch in Castor-Behältern
zum Schutz gegen Strahlung. Aber günstiger und risikoärmer
als Transporte in die zentralen Zwischenlager Gorleben (Niedersachsen)
und Ahaus (Nordrhein-Westfalen) sind die Lösungen direkt
an den Kernkraftwerken allemal.
Das erste dieser auf dem Gelände
der Atommeiler errichteten Standort-Zwischenlager ist am niedersächsischen
Kernkraftwerk Emsland in Lingen seit kurzem einsatzbereit: Vorbehaltlich
der Anfang November erteilten Betriebsgenehmigung des Bundesamtes
für Strahlenschutz (BfS) hatte die RWE Power AG (Essen) als
Kraftwerksbetreiber bereits im Oktober 2000 mit dem Bau der 110
Meter langen und 27 Meter breiten Halle begonnen.
Zuvor hatten sich die deutschen
Kraftwerksbetreiber im Rahmen der am 14. Juni 2000 unterzeichneten
Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und Energieversorgern
verpflichtet, dezentrale Lager für verbrauchte Brennelemente
am Kraftwerksstandort zu errichten. Damit sollen Castor-Transporte
quer durch Deutschland langfristig unnötig werden.
Vor allem wegen der Sicherheitsmaßnahmen
waren die Transporte zu einem Millionengrab geworden. Allein der
jüngste Transport von zwölf Castor-Behältern, der
am vergangenen Donnerstag Gorleben erreichte und für dessen
Begleitung 16 700 Polizisten im Einsatz waren, könnte mit
bis zu 30 Millionen Euro zu Buche schlagen.
In Lingen rechnet RWE-Power-Sprecher
Manfred Lang noch in diesem Jahr mit der ersten Einlagerung von
abgebrannten Brennelementen. Allerdings müsse zunächst
die so genannte Handhabung der Castoren nachgewiesen werden: Wie
bisher werden die Brennelemente aus den Abklingbecken des Kraftwerks
in Castoren verladen. Per Güterwaggon wechseln sie dann in
die Halle, wo sie bis zu 40 Jahre lang zwischengelagert werden
dürfen. Die Aufbewahrung von 125 Castorbehältern ist
so genehmigt.
Lingen soll kein Einzelfall bleiben.
An elf weiteren der bundesweit 19 aktiven Kernkraftwerke sind
Zwischenlager geplant und beantragt. Das Bundesamt für Strahlenschutz
rechnet mit Entscheidungen bis Ende kommenden Jahres. «Ziel
ist, dass sämtliche Zwischenlager 2005 einsatzbereit sind»,
sagte BfS-Präsident Wolfram König. Allerdings sei nach
den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 auch
die Gefahr eines gezielten Flugzeugabsturzes auf die Zwischenlager
in die Risikobewertung aufgenommen worden, was die Verfahren verzögert
habe.
Zumindest für das Zwischenlager
Ahaus bedeuten die Standort- Zwischenlager bereits jetzt eine
Art «Dornröschenschlaf», sagt der Sprecher des
Zwischenlagers, Michael Ziegler. Der jüngste Castortransport
erreichte Ahaus im März 1998, begleitet von einem massiven
Proteststurm mehrerer tausend Atomkraftgegner. Geplant und genehmigt
war Anfang 2001 ein weiterer Transport von abgebrannten Brennelementen
aus den Kraftwerken Biblis, Neckarwestheim und Philippsburg. Dieser
war dann jedoch nach Intervention von Bundesumweltminister Jürgen
Trittin (Grüne) abgesagt worden.
Entbehrlich sind die zentralen
Zwischenlager in Ahaus und vor allem in Gorleben dennoch nicht,
da Deutschland in den kommenden Jahren noch große Mengen
Atommüll aus den Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague (Frankreich)
und Sellafield (Großbritannien) zurücknehmen muss.
Bis zum Jahr 2030 soll nach dem Willen von Rot-Grün über
ein Atommüll-Endlager entschieden werden.
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