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- 18.11.2002 -

 

 

 

 

 

AKW Emsland: Hoftransport statt Castor-Zugreise

Statt streng bewacht und begleitet von massiven Protesten quer durch Deutschland sollen abgebrannte Brennelemente bald gewissermaßen über den Hof ins Zwischenlager transportiert werden.

Von Jutta Steinhoff, dpa

Lingen (dpa) - Nicht gerade in der Schubkarre, sondern wie bisher auch in Castor-Behältern zum Schutz gegen Strahlung. Aber günstiger und risikoärmer als Transporte in die zentralen Zwischenlager Gorleben (Niedersachsen) und Ahaus (Nordrhein-Westfalen) sind die Lösungen direkt an den Kernkraftwerken allemal.

Das erste dieser auf dem Gelände der Atommeiler errichteten Standort-Zwischenlager ist am niedersächsischen Kernkraftwerk Emsland in Lingen seit kurzem einsatzbereit: Vorbehaltlich der Anfang November erteilten Betriebsgenehmigung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) hatte die RWE Power AG (Essen) als Kraftwerksbetreiber bereits im Oktober 2000 mit dem Bau der 110 Meter langen und 27 Meter breiten Halle begonnen.

Zuvor hatten sich die deutschen Kraftwerksbetreiber im Rahmen der am 14. Juni 2000 unterzeichneten Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und Energieversorgern verpflichtet, dezentrale Lager für verbrauchte Brennelemente am Kraftwerksstandort zu errichten. Damit sollen Castor-Transporte quer durch Deutschland langfristig unnötig werden.

Vor allem wegen der Sicherheitsmaßnahmen waren die Transporte zu einem Millionengrab geworden. Allein der jüngste Transport von zwölf Castor-Behältern, der am vergangenen Donnerstag Gorleben erreichte und für dessen Begleitung 16 700 Polizisten im Einsatz waren, könnte mit bis zu 30 Millionen Euro zu Buche schlagen.

In Lingen rechnet RWE-Power-Sprecher Manfred Lang noch in diesem Jahr mit der ersten Einlagerung von abgebrannten Brennelementen. Allerdings müsse zunächst die so genannte Handhabung der Castoren nachgewiesen werden: Wie bisher werden die Brennelemente aus den Abklingbecken des Kraftwerks in Castoren verladen. Per Güterwaggon wechseln sie dann in die Halle, wo sie bis zu 40 Jahre lang zwischengelagert werden dürfen. Die Aufbewahrung von 125 Castorbehältern ist so genehmigt.

Lingen soll kein Einzelfall bleiben. An elf weiteren der bundesweit 19 aktiven Kernkraftwerke sind Zwischenlager geplant und beantragt. Das Bundesamt für Strahlenschutz rechnet mit Entscheidungen bis Ende kommenden Jahres. «Ziel ist, dass sämtliche Zwischenlager 2005 einsatzbereit sind», sagte BfS-Präsident Wolfram König. Allerdings sei nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 auch die Gefahr eines gezielten Flugzeugabsturzes auf die Zwischenlager in die Risikobewertung aufgenommen worden, was die Verfahren verzögert habe.

Zumindest für das Zwischenlager Ahaus bedeuten die Standort- Zwischenlager bereits jetzt eine Art «Dornröschenschlaf», sagt der Sprecher des Zwischenlagers, Michael Ziegler. Der jüngste Castortransport erreichte Ahaus im März 1998, begleitet von einem massiven Proteststurm mehrerer tausend Atomkraftgegner. Geplant und genehmigt war Anfang 2001 ein weiterer Transport von abgebrannten Brennelementen aus den Kraftwerken Biblis, Neckarwestheim und Philippsburg. Dieser war dann jedoch nach Intervention von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) abgesagt worden.

Entbehrlich sind die zentralen Zwischenlager in Ahaus und vor allem in Gorleben dennoch nicht, da Deutschland in den kommenden Jahren noch große Mengen Atommüll aus den Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague (Frankreich) und Sellafield (Großbritannien) zurücknehmen muss. Bis zum Jahr 2030 soll nach dem Willen von Rot-Grün über ein Atommüll-Endlager entschieden werden.

 

 Mehr Informationen:

BMU: Atomkraft

BfS

vista verde: Atomkraft


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