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Uran-Fund in Tansania:
Afrika als Einkaufsparadies für Terroristen?
Der Fund von 110 Kilo geschmuggelten
Rohurans in Tansania bestärkt alte Befürchtungen: Die
chaotischen Strukturen vieler Länder Afrikas machen den Kontinent
zum Einkaufsparadies für Machthaber und Terroristen.
Von Antje Passenheim, dpa
Nairobi (dpa) - Erst im September
warnte der britische Premierminister Tony Blair in einem Dossier
gegen Saddam Hussein, der irakische Machthaber könnte mit
Uran aus Afrika an Atomwaffen basteln. Auch tansanische Ermittler
schließen jetzt einen terroristischen Hintergrund des Schmuggels
nicht aus.
Die Spur des gelben Pulvers führt
offenbar in das benachbarte Bürgerkriegsland Kongo. Es wäre
nicht der erste Verdacht, dass von hier Uran in den Irak geschmuggelt
wird. Im November 2001 bezichtigte die italienische Tageszeitung
«La Republica» einen ehemaligen Beamten des Ex-Herrschers
von Zaire (heute Kongo), Mobutu Sese Seko, des Handels mit dem
Erz. Er soll versucht haben, zehn Kilogramm Uran in Plastikflaschen
über Belgien, Italien und Libyen nach Irak und Nordkorea
zu schmuggeln.
Schon viel früher bezogen
allerdings auch die USA waffentaugliches Uran aus der damaligen
belgischen Kolonie: Tonnen kongolesischen Urans wurden 1945 von
den Minen von Chinkolobwe in der Katanga- Provinz nach Amerika
verschifft. Sie landeten in den Atombomben von Hiroshima und Nagasaki.
Die Minen in der Region der Bergbaustadt
Likasi blieben auch später für Ausländer attraktiv:
Noch zu Zeiten Laurent Kabilas, des ermordeten Vaters des heutigen
kongolesischen Präsidenten, hielten sich dort vor gut zwei
Jahren nach Geheimdienstkenntnissen rund 550 Ingenieure und Atomexperten
aus Nordkorea auf, um die inzwischen gefluteten Stollen wieder
nutzbar zu machen.
«Kongo gehört seit
1955, lange vor seiner Unabhängigkeit, nicht mehr zu den
Uran-Lieferanten und ist Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags»,
sagte der belgische Ökonom Hugues Leclerq dem Magazin «New
African» (Ausgabe 412/November 2002). «Selbst wenn
Schmuggler dort nach wie vor Uran finden, werden sie es schwer
verkaufen können», meint der Professor der Römisch-Katholischen
Universität von Louvain. Er bewertet die Vorwürfe gegen
Afrika im Blair-Doissier als «pure Fantasie».
In der Hauptstadt Kinshasa jedenfalls
steht noch immer ein Forschungsreaktor des so genannten «Regionalen
Zentrums für Nuklearstudien». Nach Informationen der
Internationalen Atomenergie- Behörde (IAEA) in Wien verschwand
daraus erst kürzlich ein Brennstab spurlos. US-Diplomaten
befürchteten, er könnte Terroristen in die Hände
gefallen sein.
Auch die Zentralafrikanische
Republik geriet ins Fadenkreuz der US-Fahnder: Verdacht erregen
die außerordentlich guten Beziehungen zum libyschen Revolutionsführer
Muammar el Gaddafi. Er eilte dem angeschlagenen Präsidenten
Ange-Felix Patassé nach einem versuchten Putsch im Mai
2001 mit Soldaten zu Hilfe - und blieb gleich da. Patassé
vergütet den Schutz reichlich: Im Juni schloss er in Tripolis
mit Gaddafi einen Vertrag, der diesem auf 99 Jahre die Ausbeutung
der Bodenschätze seines Landes garantiert. Unter anderem
werden dort große Uranvorkommen vermutet.
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