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- 14.11.2002 -

 

 

 

 

Nach Riesendemo in Florenz:

Wiedergeburt der Friedensbewegung?

Es war eine der größten Anti-Kriegs-Demonstrationen seit vielen Jahren in Europa, eine halbe Million Menschen gingen in Florenz auf die Straße, vielleicht noch viel mehr. Eine Wiedergeburt der Friedensbewegung der 80er Jahre?

Von Peer Meinert, dpa

Florenz (dpa) - Wochen lang hatte die Regierung von Silvio Berlusconi gegen die Demonstration gewettert, Randale geradezu an die Wand gemalt, angeblich seien sogar die Kunstwerke von Florenz in Gefahr. Am Ende war der Abschluss des großen Treffens der Kriegsgegner und Globalisierungs-Kritiker ein Fest - entspannte Stimmung, von Chaoten keine Spur, nicht einmal ein paar Fensterscheiben gingen zu Bruch.

Selbst die Veranstalter des «Europäischen Sozialforums» hatten sich nicht träumen lassen, dass sie so viele Teilnehmer auf die Beine kriegen würden. Während sich die Welt ansonsten mit dem heraufziehenden Krieg fast abzufinden scheint, US-Präsident George Bush immer mehr Rückendeckung bekommt, und selbst das arabische Syrien im Sicherheitsrat der Irak-Resolution zustimmt, ist in Florenz eine beispiellose Mobilisierung gelungen. «Nach Florenz, was nun?», fragte ein Kommentator im italienischen Fernsehen. Eine Wiedergeburt der Friedensbewegung der 80er Jahre?


© dpa

Neun Demonstrantinnen beim Sozialforum in Florenz.


Entspannte Stimmung, von Chaoten keine Spur

«Zuerst hatten wir natürlich etwas Angst», meint eine Studentin, die mit dem Sonderzug aus Rom angereist kam. Die Demonstranten durften nicht einmal in die historische Altstadt. Statt um Dom, Uffizien und Ponte Vecchio zu ziehen, mussten sie auf die Außenbezirke ausweichen. Das Abschlusskonzert fand weitab im Fussballstadion statt. Zwar hatten viele Florentiner Geschäftsleute aus Furcht ihre Läden geschlossen - aber nicht wenige Menschen standen trotzdem am Fenster ihrer Wohnungen und applaudierten den Demonstranten.

«Wir sind gegen den Krieg im Irak, es wäre eine Kastrophe, auch für den ganzen Nahen Osten», sagt eine Italierin mittleren Alters, die bekennt, noch nie zuvor auf eine Demonstrantion gegangen zu sein. «Aber wir müssen jetzt etwas tun», meinte ihre Freundin. Was auffällt: Zwar ist es das erklärte Ziel der Proteste, «die Kriegskoalition» zu stoppen. Doch anti-amerikanische Töne waren in Florenz eher selten. Zwar wehten reihenweise rote Fahnen, aber mindesten genauso oft wurden auch die neutralen Regenbogen-Flaggen mit dem Wort «Pace» (Frieden) geschwenkt.

Es waren nicht nur die Linkskräfte, die in Florenz auf die Straßen gingen. Natürlich waren die italienischen Altkommunisten dabei, die auch sonst keine Demo auslassen. Aber es waren auch kirchliche Gruppen, Gewerkschafter und Ökolologiebewegte gekommen, viele aus Frankreich, aus Spanien, aus Großbritannien und natürlich auch aus Deutschland. Und längst nicht alle Teilnehmer waren junge Studenten. «Wenn die Linksparteien nicht aufpassen, werden sie von dieser Bewegung überrollt», meinte ein italienischer Grüner.

Statt sich offensiv mit der «Lebensfrage Krieg oder Frieden» auseinanderzusetzen, ducke sich die europäische Linke einfach weg. Immerhin, nicht alle. Ein etwas älterer italienischer Gewerkschafter weiß immerhin, dass in Berlin zwei Politiker sitzen, die einem Waffengang gegen Bagdad auch nicht gerade als Lösug ansehen. «Schröder und Fischer», sagt der Mann mit rollendem italienischen R. Die beiden Berliner seien «molto bravi», meint der Mann - sehr anständig.

 

 Mehr Informationen:

Europäisches Sozialforum

DIE ZEIT: Club der Gesitteten

vista verde: Globalisierung


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