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Nach Riesendemo in Florenz:
Wiedergeburt der Friedensbewegung?
Es war eine der größten
Anti-Kriegs-Demonstrationen seit vielen Jahren in Europa, eine
halbe Million Menschen gingen in Florenz auf die Straße,
vielleicht noch viel mehr. Eine Wiedergeburt der Friedensbewegung
der 80er Jahre?
Von Peer Meinert, dpa
Florenz (dpa) - Wochen lang hatte
die Regierung von Silvio Berlusconi gegen die Demonstration gewettert,
Randale geradezu an die Wand gemalt, angeblich seien sogar die
Kunstwerke von Florenz in Gefahr. Am Ende war der Abschluss des
großen Treffens der Kriegsgegner und Globalisierungs-Kritiker
ein Fest - entspannte Stimmung, von Chaoten keine Spur, nicht
einmal ein paar Fensterscheiben gingen zu Bruch.
Selbst die Veranstalter des «Europäischen
Sozialforums» hatten sich nicht träumen lassen, dass
sie so viele Teilnehmer auf die Beine kriegen würden. Während
sich die Welt ansonsten mit dem heraufziehenden Krieg fast abzufinden
scheint, US-Präsident George Bush immer mehr Rückendeckung
bekommt, und selbst das arabische Syrien im Sicherheitsrat der
Irak-Resolution zustimmt, ist in Florenz eine beispiellose Mobilisierung
gelungen. «Nach Florenz, was nun?», fragte ein Kommentator
im italienischen Fernsehen. Eine Wiedergeburt der Friedensbewegung
der 80er Jahre?

© dpa
Neun Demonstrantinnen
beim Sozialforum in Florenz.
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Entspannte Stimmung, von Chaoten keine Spur
«Zuerst hatten wir natürlich
etwas Angst», meint eine Studentin, die mit dem Sonderzug
aus Rom angereist kam. Die Demonstranten durften nicht einmal
in die historische Altstadt. Statt um Dom, Uffizien und Ponte
Vecchio zu ziehen, mussten sie auf die Außenbezirke ausweichen.
Das Abschlusskonzert fand weitab im Fussballstadion statt. Zwar
hatten viele Florentiner Geschäftsleute aus Furcht ihre Läden
geschlossen - aber nicht wenige Menschen standen trotzdem am Fenster
ihrer Wohnungen und applaudierten den Demonstranten.
«Wir sind gegen den Krieg
im Irak, es wäre eine Kastrophe, auch für den ganzen
Nahen Osten», sagt eine Italierin mittleren Alters, die
bekennt, noch nie zuvor auf eine Demonstrantion gegangen zu sein.
«Aber wir müssen jetzt etwas tun», meinte ihre
Freundin. Was auffällt: Zwar ist es das erklärte Ziel
der Proteste, «die Kriegskoalition» zu stoppen. Doch
anti-amerikanische Töne waren in Florenz eher selten. Zwar
wehten reihenweise rote Fahnen, aber mindesten genauso oft wurden
auch die neutralen Regenbogen-Flaggen mit dem Wort «Pace»
(Frieden) geschwenkt.
Es waren nicht nur die Linkskräfte,
die in Florenz auf die Straßen gingen. Natürlich waren
die italienischen Altkommunisten dabei, die auch sonst keine Demo
auslassen. Aber es waren auch kirchliche Gruppen, Gewerkschafter
und Ökolologiebewegte gekommen, viele aus Frankreich, aus
Spanien, aus Großbritannien und natürlich auch aus
Deutschland. Und längst nicht alle Teilnehmer waren junge
Studenten. «Wenn die Linksparteien nicht aufpassen, werden
sie von dieser Bewegung überrollt», meinte ein italienischer
Grüner.
Statt sich offensiv mit der «Lebensfrage
Krieg oder Frieden» auseinanderzusetzen, ducke sich die
europäische Linke einfach weg. Immerhin, nicht alle. Ein
etwas älterer italienischer Gewerkschafter weiß immerhin,
dass in Berlin zwei Politiker sitzen, die einem Waffengang gegen
Bagdad auch nicht gerade als Lösug ansehen. «Schröder
und Fischer», sagt der Mann mit rollendem italienischen
R. Die beiden Berliner seien «molto bravi», meint
der Mann - sehr anständig.
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