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- 21.10.2002 -

 

 

 

 

 

 

Klimaschutz:

Neue Klimarunde in Neu Delhi - Kyoto-Protokoll noch nicht in Kraft

Tausende von Regierungsvertretern aus aller Welt unternehmen von diesem Mittwoch an in Neu Delhi einen neuen Anlauf zu Vereinbarungen über den globalen Klimaschutz.

Von Edgar Bauer, dpa

Neu Delhi/Bonn (dpa) - Nach den grundsätzlichen Weichenstellungen und Regelungen zum Kyoto-Protokoll geht es bei der UN-Klimakonferenz in der indischen Hauptstadt gut eine Woche lang (bis 1. November) vor allem darum, auf welchem Wege die einzelnen Länder ihre klimaschädlichen Treibhausgase verringern.

Die Leiterin des UN-Klimasekretariats in Bonn, Joke Waller-Hunter, dringt auf rasche Ergebnisse. «Wenn das Kyoto-Protokoll in Kraft tritt, haben die Industriestaaten keine zehn Jahre mehr, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen.»

Doch dies dürfte schwierig werden, denn die meisten westlichen Industrieländer - nicht Deutschland - haben seit 1990 nicht weniger, sondern sogar noch mehr Kohlendioxid (CO2) in die Luft gepustet. Das Kyoto-Protokoll von 1997 sieht eine Verminderung der wichtigsten Treibhausgase in Industrieländern bis 2012 (im Vergleich zu 1990) um durchschnittlich 5,2 Prozent vor.

Zunehmende Hochwasserkatastrophen in Europa und Asien, Dürren auf dem indischen Subkontinent, heftigere Sturmfluten oder schmelzende Gletscher sind für die UN-Klimaexperten ein unübersehbares Warnzeichen für die verheerenden Folgen der Erderwärmung. Sie gehen davon aus, dass der Klimawandel vor allem vom Menschen durch Verbrennen von fossilen Energieträgern wie Öl, Kohle und Gas verursacht wird.

Häufigere und zerstörerische Stürme könnten künftig jährlich Schäden bis zu 150 Milliarden Euro verursachen, stellte eine Studie im Auftrag des UN-Umweltprogramms (UNEP) vor wenigen Tagen fest. Dies könnte zum Zusammenbruch von Versicherungen, Rückversicherern und Banken führen. Angesichts der Erkenntnisse und der drohenden Gefahren gehe es mit dem Klimaschutz viel zu langsam voran, und auch das Kyoto-Protokoll gehe nicht weit genug.

Doch das Kyoto-Protokoll, um das ein Jahrzehnt lang gerungen wurde, ist ohne Mittun der USA inzwischen weit weniger effektiv und auch immer noch nicht in Kraft. Waller-Hunter geht davon aus, dass dies endlich im nächsten Jahr der Fall sein wird. Dazu fehlt - nach dem Ausscheren der USA - weiterhin die Ratifizierung durch Russland. Auf dem Weltgipfel Anfang September in Johannesburg hatten die Russen angekündigt, dazu «in allernächster Zukunft» bereit zu sein.

Bisher haben nach Angaben des Bonner UN-Klimasekretariats 95 Staaten, auch die EU und Japan, das Protokoll ratifiziert. Auf die Industrieländer darunter entfielen im Basisjahr 1990 insgesamt 37,1 Prozent des CO2-Ausstoßes. Damit ist zwar die notwendige Zahl der Länder (55) erreicht, nicht aber die erforderliche Höhe des Ausstoßes (mindestens 55 Prozent des CO2-Ausstoßes der Industrieländer). Um dieses Ziel zu erreichen wird Russland (17,4 Prozent) gebraucht.

Auf der 8. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention in Neu Delhi (COP 8) wird über konkrete Wege zur CO2-Reduzierung. Dazu zählen der Handel mit so genannten Emissionsrechten oder die Anrechnung von klimaverträglichen Projekten in Entwicklungsländern. Hier dürften auch Forderungen ärmerer Entwicklungsländer nach mehr Unterstützung in den Mittelpunkt rücken. Ferner sollen die USA als weltgrößter Verursacher von Treibhausgasen längerfristig wieder an Bord geholt werden.

 

  vista verde special: Klimagipfel in Neu Delhi

 Mehr Informationen:

UNFCCC: COP8

BMU: Klimaschutz

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