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Klimaschutz:
Neue Klimarunde in Neu Delhi - Kyoto-Protokoll
noch nicht in Kraft
Tausende von Regierungsvertretern
aus aller Welt unternehmen von diesem Mittwoch an in Neu Delhi
einen neuen Anlauf zu Vereinbarungen über den globalen Klimaschutz.
Von Edgar Bauer, dpa
Neu Delhi/Bonn (dpa) - Nach den
grundsätzlichen Weichenstellungen und Regelungen zum Kyoto-Protokoll
geht es bei der UN-Klimakonferenz in der indischen Hauptstadt
gut eine Woche lang (bis 1. November) vor allem darum, auf welchem
Wege die einzelnen Länder ihre klimaschädlichen Treibhausgase
verringern.
Die Leiterin des UN-Klimasekretariats
in Bonn, Joke Waller-Hunter, dringt auf rasche Ergebnisse. «Wenn
das Kyoto-Protokoll in Kraft tritt, haben die Industriestaaten
keine zehn Jahre mehr, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen.»
Doch dies dürfte schwierig
werden, denn die meisten westlichen Industrieländer - nicht
Deutschland - haben seit 1990 nicht weniger, sondern sogar noch
mehr Kohlendioxid (CO2) in die Luft gepustet. Das Kyoto-Protokoll
von 1997 sieht eine Verminderung der wichtigsten Treibhausgase
in Industrieländern bis 2012 (im Vergleich zu 1990) um durchschnittlich
5,2 Prozent vor.
Zunehmende Hochwasserkatastrophen
in Europa und Asien, Dürren auf dem indischen Subkontinent,
heftigere Sturmfluten oder schmelzende Gletscher sind für
die UN-Klimaexperten ein unübersehbares Warnzeichen für
die verheerenden Folgen der Erderwärmung. Sie gehen davon
aus, dass der Klimawandel vor allem vom Menschen durch Verbrennen
von fossilen Energieträgern wie Öl, Kohle und Gas verursacht
wird.
Häufigere und zerstörerische
Stürme könnten künftig jährlich Schäden
bis zu 150 Milliarden Euro verursachen, stellte eine Studie im
Auftrag des UN-Umweltprogramms (UNEP) vor wenigen Tagen fest.
Dies könnte zum Zusammenbruch von Versicherungen, Rückversicherern
und Banken führen. Angesichts der Erkenntnisse und der drohenden
Gefahren gehe es mit dem Klimaschutz viel zu langsam voran, und
auch das Kyoto-Protokoll gehe nicht weit genug.
Doch das Kyoto-Protokoll, um
das ein Jahrzehnt lang gerungen wurde, ist ohne Mittun der USA
inzwischen weit weniger effektiv und auch immer noch nicht in
Kraft. Waller-Hunter geht davon aus, dass dies endlich im nächsten
Jahr der Fall sein wird. Dazu fehlt - nach dem Ausscheren der
USA - weiterhin die Ratifizierung durch Russland. Auf dem Weltgipfel
Anfang September in Johannesburg hatten die Russen angekündigt,
dazu «in allernächster Zukunft» bereit zu sein.
Bisher haben nach Angaben des
Bonner UN-Klimasekretariats 95 Staaten, auch die EU und Japan,
das Protokoll ratifiziert. Auf die Industrieländer darunter
entfielen im Basisjahr 1990 insgesamt 37,1 Prozent des CO2-Ausstoßes.
Damit ist zwar die notwendige Zahl der Länder (55) erreicht,
nicht aber die erforderliche Höhe des Ausstoßes (mindestens
55 Prozent des CO2-Ausstoßes der Industrieländer).
Um dieses Ziel zu erreichen wird Russland (17,4 Prozent) gebraucht.
Auf der 8. Vertragsstaatenkonferenz
der Klimarahmenkonvention in Neu Delhi (COP 8) wird über
konkrete Wege zur CO2-Reduzierung. Dazu zählen der Handel
mit so genannten Emissionsrechten oder die Anrechnung von klimaverträglichen
Projekten in Entwicklungsländern. Hier dürften auch
Forderungen ärmerer Entwicklungsländer nach mehr Unterstützung
in den Mittelpunkt rücken. Ferner sollen die USA als weltgrößter
Verursacher von Treibhausgasen längerfristig wieder an Bord
geholt werden.
vista verde special: Klimagipfel
in Neu Delhi
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