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- 15.10.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

FAO: Kampf gegen weltweiten Hunger kommt nicht voran

Der Kampf gegen den Hunger in der Welt kommt nicht mehr voran. «Er ist praktisch zum Stillstand gekommen», sagte der stellvertretende Direktor der Welternährungsorganisation FAO, Hartwig de Haen, bei der Vorstellung des jährlichen Hungerberichtes.

London (dpa) - Beim Welternährungsgipfel im Jahr 1996 hatten sich 186 Länder vorgenommen, die Zahl der Hungernden bis 2015 von damals 841 Millionen um mindestens die Hälfte auf etwa 400 Millionen zu verringern. Doch zur Zeit schätzt die FAO die Zahl der Hungernden noch immer auf etwa 840 Millionen.

Jedes Jahr sterben den Angaben zufolge allein sechs Millionen Kinder unter fünf Jahren an den Folgen von Unterernährung. «Wenn dieser Trend nicht noch radikal umgekehrt wird, wird die Welt weit davon entfernt sein, das Ziel des Welternährungsgipfels von 1996 zu erreichen», sagte de Haen am Dienstag in London.

Die einzige gute Nachricht sei, dass einige Länder große Erfolge erzielt hätten, zum Beispiel China und Vietnam. In vielen anderen Ländern nehme der Hunger aber nicht ab, sondern zu, vor allem in Zentralafrika. Allein in der Demokratischen Republik Kongo, einem potenziell reichen Land, habe sich die Zahl der Hungernden verdreifacht. Hier wie in vielen anderen Ländern sei Krieg der Grund für die dramatische Verschlechterung der Versorgungssituation.

Vielfach sei der Hunger «unsichtbar», sagte de Haen. Die meisten Menschen seien nicht das Opfer großer Hungersnöte, sondern erlägen Krankheiten, denen sie auf Grund ihrer durch Unterernährung geschwächten Konstitution nichts entgegenzusetzen hätten.

Millionen unterernährter Kinder stürben zum Beispiel an Malaria, Masern, Durchfall und Erkrankungen der Atemwege. «Diese versteckten Killer treffen viel mehr Menschen als die Hungerepidemien, die regelmäßig Schlagzeilen machen», sagte de Haen. Auf sofortige Nahrungsmittelhilfe seien etwa 67 Millionen Menschen angewiesen.

Die FAO rief erneut dazu auf, wesentlich mehr Geld in die ärmsten Länder zu investieren. «Die Zahl der hungernden Menschen um die Hälfte zu reduzieren, ist nicht nur eine moralische Verpflichtung, sondern auch eine gute Investition, die den Armen wie den Reichen solide wirtschaftliche Erträge bringen würde», sagte de Haen.

Nach Auffassung der FAO ist es ein Irrglaube zu meinen, dass sich alles schon durch die zusammenwachsende Weltwirtschaft regeln werde. Vor allem könne man darauf nicht warten, wenn täglich so viele Menschen verhungerten, heißt es im Jahresbericht.

Der Hunger begründe einen Teufelskreis: «Hungernde Kinder können nicht lernen. Hungernde Erwachsene können keine harte körperliche Arbeit verrichten, werden öfter krank und sterben wahrscheinlich jung.» Letztlich liege es am mangelnden politischen Willen, dass der Hunger nicht wirksam bekämpft werde.

 

 Mehr Informationen:

FAO

Report "The State of Food Insecurity in the World 2002" (pdf)

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