|
FAO: Kampf gegen weltweiten Hunger kommt
nicht voran
Der Kampf gegen den Hunger
in der Welt kommt nicht mehr voran. «Er ist praktisch zum
Stillstand gekommen», sagte der stellvertretende Direktor
der Welternährungsorganisation FAO, Hartwig de Haen, bei
der Vorstellung des jährlichen Hungerberichtes.
London (dpa) - Beim Welternährungsgipfel
im Jahr 1996 hatten sich 186 Länder vorgenommen, die Zahl
der Hungernden bis 2015 von damals 841 Millionen um mindestens
die Hälfte auf etwa 400 Millionen zu verringern. Doch zur
Zeit schätzt die FAO die Zahl der Hungernden noch immer auf
etwa 840 Millionen.
Jedes Jahr sterben den Angaben
zufolge allein sechs Millionen Kinder unter fünf Jahren an
den Folgen von Unterernährung. «Wenn dieser Trend nicht
noch radikal umgekehrt wird, wird die Welt weit davon entfernt
sein, das Ziel des Welternährungsgipfels von 1996 zu erreichen»,
sagte de Haen am Dienstag in London.
Die einzige gute Nachricht sei,
dass einige Länder große Erfolge erzielt hätten,
zum Beispiel China und Vietnam. In vielen anderen Ländern
nehme der Hunger aber nicht ab, sondern zu, vor allem in Zentralafrika.
Allein in der Demokratischen Republik Kongo, einem potenziell
reichen Land, habe sich die Zahl der Hungernden verdreifacht.
Hier wie in vielen anderen Ländern sei Krieg der Grund für
die dramatische Verschlechterung der Versorgungssituation.
Vielfach sei der Hunger «unsichtbar»,
sagte de Haen. Die meisten Menschen seien nicht das Opfer großer
Hungersnöte, sondern erlägen Krankheiten, denen sie
auf Grund ihrer durch Unterernährung geschwächten Konstitution
nichts entgegenzusetzen hätten.
Millionen unterernährter
Kinder stürben zum Beispiel an Malaria, Masern, Durchfall
und Erkrankungen der Atemwege. «Diese versteckten Killer
treffen viel mehr Menschen als die Hungerepidemien, die regelmäßig
Schlagzeilen machen», sagte de Haen. Auf sofortige Nahrungsmittelhilfe
seien etwa 67 Millionen Menschen angewiesen.
Die FAO rief erneut dazu auf,
wesentlich mehr Geld in die ärmsten Länder zu investieren.
«Die Zahl der hungernden Menschen um die Hälfte zu
reduzieren, ist nicht nur eine moralische Verpflichtung, sondern
auch eine gute Investition, die den Armen wie den Reichen solide
wirtschaftliche Erträge bringen würde», sagte
de Haen.
Nach Auffassung der FAO ist es
ein Irrglaube zu meinen, dass sich alles schon durch die zusammenwachsende
Weltwirtschaft regeln werde. Vor allem könne man darauf nicht
warten, wenn täglich so viele Menschen verhungerten, heißt
es im Jahresbericht.
Der Hunger begründe einen
Teufelskreis: «Hungernde Kinder können nicht lernen.
Hungernde Erwachsene können keine harte körperliche
Arbeit verrichten, werden öfter krank und sterben wahrscheinlich
jung.» Letztlich liege es am mangelnden politischen Willen,
dass der Hunger nicht wirksam bekämpft werde.
|