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- 09.10.2002 -

 

 

 

 

 

 

Machtprobe in der Koalition:

SPD und Grünen ringen um Energiepolitik

Schon bei den Koalitionsverhandlungen vor vier Jahren war die Energiepolitik ein Zankapfel zwischen den Partnern. Jetzt ringen SPD und Grüne wieder auf diesem Feld.

Von Eva Tasche, dpa

Berlin (dpa) - Eine hochrangig besetzte Arbeitsgruppe soll sich an diesem Donnerstag um das Thema kümmern. Dabei geht es vor allem um Zuständigkeiten. Die Debatte könnte zur ersten Machtprobe zwischen dem neuen Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) und Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) werden.

Die Grünen beanspruchen dabei vor allem den Sektor der erneuerbaren Energien. Clement hält es für völlig selbstverständlich, dass die gesamte Energiepolitik in seinem Haus bleibt. Wirtschaft ohne Energie - das gehe «schon physikalisch nicht», sagt er. Im Wirtschaftsministerium gehört die Energieabteilung zu den Größten des Hauses. Fragen der Kernenergie werden dort behandelt, Gas und Strom, Mineralöl und Strom, die europäische Energiepolitik mit den Liberalisierungsvorhaben, Energieforschung und Energieeinsparung.

Auch das Referat Erneuerbare Energien ist Teil des Ministeriums. Das 100.000-Dächer-Programm zur Förderung von Solarenergie wird dort verwaltet und ein Markteinführungsprogramm, das für die Vermarktung regenerativer Energieformen im kommenden Jahr 230 Millionen Euro bereitstellt. Die Förderung von Biomasse, Wind- und Sonnenkraft liegt aber prominent auch in Händen von Trittin, der in seinem Haus gern alle diesbezüglichen Anstrengungen der Regierung vereinen will. Denn auch Umwelt- und Klimaschutz gehe nicht ohne Energie, hält er Clement entgegen.

Dass Clement den Grünen eine dicke Scheibe aus dem Energiesektor überlassen wird, halten Beobachter für wenig wahrscheinlich. Einschnitte bei den klassischen Energieformen hat er auch als nordrhein-westfälischer Ministerpräsident dem Grünen Koalitionspartner verwehrt. Energiepolitik gehört für ihn untrennbar zur Wirtschaftspolitik. Schließlich geht es dabei auch um Marktmacht - allein die Stromkonzerne machen Milliardenumsätze.

Unter den gegebenen Umständen ist nicht vorstellbar, dass Trittin für die Kohlepolitik zuständig wird. SPD und Grüne haben zu Anfang ihrer Koalitionsgespräche zwar beschlossen, am Kohlekompromiss festzuhalten. Der läuft aber 2005 aus. Die Zeit danach ist strittig. Bisher stellen die Steinkohlehilfen mit drei Milliarden Euro in diesem Jahr den dicksten Einzelposten im Haushalt des Bundeswirtschaftsministeriums dar. Sie fließen ganz überwiegend ins Kohleland Nordrhein-Westfalen zur Ruhrkohle AG.

Die Grünen wollen die Subventionen für die unwirtschaftliche Steinkohle bis 2010 auf Null bringen. Clement tritt wie der bisherige Amtsinhaber Werner Müller (parteilos) dafür ein, einen Sockel beizubehalten. Er begründet das zum einen mit der führenden Rolle Deutschlands bei der Bergbautechnik, zum andern mit der nationalen Versorgungssicherheit.

Kontrovers wird wohl auch die Diskussion um die Zuständigkeit für das Erneuerbare-Energien-Gesetz laufen. Das Gesetz hat über die Einspeisevergütungen für Energie aus regenerativen Quellen Einfluss auf die Strompreise. Bisher hat der Wirtschaftsminister dafür die Zuständigkeit. Aus den Reihen der Grünen gab es in der Vergangenheit schon Plädoyers für höhere Einspeisevergütungen.

Erschwert wird das Tauziehen um die Energiepolitik noch dadurch, dass dem designierten Superminister zurzeit eine starke Position zugemessen wird. Andererseits pochen die Grünen aber nach ihrem guten Wahlergebnis auf mehr Einfluss in der neuen Regierung.

 


© BMU

Windkraft: Die Grünen beanspruchen vor allem den Sektor der erneuerbaren Energien für das Umweltministerium.

 

 Mehr Informationen:

BMWi

BMU

vista verde: Energie


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