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- 04.10.2002 -

 

 

 

 

 

 

Hohe Erwartung an Rot-Grün:

Staatsziel Tierschutz mit Leben füllen

Zum Welttierschutztag an diesem Freitag sind die Tierschützer optimistisch: Niemals zuvor hatten sie mehr Hoffnung, dass sich die Lebensbedingungen für Tiere in Deutschland bald deutlich verbessern werden.

Von Can Merey, dpa

Berlin (dpa) - Niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte wurden Tiere mehr gequält als in der heutigen Industriegesellschaft - so die bittere Bilanz des Deutschen Tierschutzbundes. Forscher nähen jungen Affen die Augen zu und pflanzen ihnen Elektroden ins Gehirn, Rinder aus Schleswig-Holstein werden zur Schlachtbank nach Libanon gekarrt, Nutztiere unter teils unwürdigen Bedingungen gehalten. Trotzdem sind die Tierschützer zum Welttierschutztag an diesem Freitag optimistisch: Denn niemals zuvor hatten sie mehr Hoffnung, dass sich die Lebensbedingungen für Tiere in Deutschland bald deutlich verbessern werden.

Vor zwei Monaten wurde der Tierschutz im Grundgesetz verankert und somit zum Staatsziel, seit dem 1. August schützt der Staat nach Artikel 20a die natürlichen Lebensgrundlagen «und die Tiere». Bei der Abwägung mit der Tiernutzung - etwa in der Wissenschaft, der Landwirtschaft oder der Kunst - musste der Tierschutz früher meist zurückstecken. Jetzt hat er deutlich mehr Gewicht bekommen.

Nun sei es an der neuen rot-grünen Bundesregierung, dieses Staatsziel auch mit Leben zu füllen, verlangt Tierschutzbund- Präsident Wolfgang Apel. Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) hat sich bereits vorgenommen, die Probleme in der kommenden Legislaturperiode auf breiter Front anzugehen - und nach dem rot- grünen Sieg bei der Bundestagswahl wird sie aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Chance dazu bekommen.

Das «Bündnis Tierschutz», ein Zusammenschluss von Verbänden, hatte bereits vor der Wahl einen breiten Forderungskatalog aufgestellt und an die Parteien mit der Bitte verschickt, dazu Stellung zu nehmen. Die Tierschützer verlangen einen radikalen Abbau von Tierversuchen, bessere Haltungsbedingungen für Nutztiere und eine Begrenzung der Dauer von Tiertransporten.

Weiter spricht sich das Bündnis für Regelungen zum Umgang mit Heimtieren aus. So soll etwa die Haltung exotischer Tiere verboten oder mit strengen Auflagen versehen werden. Außerdem wollen die Tierschützer ein Verbandsklagerecht - also die Möglichkeit, als Verband vor Gericht ziehen zu können.

Besonders die Grünen und auch die SPD signalisierten in ihren Stellungnahmen bei vielen Forderungen Zustimmung. So gab es von den Sozialdemokraten Unterstützung für den Vorschlag, gesetzliche Regelungen zu überprüfen, die Tierversuche vorschreiben - etwa bei der Zulassung von Chemikalien. Weiter heißt es in dem Brief: «In vielen Fragestellungen, wie zum Beispiel in der Massentierhaltung, werden die Gerichte nun andere Gewichtungen vornehmen können.»

Grünen-Chefin Claudia Roth schloss sich der Forderung an, entbehrliche oder ersetzbare Tierversuche zu streichen. Außerdem solle geprüft werden, ob öffentliche Gelder nicht bevorzugt an tierversuchsfreie Forschung vergeben werden sollten. Weiter meint Roth: «Nun ist eine Überprüfung und Verschärfung der bisherigen Genehmigungspraxis für das Schächten notwendig» - allerdings ohne dabei den Grundsatz der Religionsfreiheit in Frage zu stellen.

SPD und Grüne haben nun vier Jahre Zeit, den neuen Halbsatz im Grundgesetz in der Praxis umzusetzen. Wenn es ihnen gelingt, könnte Deutschland vielleicht ein Stück besser werden - zumindest, wenn man den Worten von Mahatma Gandhi folgt. Der indische Unabhängigkeitskämpfer und Nobelpreisträger sagte einst: «Eine Zivilisation kann man danach beurteilen, wie sie ihre Tiere behandelt.»

 

 Mehr Informationen:

Deutscher Tierschutzbund

vista verde: Tierschutz


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