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- 30.09.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

UN-Konferenz:

Giftige Chemikalien töten in der Dritten Welt

Lautlos töten giftige Chemikalien und Pflanzenschutz- mittel jährlich Tausende von Menschen - vor allem ungeschützte Landarbeiter und Kleinbauern in Entwicklungsländern. Dazu kommen gewaltige Umweltprobleme mit Langzeitfolgen.

Von Edgar Bauer, dpa

Bonn (dpa) - Viele der Substanzen sind wegen ihrer Gefährlichkeit in Industrieländern wie Deutschland längst verboten. Sie werden aber weiter in die Dritte Welt exportiert. Über die Kontrolle des weltweiten Handels berät seit Montag unter dem Dach des UN-Umweltprogramms eine Konferenz in Bonn mit Vertretern von Regierungen, aus der Wirtschaft und von Umweltverbänden.

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es bei Unfällen weltweit jährlich rund eine Million Vergiftungen allein durch Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel. In etwa 20.000 Fällen, meist in Entwicklungsländern, führten diese Vergiftungen zum Tod. Bei Handel, Lagerung, Anwendung und Entsorgung hapert es oft an Kenntnissen und sachgemäßen Schutzvorkehrungen, wie sie in Industrieländern üblich sind. Schwindel, Durchfall, Sehstörungen, Atembeschwerden und Tod sind die Folgen. Oft sei in der Vergangenheit auch sehr naiv mit den gefährlichen Stoffen umgegangen worden, sagte der Direktor des UN-Umweltprogramms (UNEP), Klaus Töpfer.

Bei der rasanten Verbreitung von Chemikalien und Pesitiziden rund um den Erdball hat die Politik kaum mithalten können. Gesetzliche Regelungen und Kontrollen hinken insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern meist hinterher. Rund 70.000 verschiedene Chemikalien sind nach UN-Angaben derzeit weltweit auf dem Markt. Jedes Jahr kämen etwa 1500 neue Substanzen dazu. Ihre Überwachung und Anwendung sei für viele Regierungen eine große Herausforderung.

Vor allem Entwicklungsländern soll dabei das Rotterdamer Übereinkommen (PIC-Konvention/PIC = Prior Informed Consent) von 1998 helfen. Danach sollen bestimmte Chemikalien sowie sehr gefährliche Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel nur noch dann in andere Länder exportiert werden können, wenn die Empfängerländer über deren Gefährlichkeit informiert worden sind und einem Import zugestimmt haben.

Bisher stehen 26 Pflanzenschutzmittel und fünf Industriechemikalien auf der Kontroll-Liste. Dazu zählen die Pestzide Aldrin, DDT und Pentachlorphenol sowie Polychlorierte Biphenyle (PCB), die in der EU verboten sind. Nun soll Monocrotophos dazu kommen, das vor allem in Asien zur Insektenbekämpfung bei Baumwolle, Reis, Mais und anderen Nutzpflanzen eingesetzt wird. Die Pflanzenschutzindustrie warnte aber bereits davor, die Kriterien für die Aufnahme von neuen Substanzen «nicht zu verwässern».

Das Übereinkommen sieht kein Herstellungsverbot vor, sondern nur eine Kontrolle des Handels. Indirekt soll es aber auch auf Hersteller und Vertreiber einwirken, weniger gefährliche Ersatzstoffe auf den Markt zu bringen. Ein globales Verbot dieser Stoffe ist derzeit angeblich deshalb nicht möglich, da sie in Staaten mit anderen Klimaverhältnissen und einem anderen Pflanzenspektrum zur Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten wie Malaria unverzichtbar seien und gleichwertige Ersatzstoffe nicht ausreichend zur Verfügung stünden.

Und bei der Konvention liegt die Malaise darin, dass sie noch nicht in Kraft ist und bislang nur auf freiwilliger Basis befolgt wird. Sie wurde erst von 33 Staaten ratifiziert. Es sind aber 50 Staaten notwendig.

 

 Mehr Informationen:

BMU

UNEP: Chemicals

PIC

vista verde: Umweltgifte

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