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UN-Konferenz:
Giftige Chemikalien töten in der
Dritten Welt
Lautlos töten giftige
Chemikalien und Pflanzenschutz- mittel jährlich Tausende
von Menschen - vor allem ungeschützte Landarbeiter und Kleinbauern
in Entwicklungsländern. Dazu kommen gewaltige Umweltprobleme
mit Langzeitfolgen.
Von Edgar Bauer, dpa
Bonn (dpa) - Viele der Substanzen
sind wegen ihrer Gefährlichkeit in Industrieländern
wie Deutschland längst verboten. Sie werden aber weiter in
die Dritte Welt exportiert. Über die Kontrolle des weltweiten
Handels berät seit Montag unter dem Dach des UN-Umweltprogramms
eine Konferenz in Bonn mit Vertretern von Regierungen, aus der
Wirtschaft und von Umweltverbänden.
Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) gibt es bei Unfällen weltweit jährlich rund eine
Million Vergiftungen allein durch Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel.
In etwa 20.000 Fällen, meist in Entwicklungsländern,
führten diese Vergiftungen zum Tod. Bei Handel, Lagerung,
Anwendung und Entsorgung hapert es oft an Kenntnissen und sachgemäßen
Schutzvorkehrungen, wie sie in Industrieländern üblich
sind. Schwindel, Durchfall, Sehstörungen, Atembeschwerden
und Tod sind die Folgen. Oft sei in der Vergangenheit auch sehr
naiv mit den gefährlichen Stoffen umgegangen worden, sagte
der Direktor des UN-Umweltprogramms (UNEP), Klaus Töpfer.
Bei der rasanten Verbreitung
von Chemikalien und Pesitiziden rund um den Erdball hat die Politik
kaum mithalten können. Gesetzliche Regelungen und Kontrollen
hinken insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern
meist hinterher. Rund 70.000 verschiedene Chemikalien sind nach
UN-Angaben derzeit weltweit auf dem Markt. Jedes Jahr kämen
etwa 1500 neue Substanzen dazu. Ihre Überwachung und Anwendung
sei für viele Regierungen eine große Herausforderung.
Vor allem Entwicklungsländern
soll dabei das Rotterdamer Übereinkommen (PIC-Konvention/PIC
= Prior Informed Consent) von 1998 helfen. Danach sollen bestimmte
Chemikalien sowie sehr gefährliche Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel
nur noch dann in andere Länder exportiert werden können,
wenn die Empfängerländer über deren Gefährlichkeit
informiert worden sind und einem Import zugestimmt haben.
Bisher stehen 26 Pflanzenschutzmittel
und fünf Industriechemikalien auf der Kontroll-Liste. Dazu
zählen die Pestzide Aldrin, DDT und Pentachlorphenol sowie
Polychlorierte Biphenyle (PCB), die in der EU verboten sind. Nun
soll Monocrotophos dazu kommen, das vor allem in Asien zur Insektenbekämpfung
bei Baumwolle, Reis, Mais und anderen Nutzpflanzen eingesetzt
wird. Die Pflanzenschutzindustrie warnte aber bereits davor, die
Kriterien für die Aufnahme von neuen Substanzen «nicht
zu verwässern».
Das Übereinkommen sieht
kein Herstellungsverbot vor, sondern nur eine Kontrolle des Handels.
Indirekt soll es aber auch auf Hersteller und Vertreiber einwirken,
weniger gefährliche Ersatzstoffe auf den Markt zu bringen.
Ein globales Verbot dieser Stoffe ist derzeit angeblich deshalb
nicht möglich, da sie in Staaten mit anderen Klimaverhältnissen
und einem anderen Pflanzenspektrum zur Bekämpfung von Schädlingen
und Krankheiten wie Malaria unverzichtbar seien und gleichwertige
Ersatzstoffe nicht ausreichend zur Verfügung stünden.
Und bei der Konvention liegt
die Malaise darin, dass sie noch nicht in Kraft ist und bislang
nur auf freiwilliger Basis befolgt wird. Sie wurde erst von 33
Staaten ratifiziert. Es sind aber 50 Staaten notwendig.
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