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IWF-Tagung: Globalisierungsgegner suchen
erstmals wieder die Weltbühne
Die Globalisierungsgegner wollen
sich in dieser Woche lautstark auf der Weltbühne zurückmelden.
Anlass ist die Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds
(IWF) und Weltbank am kommenden Wochenende.
Von Christiane Oelrich, dpa
Washington (dpa) - Die Organisatoren
wollen Zehntausende mobilisieren, um gegen unfairen Handel mit
Entwicklungsländern und für mehr Schuldenerlass, gegen
Raffgier in westlichen Firmenetagen und für mehr Geld für
Erziehung und Gesundheit zu protestieren.
Im vergangenen Jahr hatte sich
die Washingtoner Polizei zur Jahrestagung schon für 100.000
Demonstranten gewappnet, ehe das Treffen und die Proteste wegen
der Terroranschläge kurzfristig abgesagt wurden. Seitdem
fanden Konferenzen wie der G-7-Gipfel in Kanada in abgelegenen
Winkeln hermetisch abgeriegelt statt. Das IWF- und Weltbanktreffen
am kommenden Wochenende (27./28.9.) ist für die Globalisierungsgegner
die erste Gelegenheit seit einem Jahr, wieder ins Rampenlicht
zu treten.
«Gerüchte, die Bewegung
sei am Ende, sind absolut falsch», sagt ein Organisator
der Proteste, David Levy von der Washingtoner Aktionsgruppe «Mobilization
for Global Justice». Im vergangenen Jahr wurde spekuliert,
dass lautstarke Protestaktionen nach den verheerenden Terroranschlägen
aus der Globalisierungsdebatte verschwinden würden. «Nein,
viele Leute sind noch entschlossener als vorher, etwas gegen eine
Politik zu unternehmen, die so viele Menschen in der Welt ins
Elend stürzt», sagt Marie Clarke von der Aktionsgruppe
«Jubilee USA», die sich für Schuldenerlass einsetzt.
«Unsere Gegner haben uns
die besten Waffen gegeben, um für eine Beschneidung ihrer
Macht zu kämpfen - ihre eigene Gier», sagt Levy und
verweist auf die Bilanzschwindel- und Bereicherungsskandale in
US-Firmen. Die Gruppe will unter anderem einen Menschenring um
die IWF- und Weltbankgebäude in der Innenstadt schließen.
Eine andere Gruppe, Anti-Capitalist Convergence (ACC), will schon
am Freitag, bevor die Tagung offiziell beginnt, das öffentliche
Leben in Washington mit Straßenblockaden lahm legen.
Längst werden die Globalisierungsgegner
nicht mehr als weltfremde Spinner und gewaltbereite Chaoten abgetan.
«Wir sind ihnen dankbar, dass sie Entwicklungsthemen in
die Schlagzeilen gebracht haben», sagt Weltbank-Sprecherin
Caroline Anstey. Für ihre Argumente haben die Kritiker inzwischen
auch einen prominenten Fürsprecher gefunden: «Die Kritiker
der Globalisierung werfen westlichen Ländern Heuchelei vor,
und sie haben Recht», meint Joseph Stiglitz, bis Januar
2000 Chefökonom der Weltbank und im vergangenen Jahr Nobelpreis-Gewinner.
In seinem Bestseller «Die
Schatten der Globalisierung» wirft Stiglitz dem IWF naives
Vertrauen in die Märkte vor. «Entscheidungen wurden
im IWF oft auf Grund einer merkwürdigen Mischung aus Ideologie
und schlechter Volkswirtschaftslehre, Dogma und manchmal kaum
verschleierten Sonder-Interessen gefällt», schrieb
Stiglitz. «Die Politik der Finanzinstitutionen gehen zu
oft mit den kommerziellen und finanziellen Interessen der reichen
Länder Hand in Hand.»
Der IWF hat auf das Buch von
Stiglitz in unerwartet scharfer Form reagiert. Die Ideen des Wirtschaftsprofessors
seien «im günstigsten Fall höchst kontrovers,
im schlimmsten Fall Allheilmittel auf Medizinmann-Niveau»,
sagte IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff im Juli bei einer Weltbank-Gala
zur Vorstellung des Buchs im Beisein von Stiglitz. «Ihre
Alternativmedizin, mit immer stärkeren Interventionen der
Regierungen, ist in vielen Realwelt-Situationen äußerst
zweifelhaft.»
Washingtons Polizeichef Charles
Ramsey hat sich mit 1600 eigenen und 1700 zusätzlichen Beamten
aus umliegenden Bundesstaaten für die geplanten Proteste
gewappnet. Ramsey war auch schon im Frühjahr 2000 dabei,
als IWF-Gegner die Tagung störten und Teilnehmer am Zutritt
hinderten. «Ramsey macht einen exzellenten Job, und davon
gehen wir in diesem Jahr auch aus», sagte Weltbank-Sprecherin
Anstey.
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