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Weltbank: Bevölkerungsdruck macht
schnelle Trendwende notwendig
Die immer schneller wachsende
Weltbevölkerung wird nach Ansicht der Weltbank ohne entscheidende
politische Kursänderung in den kommenden Jahren soziale Unruhen
und Umweltprobleme anschwellen lassen. Das Ziel der Vereinten
Nationen, die Armut weltweit bis 2015 zu halbieren, gerate in
Gefahr.
Johannesburg/Washington/Berlin
(dpa) - Dies befürchtet die Weltbank in ihrem Weltentwicklungsbericht
2003, der am Mittwoch in Johannesburg und Washington zum bevorstehenden
Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung veröffentlicht
wurde. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung rechnet
damit, dass der Ausstoß von Treibhausgasen fast überall
auf der Welt weiter zunehmen wird.
Der bislang größte
Gipfel der Vereinten Nationen beginnt am Montag in Johannesburg.
Bis zum 4. September werden in der südafrikanischen Metropole
rund 50 000 Teilnehmer - darunter etwa 100 Staats- und Regierungschefs
- erwartet. Sie wollen grundlegende Fragen der Zukunft debattieren:
die Bekämpfung der Armut sowie ein Wirtschaftswachstum, das
die Bevölkerung einbezieht und die Umwelt schont.
Weltbevölkerung steigt
auf 9 Milliarden
Die Weltbank rechnet damit, dass
die Weltbevölkerung in den nächsten 50 Jahren von jetzt
sechs auf neun Milliarden Menschen steigt. «Der Energie-,
Wasser-, Wohnraum- und Bildungsbedarf wird enorm sein»,
heißt es in dem Bericht. «Umfassende Veränderungen
- vor allem in den reichen Ländern - sind nötig, um
sicherzustellen, dass arme Leute am Wirtschaftsleben teilhaben
können und die Umwelt nicht so geschädigt wird, dass
ihre Zukunft bedroht ist», sagte Weltbank- Chefökonom
Nicholas Stern in Washington.
«Reiche Länder müssen
ihre Märkte weiter öffnen und Agrarsubventionen abbauen,
die die Einkommen von Bauern in der Dritten Welt schmälern.
Sie müssen mehr Entwicklungshilfe leisten, Medikamente und
neue Technologien liefern», forderte die Weltbank. Von Entwicklungsländer
verlangt die Weltbank, die Demokratie zu fördern und die
Regierungsarbeit transparenter zu machen.
DIW: Keine Trendumkehr beim
Klimaschutz
Beim Klimaschutz ist nach Ansicht
des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in
Berlin bislang die notwendige globale Trendumkehr nicht zu erkennen.
«Am kommenden Montag wird die Staatengemeinschaft in Johannesburg
auf dem Weltgipfel eine ernüchternde Bilanz ziehen»,
befürchten die Wirtschaftsforscher.
«Gerade die Industrieländer,
die als hauptverantwortlich für das Entstehen der Klimaproblematik
angesehen werden, haben es bis heute nicht vermocht, ihre Treibhausgasemissionen
zu stabilisieren, geschweige denn zu reduzieren», kritisieren
die Wirtschaftsforscher.
Wieczorek-Zeul optimistisch
für Wasserversorgung
Entwicklungsministerin Heidemarie
Wieczorek-Zeul zeigte sich optimistisch, dass die Festlegung auf
das Ziel zu erreichen ist, bis 2015 den Anteil der Menschen zu
halbieren, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu Sanitäranlagen
haben.
Ob es gelinge, den Anteil erneuerbarer
Energien bis 2010 weltweit auf 15 Prozent zu steigern sei «vom
Druck auf die USA und andere Länder abhängig».
Eine Ländergruppe um die USA will sich nicht auf Verpflichtungen
und Aktionsprogramme zur Umsetzung von Zielen festlegen lassen.
Greenpeace: Saubere Energie
für 2 Milliarden Menschen
Die Umweltschutzorganisation
Greenpeace forderte die am Gipfel teilnehmenden Regierungen auf,
sich dazu zu verpflichten, dass zwei Milliarden Menschen in ärmeren
Ländern Zugang zu «sauberer» Energie bekommen
und der Anteil der erneuerbaren Energie am weltweiten Energiebedarf
bis zum Jahr 2010 auf zehn Prozent erhöht wird.
IEA: 1,6 Milliarden Menschen
ohne Strom
Weltweit müssen nach Angaben
der Internationalen Energie-Agentur (IEA) rund 1,6 Milliarden
Menschen immer noch ohne Strom auskommen. «Wenn sich politisch
nichts radikal ändert, dann werden in 30 Jahren immer noch
1,4 Milliarden Menschen ohne Stromzugang sein», warnte der
IEA-Vorsitzende Robert Priddle bei der Vorlage der Studie «Energie
und Armut» in Paris. «Ohne Elektrizität zu erschwinglichen
Preisen ist es unmöglich, die Wirtschaft zu entwickeln und
die Gesundheits- und Bildungssituation zu verbessern.»
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