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Forscher: Flutkatastrophe
eines der größten Schadensereignisse
Die derzeitige Hochwasserkatastrophe
in Mitteleuropa ist nach Einschätzung des Klimafolgenforschers
Prof. Hans-Joachim Schellnhuber eines der größten Schadensereignisse
weltweit.
Potsdam (dpa) - «Mit etwa
25 Milliarden Euro Schaden wurde diese Flut nur von dem Erdbeben
im japanischen Kobe 1995 übertroffen», sagte der Direktor
des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung am Mittwoch
in einem dpa-Gespräch. In Japan seien die Kosten mehr als
vier Mal so hoch gewesen.
«Das Hochwasser ist Teil
einer Häufung von Umweltkatastrophen, die voll ins Bild des
in Gang kommenden Klimawandels passt», sagte Schellnhuber.
An diesem Wandel trage letztlich der Mensch die Schuld. «Das
erkennen 99 Prozent der Wissenschaftler weltweit an.» Rund
zwei Dutzend Flutereignisse mit Schäden von jeweils mehr
als einer Milliarde Euro seien global in den vergangenen Jahren
aufgetreten.
Die zunehmende Erderwärmung
durch Kohlendioxid und andere Treibhausgase kann seiner Ansicht
nach nur durch eine Umstellung des weltweiten Energiesystems gebremst
werden. «Die jüngste Flutkatastrophe macht deutlich,
dass ein groß angelegtes Investitionsprogramm aller Industrienationen
für Sonnen-, Wind- und Wasserenergie nötig ist»,
sagte Schellnhuber.
Dies könne zudem den angeschlagenen
Wirtschaften vieler Länder den lang ersehnten Aufschwung
bringen. «Das wäre ein ungeheurer Schub für Beschäftigung
und Innovation, so wie einst das amerikanische Weltraumprogramm.»
Bislang hätten auch in Deutschland
weder Umweltpolitiker noch Naturschützer die volle Dimension
des Problems erkannt, kritisierte Schellnhuber. «Sie konzentrierten
sich noch immer auf Dinge wie Mülltrennung und Verpackungsgesetze
anstatt auf eine weitgehende Reduzierung des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes.»
Bis etwa 2025 müsse dieser
in einer globalen Großanstrengung um rund 20 Prozent gesenkt
werden, damit überhaupt ein Effekt spürbar sei, sagte
Schellnhuber. Dieses Ziel müsse auf dem Welt-Umweltgipfel
in Johannesburg (Südafrika) kommende Woche unbedingt vereinbart
werden, sonst käme dies einem Scheitern gleich.
«Es sind Mut und eine Vision
erforderlich.» Unmöglich sei eine Umstellung des Welt-Energiesystems
nicht. «Als im 18. Jahrhundert die Wälder weitgehend
gerodet waren, stellte man auf Kohle um, nach dem Zweiten Weltkrieg
auf Erdöl - eine Umstellung ist durchaus machbar.»
Um ein Grad Celsius habe sich
die Erde seit der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert
erwärmt, bis Ende dieses Jahrhunderts werde ein Anstieg um
weitere 1,4 bis 5,8 Grad Celsius prognostiziert.
«Steigt die Temperatur tatsächlich
um zwei Grad oder mehr, sind wir am Ende der Fahnenstange»,
warnte Schellnhuber. Dann könnten weltweit Schwierigkeiten
bei der Nahrungsmittel-Produktion auftreten und sich große
planetarische Klimamuster wie der atlantische Golfstrom oder der
asiatische Monsun-Regen ändern.
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