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- 19.08.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

Rot-Grün: Kurz vor der Wahl beim Weltgipfel nochmal punkten

Umweltpolitik ist out, mit Klimaschutz lockt man niemanden mehr in die Wahlkabine - so schien es bis vor kurzem. Kaum jemand glaubte, dass der kommende Woche in Johannesburg beginnende UN-Weltgipfel über die drängenden globalen Probleme das Wahlkampfgetöse übertönen würde.

Von Can Merey, dpa

Berlin (dpa) - Doch nun kommt alles ganz anders: Die unvorstellbaren Wassermassen, die die Zerstörung diesmal auch in deutsche Städte getragen haben, verhelfen Umwelt- und Klimaschutz kurz vor der Bundestagswahl auf einmal zu Hochkonjunktur - und beide Themen spielen in Johannesburg eine zentrale Rolle.

Noch vor gut zwei Monaten war den meisten Deutschen laut Umfragen der Rio-Nachfolgegipfel gar kein Begriff. Doch seit den verheerenden Fluten wird der bislang größten UN-Konferenz auch hier zu Lande immer mehr Bedeutung zugemessen. Für die Bundesregierung, seit Wochen im Stimmungstief, könnte ein Erfolg in Johannesburg eine der letzten Möglichkeiten vor der Wahl sein, sich noch einmal zu profilieren - auch Kanzler Gerhard Schröder (SPD) wird beim Gipfel Präsenz zeigen.

Unter dem Eindruck der Unwetterkatastrophe meinte bei einer Umfrage in der vergangenen Woche mehr als jeder zweite Befragte, Umweltpolitik sollte zum Wahlkampfthema gemacht werden. 69 Prozent wollten, dass Klimaschutz künftig eine größere Rolle spielt. Von solchen Werten hätten besonders die Grünen vor kurzem noch nicht einmal zu träumen gewagt.

Und so werden Spitzenpolitiker des beinahe schon abgeschriebenen kleinen Regierungspartners auch nicht müde zu betonen, wer sich in Deutschland ihrer Ansicht nach effektivem Klimaschutz verweigert: «Bei den Maßnahmen, die wir in diesem Bereich verabschiedet haben, hat die Union 14 Mal mit Nein gestimmt. Die FDP sogar 16 mal», sagt Grünen-Spitzenkandidat Joschka Fischer.

Die größte Oppositionspartei ist seit den Unwettern ohnehin in Bedrängnis. Im «Kompetenzteam» von Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber ist überhaupt niemand für Umweltpolitik oder Klimaschutz zuständig.

Wenige Tage vor Johannesburg ist allerdings noch völlig offen, ob der Gipfel zu den ökologischen, ökonomischen und sozialen Problemen der Welt greifbare Ergebnisse hervorbringen wird, mit denen Rot-Grün eventuell beim Wähler punkten könnte - oder ob am Ende nur ein Haufen gut gemeinter Absichtserklärungen stehen werden. Viele Bereiche sind noch umstritten. Nicht nur der SPD-Umweltexperte Michael Müller meint, dass ein Erfolg nur gelingt, wenn die EU geschlossen auftritt und eine globale Vorreiterrolle übernimmt.

Nur: Die Mitgliedstaaten der Union sind sich auch untereinander nicht überall einig. So machen beim Abbau von Agrarsubventionen - einer Schlüsselfrage - Frankreich, Spanien und Irland Front gegen die EU-Mehrheit. Ohne ein Entgegenkommen in diesem Punkt dürften die Entwicklungsländer aber nur schwer dazu zu bewegen sein, die teils ehrgeizigen Umwelt-Forderungen aus Europa mitzutragen.

Für die deutschen Verhandlungsführer in Johannesburg, Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) und Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), gibt es also noch viel zu tun. Dass Trittin in Sachen Umwelt durchaus Verhandlungsgeschick hat, bewies er im Juli vergangenen Jahres bei der schwierigen Klimakonferenz in Bonn. Der Kanzler dankte seinem Minister damals persönlich.

Schröder dürfte nun wieder darauf hoffen, dass seine beiden Minister - oder auch er selber während seines kurzen Aufenthaltes vor Ort - das Steuer noch herumreißen können. Schließlich will der Regierungschef kurz vor der Wahl verhindern, wovor ihn Umwelt- und Entwicklungsinitiativen in einem offenen Brief eindringlich warnen: «Kommen Sie nicht mit leeren Händen aus Johannesburg zurück!»

 

         vista verde special: Weltgipfel in Johannesburg

vista verde special: Weltgipfel in Johannesburg

 

 Mehr Informationen:

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Grüne

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