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- 12.08.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

Hoffen auf Gäste: Soweto macht die Betten frei für den Weltgipfel

In Soweto, dem Township vor den Toren Johannesburgs, werden die Betten freigemacht. Rechtzeitig zum Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung investieren die Ärmsten der Armen ihren letzten Cent, um bei der weltweit bisher größten politischen Veranstaltung mit dabei zu sein.

Von Ralf E. Krüger, dpa

Soweto (dpa) - «Ich habe eigens für den Weltgipfel eine Pension eröffnet und hoffe nun auf Nachhaltigkeit», sagt Mavis Mwelase, ohne bei Johannesburgs neuem Modewort «Nachhaltigkeit» ins Stottern zu kommen. Sie setzt darauf, dass wenigstens einige der erwarteten 65.000 Besucher auch in Soweto übernachten werden. Denn immerhin geht es bei dem Gipfel ja auch um Belange der Armen und die Frage, wie ihnen nachhaltig zu helfen ist.

Mavis hat kurzerhand ihre Tochter Lindi ausquartiert, um deren Haus als Pension herzurichten. «8000 Rand habe ich investiert - meine ganzen Ersparnisse», sagt die 50-Jährige. Zwei Zimmer wurden liebevoll tapeziert, gestrichen und mit dem besten Mobiliar ausgestattet. Selbst zwei Bäder gibt es, die durchaus dem Standard europäischer Häuser entsprechen.

Das Wohn- und Esszimmer mit dem offenen Kamin wirkt bürgerlich und präsentiert bescheidenen Wohlstand: TV und Stereoanlage in der Schrankwand, Topfblumen, Kronleuchter, Nippes, schrill-buntes Abendmahl-Gemälde und gehäkelte Deckchen erzeugen gemütliche Plüsch-Romantik. Die Gitter vor den Fenstern sind zwar gewöhnungsbedürftig, aber in Südafrika durchaus Standard.

So wie Mavis hoffen in Sowetos aufkommender Mittelschicht viele Bewohner auf Gäste für die etwa 30 bis 40 Pensionen, die Shebeens (Hauskneipen) und Restaurants. Die von der südafrikanischen Regierung mit der Organisation des Gipfels beauftragte Gesellschaft Jowsco hat versprochen, zahlende Kundschaft zu besorgen und will auch die Preise festsetzen.

«Gehört habe ich bisher aber noch nichts», sagt Mavis, der als erfolgreicher Geschäftsfrau auch die Kneipe «Gertizan's Tavern» gehört. Sie wirkt ein wenig ernüchtert, denn in weniger als drei Wochen beginnt bereits die Mammut-Konferenz.

Die Organisatoren des auf 500 Millionen Rand (50 Mio Euro) veranschlagten Gipfels haben versprochen, auch die ausgedehnten Armutsgebiete rund um Johannesburg am Geschehen teilhaben zu lassen. Das zehn Jahre nach dem Umweltgipfel von Rio de Janeiro stattfindende Treffen soll sich gerade vor Ort als Musterbeispiel erweisen, wo Erste und Dritte Welt nur wenige Kilometer auseinander liegen.

Von den Fenstern ihrer Luxushotels in der relativ heilen Welt des reichen Vororts Sandton können die Delegierten die Armutssiedlungen von Alexandra mit bloßem Auge erkennen. Dort wurde eine aufwendige Begrünung des Problem-Townships gerade öffentlich präsentiert.

In Soweto gab es Versprechen, Investitionen und Aktionen. Die jüngste war ein kostenloses Kwaito-Musikkonzert in der riesigen Schwarzensiedlung vor den Toren Johannesburgs. Sie haben nicht nur das Bewusstsein für den Gipfel geprägt, sondern auch Erwartungen geweckt.

Eine Gruppe von Geschäftsfrauen um die Restaurantbesitzerin Fanny Makoena hat zusammen mit anderen für Gipfelbesucher eine Soweto-Tour maßgeschneidert und gibt Hilfestellung bei der Eröffnung von Pensionen. Sie fürchten nun Enttäuschungen und Rückschläge: «Die Erwartungen in Soweto sind einfach viel zu hoch», sagt Fanny Makoena.

 


© dpa

Mavis Mwelase vor dem Eingang ihrer "Bed & Breakfast"-Pension in Soweto. Mwelase hat das Haus, das zuvor ihrer Tochter gehörte, mit ihren Ersparnissen rechtzeitig zum Weltgipfel in ein kleines Hotel umfunktioniert. Zusammen mit anderen Frauen, die Bars oder ebenfalls "B&B's" gründen, wollen sie die Attraktivität ihres Stadtteils erhöhen und einen sogenannten Township-Tourismus populär machen.

 

 Mehr Informationen:

Weltgipfel 2002: Website des Gastgebers Südafrika

Soweto

vista verde: Rio+10


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