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USA schaffen Dilemma in Afrika: Hunger
leiden oder Gen-Food essen
Im südlichen Afrika bahnt
sich bei der internationalen Hungerhilfe ein Präzedenzfall
an. Auf dem Umweg über Nahrungsmittelspenden für Millionen
versuchen die USA, genetisch manipulierten Mais nach Afrika zu
bringen.
Von Ralf E. Krüger, dpa
Johannesburg (dpa) - Das Hilfsangebot
der USA stellt die Regierungen der betroffenen Staaten vor die
existenzielle Entscheidung, entweder ihre Landeskinder verhungern
zu lassen oder sich Absatzmärkte in Europa und Asien nachhaltig
zu zerstören. Denn die Hungerhilfe für Sambia, Simbabwe,
Malawi, Lesotho, Mosambik oder Swasiland lief bisher äußerst
schleppend an, und die Lage ist prekär. Die USA sind bei
weitem der größte Geber, wollen aber nicht auf die
Bedenken der Empfänger eingehen. Überspitzt formuliert
geht es bei dem Dilemma um die Frage, ob Hungerleider wählerisch
sein können.
Sambias Regierung hat daher für
diesen Montag ein Krisentreffen angesetzt, um angesichts der Notlage
über die Frage zu diskutieren. Die katholische Kirche und
diverse Umweltgruppen warnen wegen Sicherheitsbedenken vor einem
Import des Gen-Mais. Doch der Regierung in Lusaka steht bei zwei
Millionen Hungerleidern im Lande das Wasser bis zum Hals. Die
Dürre, die der Region eine der schlimmsten Hungerkrisen seit
Jahren beschert hat, lässt ihr kaum eine Wahl.
«Die Lebensmittel sind ausgegangen.
Wir dachten, es würde uns zu diesem Zeitpunkt noch etwas
bleiben, aber das ist nicht der Fall», sagte Sambias stellvertretender
Präsident Enoch Kavindele. Nun sollen Bauern, Wissenschaftler,
Umweltschützer und Betroffene entscheiden.
Im Nachbarland Mosambik, wo 80
Prozent der 17 Millionen Einwohner von der Landwirtschaft abhängen,
plant die Regierung gerade eine gesetzliche Grundlage für
den Umgang mit Gen-Mais. Sie befürchtet, dass die Bauern
einen Teil davon für die nächste Saat aufbewahren werden.
Damit aber würden sie eine
Dynamik starten, die für das Land nachhaltig Weichen setzen
würde. Denn der südostafrikanische Staat, dessen Landwirtschaft
30 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt, könnte
dann keinen Mais mehr in die Europäische Union (EU) exportieren.
Die EU steht gentechnisch veränderten Lebensmitteln negativ
gegenüber.
Das durch seine chaotische Landreform
in die Schlagzeilen geratene Simbabwe hat seine starre Haltung
angesichts wachsenden Drucks durch die eskalierende Situation
im Lande inzwischen aufgeweicht. Nach einer totalen Ablehnung
sind nun Verhandlungen im Gange, wonach der Gen-Mais in gemahlener
Form ins Land darf.
Die US-Behörden hatten dies
wegen der zusätzlichen Kosten zunächst verweigert, gaben
nun aber nach. Auch Malawi schloss sich dieser Haltung an, da
inzwischen drei der elf Millionen Einwohner nichts mehr zu essen
haben.
Das Land hat ebenso wie Simbabwe
seine Krise zum Teil mitverschuldet, indem es seine Lebensmittel-Reserven
in Höhe von 166.000 Tonnen Mais verkaufte. Das Meiste davon
ging über Regierungsmitarbeiter in den Export.
Präsident Bakili Muluzi,
der sich selbst öffentlich als «guten Diktator»
bezeichnet und nun verfassungswidrig eine dritte Amtszeit anstrebt,
hat wegen des Hungers bereits den nationalen Notstand ausgerufen.
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