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- 12.08.2002 -

 

 

 

 

 

 

USA schaffen Dilemma in Afrika: Hunger leiden oder Gen-Food essen

Im südlichen Afrika bahnt sich bei der internationalen Hungerhilfe ein Präzedenzfall an. Auf dem Umweg über Nahrungsmittelspenden für Millionen versuchen die USA, genetisch manipulierten Mais nach Afrika zu bringen.

Von Ralf E. Krüger, dpa

Johannesburg (dpa) - Das Hilfsangebot der USA stellt die Regierungen der betroffenen Staaten vor die existenzielle Entscheidung, entweder ihre Landeskinder verhungern zu lassen oder sich Absatzmärkte in Europa und Asien nachhaltig zu zerstören. Denn die Hungerhilfe für Sambia, Simbabwe, Malawi, Lesotho, Mosambik oder Swasiland lief bisher äußerst schleppend an, und die Lage ist prekär. Die USA sind bei weitem der größte Geber, wollen aber nicht auf die Bedenken der Empfänger eingehen. Überspitzt formuliert geht es bei dem Dilemma um die Frage, ob Hungerleider wählerisch sein können.

Sambias Regierung hat daher für diesen Montag ein Krisentreffen angesetzt, um angesichts der Notlage über die Frage zu diskutieren. Die katholische Kirche und diverse Umweltgruppen warnen wegen Sicherheitsbedenken vor einem Import des Gen-Mais. Doch der Regierung in Lusaka steht bei zwei Millionen Hungerleidern im Lande das Wasser bis zum Hals. Die Dürre, die der Region eine der schlimmsten Hungerkrisen seit Jahren beschert hat, lässt ihr kaum eine Wahl.

«Die Lebensmittel sind ausgegangen. Wir dachten, es würde uns zu diesem Zeitpunkt noch etwas bleiben, aber das ist nicht der Fall», sagte Sambias stellvertretender Präsident Enoch Kavindele. Nun sollen Bauern, Wissenschaftler, Umweltschützer und Betroffene entscheiden.

Im Nachbarland Mosambik, wo 80 Prozent der 17 Millionen Einwohner von der Landwirtschaft abhängen, plant die Regierung gerade eine gesetzliche Grundlage für den Umgang mit Gen-Mais. Sie befürchtet, dass die Bauern einen Teil davon für die nächste Saat aufbewahren werden.

Damit aber würden sie eine Dynamik starten, die für das Land nachhaltig Weichen setzen würde. Denn der südostafrikanische Staat, dessen Landwirtschaft 30 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt, könnte dann keinen Mais mehr in die Europäische Union (EU) exportieren. Die EU steht gentechnisch veränderten Lebensmitteln negativ gegenüber.

Das durch seine chaotische Landreform in die Schlagzeilen geratene Simbabwe hat seine starre Haltung angesichts wachsenden Drucks durch die eskalierende Situation im Lande inzwischen aufgeweicht. Nach einer totalen Ablehnung sind nun Verhandlungen im Gange, wonach der Gen-Mais in gemahlener Form ins Land darf.

Die US-Behörden hatten dies wegen der zusätzlichen Kosten zunächst verweigert, gaben nun aber nach. Auch Malawi schloss sich dieser Haltung an, da inzwischen drei der elf Millionen Einwohner nichts mehr zu essen haben.

Das Land hat ebenso wie Simbabwe seine Krise zum Teil mitverschuldet, indem es seine Lebensmittel-Reserven in Höhe von 166.000 Tonnen Mais verkaufte. Das Meiste davon ging über Regierungsmitarbeiter in den Export.

Präsident Bakili Muluzi, der sich selbst öffentlich als «guten Diktator» bezeichnet und nun verfassungswidrig eine dritte Amtszeit anstrebt, hat wegen des Hungers bereits den nationalen Notstand ausgerufen.

 

 Mehr Informationen:

USAID

FAO

Deutsche Welthungerhilfe

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