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- 26.06.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

G-8-Gipfel: Nahost-Vision von Bush verdrängt Afrika als Thema

Das Thema Nahost droht den G-8-Gipfel in Kanada zu beherrschen und das milliardenschwere Hilfspakt für Afrika, das die Gipfeteilnehmer schnüren wollten, von der Tagesordnung zu verdrängen.

Von Wolfgang Bunse, dpa

Calgary/Kananaskis (dpa) - Schon vor Tagen sickerte durch, dass US-Präsident George W. Bush seine mehrfach verschobene Nahost-Rede rechtzeitig zum G-8-Gipfel hält. Bush rief mit seiner Forderung eines demokratisch legitimierten Palästinenserstaates ohne seinen jetzigen Präsidenten Jassir Arafat weltweit so gewaltige Reaktionen hervor, dass die acht Staats- und Regierungschefs «ihr» Tagungsthema bereits vor der Zusammenkunft hatten.

Offensichtlich ganz zum Leidwesen des kanadischen Gastgebers, Premier Jean Chrétien, der - unterstützt von Bundeskanzler Gerhard Schröder - umgehend den gemeinsamen Aktionsplan für die «Neue Partnerschaft» (Nepad) mit Afrika beschwor: Dieses Thema ist sein «Baby». Über Monate hinweg war es vom innenpolitisch umstrittenen Chrétien mit großer Intensität und in Diskussionen mit den gesellschaftlichen Gruppen seines Landes gehegt und gepflegt worden.

«Armut ist die schlimmste Form der Gewalt», hatte der Kanadier im Februar in New York vor dem Weltwirtschaftsforum ausgeführt. Eine Verdrängung dieses Problems auf dem zweitägigen Gipfel im westkanadischen Bergdorf Kananaskis durch andere Themen werde er nicht zulassen: «Bestimmt nicht, denn ich habe den Vorsitz».

Doch ob Chrétien sich damit durchsetzen kann, galt unter den Gipfelexperten aus den Reihen der diesmal vergleichsweise kleinen Delegationen und der rund 2200 Journalisten im 100 Kilometer vom Tagungsort entfernt gelegenen Calgary als fraglich. Bush hat eine Diskussionsgrundlage für eine mögliche Friedenspolitik im Nahen Osten geschaffen. Daran kam die Gipfel-Regie in den Rocky Mountains nach Einschätzungen aus den Delegationen nicht vorbei.

Die viel beschworene «Neue Partnerschaft» mit Afrika war beim Genua-Gipfel vor einem Jahr mit einigen afrikanischen Staatschefs aus der Taufe gehoben worden. Das Thema geht nicht zuletzt auch auf hartnäckige Forderungen der Globalisierungskritiker und vieler nichtstaatlicher Organisationen zurück.

Einige tausend Demonstranten aus der Bewegung werden im rund 100 Kilometer entfernten Rodeo-Mekka Calgary erwartet. Seit Jahren fordern sie gezieltere Projekthilfen für die Entwicklungsländer, die Öffnung der Märkte und großzügigere Schuldenerlasse.

Für den letzten Punkt wollten Schröder und sein britischer Freund Tony Blair der Kölner Initiative von 1999 einen kleinen Impuls mit einer weiteren Erleichterung um eine Milliarde Dollar geben. Von 42 HIPC-Ländern haben sich inzwischen 26 für das Programm qualifiziert, 41 von 70 Schulden-Milliarden sind erlassen.

Im Mittelpunkt des Aktionsplans der G 8 steht vor allem politische und logistische Unterstützung bei der Verankerung von Demokratie und Stärkung der Staatsfinanzen. Mit großen Hilfen sei nicht zu rechnen, heißt es auf deutscher Seite. Früher ins Spiel gebrachte Investitionen von 64 Milliarden Dollar würden von den Nepad-führenden afrikanischen Regierungen nicht wiederholt.

Bleibt abzuwarten, was die Präsidenten von Südafrika und Ägypten, Thabo Mbeki und Husni Mubarak, sowie ihre Kollegen aus Algerien, Nigeria und Senegal der G-8-Runde am zweiten Gipfeltag in Kananaskis sagen werden.

 Mehr Informationen:

G8-Wirtschaftsgipfel 2002

NEPAD

Bundesregierung

vista verde: Globalisierung


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