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- 21.06.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

«Schwarzer Tag»: Aus für geplantes Verbraucherinformationsgesetz

Das Verbraucherinformationsgesetz ist endgültig gescheitert. Mit ihrer Bundesratsmehrheit brachte die Union drei Monate vor der Bundestagswahl ein zentrales Reformprojekt der rot-grünen Bundesregierung zu Fall.

Von Can Merey, dpa

Berlin (dpa) - Der nächste Lebensmittelskandal kommt bestimmt, und dann hätte zumindest eines anders sein können: Politik und Behörden hätten schon beim Verdacht auf Gesundheitsgefahren öffentlich Markennamen und Firmen nennen dürfen, ohne endgültige Beweise vorliegen zu haben. Grundlage dafür wäre das Verbraucherinformationsgesetz gewesen - doch dieses zentrale Reformvorhaben von Rot-Grün ist am Freitag zu Grabe getragen worden.

Mit ihrer Mehrheit im Bundesrat brachte die Union das Gesetz drei Monate vor der Bundestagswahl endgültig zu Fall. Nicht nur Politiker von SPD und Grünen meinen, dass der Verbraucherschutz in den Mühlen des Wahlkampfs zermahlen worden ist.

Mit der Neuregelung, so wollte es die Regierung, sollte statt des unmündigen Kunden am Ende der informierte Konsument stehen. Jeder Verbraucher sollte unter bestimmten Voraussetzungen das verbriefte Recht auf Zugang zu Informationen über Lebensmittel und bestimmte andere Produkte bei Behörden haben. Und: Behörden hätten erstmals von sich aus die Öffentlichkeit alarmieren dürfen, wenn ein «ausreichender Verdacht» auf Risiken vorliegt - etwa, wenn sie Nitrofen in Lebensmitteln finden.

Gerade der Skandal um das verbotene Pflanzenschutzmittel ließ Künast noch einmal Hoffnung für ihr Gesetzesvorhaben schöpfen. Die Union werde in arge Erklärungsnöte kommen, so glaubte die Ministerin, wenn sie trotz verseuchter Lebensmittel in der Ladentheke und belastetem Futter in den Ställen eine Verbesserung des Verbraucherschutzes torpediere. Doch CDU und CSU blieben bei ihrem Nein: Das Gesetz sei praxisfremd und ein bürokratisches Monstrum, das nicht zur Verbesserung des Verbraucherschutzes tauge.

Einiges deutet allerdings darauf hin, dass die Union Rot-Grün kurz vor der Bundestagswahl in Sachen Verbraucherinformationsgesetz schlicht keinen Erfolg mehr gönnen wollte. Im April war Bayern noch mit einem Antrag gescheitert, der eine Blockade vorsah - auch einige unionsgeführte Länder hatten sich gegen das Ansinnen der bayerischen Staatsregierung um Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber gestellt.

Nach der Verabschiedung des Gesetzes im Mai im Bundestag kamen die Unionsländer dann auf eine Linie: Überraschend beschlossen sie, das Gesetz nun doch abzulehnen, der Antrag war wieder von Bayern initiiert. Nicht einmal den Vermittlungsausschuss wollten die Unions- Länder vor drei Wochen mit der Suche nach einem Kompromiss beauftragen. Das machte dann die Bundesregierung, doch auch in dem Ausschuss fanden die Kontrahenten keine Lösung.

Die Union wirft Künast vor, «keine substanziellen Nachbesserungen» vorgelegt zu haben. Allerdings hat die Union auch nie einen Gegenentwurf vorgestellt. Künast schimpft: «Seit Monaten hört man von dort sich selbst widersprechende Botschaften.» Den einen gehe der Entwurf nicht weit genug. «Die anderen wollen am liebsten gar keine Regelung oder allenfalls auf europäischer Ebene. Das bedeutet, irgendwann in ferner Zukunft.»

Die Grünen sprachen am Freitag für einen «schwarzen Tag» für die Verbraucher. Das dürfte auch für Künast gelten. In den eineinhalb Jahren in ihrem Amt konnte die Ministerin, die in ihrer neuen Aufgabe schnell als Shooting Star gehandelt wurde, nur wenige Gesetzesvorhaben verwirklichen. Nun ist es der Union um Stoiber kurz vor der Wahl gelungen, eines ihrer größten Projekte zu Fall zu bringen.

 Mehr Informationen:

Verbraucherministerium

vista verde: Verbraucher


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