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China: Abholzung und globale Erwärmung
lassen die Fluten steigen
Nach den verheerenden Überschwemmungen
in China wird eine neue «Jahrhundertflut» befürchtet.
Neben Mißwirtschaft und Korruption werden auch Abholzungen
und die globale Erwärmung für die Schäden verantwortlich
gemacht.
Von Andreas Landwehr, dpa
Peking (dpa) - Mit dem Hochwasseralarm
läuteten in China auch die politischen Alarmglocken. Ministerpräsident
Zhu Rongji eilte an den Jangtse-Strom, um den Volksmassen zu demonstrieren,
dass sich die Regierung kümmert. Bekannt für seine deutliche
Sprache, kündigte Zhu Rongji an, dass jetzt auch die lokalen
Funktionäre auf dem Prüfstand stünden. Jetzt, wo
die Fluten kommen, dürfe «niemand in seiner Wachsamkeit
nachlassen» oder «sich auf sein Glück verlassen».
Vor allem, so warnte Zhu Rongji,
dürfe es keinen «Dofuzha» geben, wie die Reste
des Sojabohnenkäses genannt werden. Jeder weiß in China,
was damit gemeint ist. Es sind Projekte, an denen jeder verdient,
bis nichts Gutes übrig bleibt, und die am Ende wie der nutzlose,
bröckelige weiße Rest von Bohnenkäse einfach zerfallen.
Immer öfter wird auch Korruption
im Zusammenhang mit der Katastrophe erwähnt. Zu oft sind
Gelder für den Deichbau zweckentfremdet verwendet worden,
sind stattdessen in Bürogebäude oder Luxushotels geflossen.
Selbst am Aktienmarkt wurde mit Finanzmitteln für die Flutbekämpfung
jongliert, oder sie blieben auf den Konten liegen.
Das war schon bei der Flutkatastrophe
von 1998 so. Damals waren vermutlich Tausende mehr als die offiziell
genannten 4150 Menschen ums Leben gekommen und Schäden von
200 Milliarden Yuan (25 Milliarden Euro) entstanden. Heute wird
eine neue «Jahrhundertflut» befürchtet. «Wenn
ein großes Unglück passieren sollte, für das Verantwortung
getragen werden muss, werden die zuständigen Funktionäre
wegen Amtsvernachlässigung angeklagt», drohte Zhu Rongji.
Hausgemacht sind andere Ursachen
für das Hochwasser. Schäden im Ökosystem entstanden
durch das Abholzen großer Wälder. Dies bedingte eine
stärkere Erosion. Durch Versandung ist der Dongting-See -
ein natürliches Reservoir des Jangtse-Stromes in der Provinz
Hunan - um 40 Prozent kleiner geworden als noch in den 50er Jahren.
Tausende Anwohner sind nach 1998 aus Ufergebieten des Jangtse
umgesiedelt worden, die als Überlaufbecken dienen müssen.
Milliarden von Yuan hat die Pekinger
Zentralregierung ausgegeben, um eine Wiederholung der chaotischen
Zustände von 1998 zu vermeiden. Deswegen kann heute niemand
mehr überrascht tun. Vielmehr steht jetzt der politische
Test an, ob die Anstrengungen ausreichten oder die Deiche zerbröckeln
wie die Reste des Bohnenkäses.
Die Verantwortung für den
ungewöhnlich frühen und heftigen Beginn der Hochwassersaison
schieben Experten auch der globalen Erwärmung zu. Ausgerechnet
in diesen Tagen haben sich 150 Meteorologen aus fast 40 Ländern
in Peking versammelt, die gleich erklärten, dass die häufigen
extremen Unwetter und ungewöhnlichen klimatischen Ereignisse
eine «enge Verbindung mit der globalen Erwärmung haben».
Auf der Tagung des internationalen
Gremiums für Klimawechsel (IPCC) wurde festgehalten, dass
sich in den 90er Jahren fünf Mal mehr Naturkatastrophen ereigneten
als in den 50er Jahren. Die Schäden seien von vier Milliarden
Dollar in den 60er Jahren auf 29 Milliarden gestiegen.
Die zunehmende Zersetzung der
Ozonschicht durch Treibhausgase habe zu höheren Temperaturen
und einer «unausgeglichenen Verteilung der globalen Regenfälle»
geführt. «In China verstärken die häufigen
Dürren im Norden und die Fluten im Süden diese Erkenntnis»,
sagte Ding Yihui vom Meteorologischen Amt Chinas (CMA).
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