vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   P o l i t i k   &   G e s e l l s c h a f t

News - Seite 1Politik
Natur und Tiere
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 14.06.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

China: Abholzung und globale Erwärmung lassen die Fluten steigen

Nach den verheerenden Überschwemmungen in China wird eine neue «Jahrhundertflut» befürchtet. Neben Mißwirtschaft und Korruption werden auch Abholzungen und die globale Erwärmung für die Schäden verantwortlich gemacht.

Von Andreas Landwehr, dpa

Peking (dpa) - Mit dem Hochwasseralarm läuteten in China auch die politischen Alarmglocken. Ministerpräsident Zhu Rongji eilte an den Jangtse-Strom, um den Volksmassen zu demonstrieren, dass sich die Regierung kümmert. Bekannt für seine deutliche Sprache, kündigte Zhu Rongji an, dass jetzt auch die lokalen Funktionäre auf dem Prüfstand stünden. Jetzt, wo die Fluten kommen, dürfe «niemand in seiner Wachsamkeit nachlassen» oder «sich auf sein Glück verlassen».

Vor allem, so warnte Zhu Rongji, dürfe es keinen «Dofuzha» geben, wie die Reste des Sojabohnenkäses genannt werden. Jeder weiß in China, was damit gemeint ist. Es sind Projekte, an denen jeder verdient, bis nichts Gutes übrig bleibt, und die am Ende wie der nutzlose, bröckelige weiße Rest von Bohnenkäse einfach zerfallen.

Immer öfter wird auch Korruption im Zusammenhang mit der Katastrophe erwähnt. Zu oft sind Gelder für den Deichbau zweckentfremdet verwendet worden, sind stattdessen in Bürogebäude oder Luxushotels geflossen. Selbst am Aktienmarkt wurde mit Finanzmitteln für die Flutbekämpfung jongliert, oder sie blieben auf den Konten liegen.

Das war schon bei der Flutkatastrophe von 1998 so. Damals waren vermutlich Tausende mehr als die offiziell genannten 4150 Menschen ums Leben gekommen und Schäden von 200 Milliarden Yuan (25 Milliarden Euro) entstanden. Heute wird eine neue «Jahrhundertflut» befürchtet. «Wenn ein großes Unglück passieren sollte, für das Verantwortung getragen werden muss, werden die zuständigen Funktionäre wegen Amtsvernachlässigung angeklagt», drohte Zhu Rongji.

Hausgemacht sind andere Ursachen für das Hochwasser. Schäden im Ökosystem entstanden durch das Abholzen großer Wälder. Dies bedingte eine stärkere Erosion. Durch Versandung ist der Dongting-See - ein natürliches Reservoir des Jangtse-Stromes in der Provinz Hunan - um 40 Prozent kleiner geworden als noch in den 50er Jahren. Tausende Anwohner sind nach 1998 aus Ufergebieten des Jangtse umgesiedelt worden, die als Überlaufbecken dienen müssen.

Milliarden von Yuan hat die Pekinger Zentralregierung ausgegeben, um eine Wiederholung der chaotischen Zustände von 1998 zu vermeiden. Deswegen kann heute niemand mehr überrascht tun. Vielmehr steht jetzt der politische Test an, ob die Anstrengungen ausreichten oder die Deiche zerbröckeln wie die Reste des Bohnenkäses.

Die Verantwortung für den ungewöhnlich frühen und heftigen Beginn der Hochwassersaison schieben Experten auch der globalen Erwärmung zu. Ausgerechnet in diesen Tagen haben sich 150 Meteorologen aus fast 40 Ländern in Peking versammelt, die gleich erklärten, dass die häufigen extremen Unwetter und ungewöhnlichen klimatischen Ereignisse eine «enge Verbindung mit der globalen Erwärmung haben».

Auf der Tagung des internationalen Gremiums für Klimawechsel (IPCC) wurde festgehalten, dass sich in den 90er Jahren fünf Mal mehr Naturkatastrophen ereigneten als in den 50er Jahren. Die Schäden seien von vier Milliarden Dollar in den 60er Jahren auf 29 Milliarden gestiegen.

Die zunehmende Zersetzung der Ozonschicht durch Treibhausgase habe zu höheren Temperaturen und einer «unausgeglichenen Verteilung der globalen Regenfälle» geführt. «In China verstärken die häufigen Dürren im Norden und die Fluten im Süden diese Erkenntnis», sagte Ding Yihui vom Meteorologischen Amt Chinas (CMA).

 Mehr Informationen:

IPCC

People' Daily

 

 Lesen Sie auch:

China: Ibis-Population auf neuem Rekordwert

Studie: Umweltschäden durch Gen-Baumwolle

China: Umweltschutz vor 2000 Jahren

China: Schlimmste Sandstürme seit 40 Jahren

Nicht das Gesicht verlieren: Keine Fragen an Jiang Zemin

Drei Schluchten-Damm: Schon mehr als 400.000 Menschen umgesiedelt

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft | Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung