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- 13.06.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Welternährungs-Gipfel: Scharfe Kritik zum Abschluss

Über 700 regierungsunabhängige Organisationen haben den reichen Ländern zum Abschluss des Welternährungs-Gipfels in Rom vorgeworfen, den Hunger in der Dritten Welt zu verstärken.

Rom/Bonn (dpa) - Durch «Agrar-Dumping» und Protektionismus des Nordens würden die Bauern im Süden um ihre Lebensgrundlage gebracht, sagte eine Sprecherin der regierungsunabhängigen Organisationenn (NGO) am Donnerstag in Rom.

Der Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschafts- Organisation (FAO), Jacques Diouf, trat massiver Kritik entgegen, der viertägige Gipfel habe keine Ergebnisse gebracht: «Jedes Land hat sich verpflichtet, konkrete Schritte zu unternehmen.»

Auch die Deutsche Welthungerhilfe äußerte sich enttäuscht. Vor allem seien die Entwicklungsländer zu wenig in die Pflicht genommen worden.

«Agrar-Dumping» und Protektionismus des Nordens

Die Rede der NGO-Sprecherin Sarojeni Rengam vor den Vertretern von über 180 Staaten war einer der Höhepunkte der Konferenz. Die internationale Gemeinschaft verfolge «eine Politik, die zu wachsendem Hunger in der Welt führt».

Die Strategie der reichen Länder und der Weltbank einer wirtschaftlichen Liberalisierung sei verheerend für die Dritte Welt. «Die Folge ist eine weitere Polarisierung zwischen Arm und Reich, zwischen Süden und Norden.»

«Nur eine grundsätzlich andere Politik kann den Hunger beenden.» Hauptziel müsse es sein, die Produktion der Bauern für die lokalen Märkte in den Hungerländern zu stärken. Dabei müssten die Dritte-Welt-Märkte vor subventionierten Dumping-Importen aus dem Norden geschützt werden. Zu den 700 NGOs zählten Bauernorganisationen, Hilfsorganisationen, Frauen- und Umweltgruppen.

Bislang kaum Erfolge im Kampf gegen den Hunger

FAO-Generalsekretär Diouf bekräftigte trotz Rückschlägen das 1996 gesteckte Ziel der UN, bis zum Jahr 2015 die Zahl von derzeit 800 Millionen Menschen zu halbieren. «Die FAO-Mitgliedländer haben sich aber in Rom vor den Augen der Welt dazu verpflichtet», meinte er vor den Delegierten.

Allerdings räumte er ein, bislang habe man im Kampf gegen den Hunger kaum Erfolge erzielt. Das von der FAO vorgeschlagene «Anti-Hunger-Programm» in Höhe von 24 Milliarden Dollar wurde bei der Konferenz nicht verabschiedet.

Kontroverse über grüne Gentechnik

Eine Kontroverse hinter den Kulissen gab es über den Anbau gentechnisch manipulierter Nahrungsmittel. Vor allem die USA hatten sich für den Anbau auch in der Dritten Welt stark gemacht.

Dagegen meinte Diouf: «Der Einsatz der Biotechnik in der Dritten Welt ist zumindest auf kürzere Sicht ein Randproblem.» Das wichtigste im Kampf gegen den Hunger sei der Zugang zu Wasser sowie die Steigerung der Produktivität der Kleinbauern.

Welthungerhilfe: Gipfelergebnisse «bitter enttäuschend»

Die Deutsche Welthungerhilfe (Bonn) wertete die Gipfelergebnisse als «bitter enttäuschend» und als «Rückschlag für die Hungernden». Die Konferenz habe nichts wirklich Neues gebracht.

Längst getroffene Vereinbarungen seien teilweise in neue Worte verpackt, teilweise sogar weiter verwässert worden. Vor allem seien die Entwicklungsländer zu wenig in die Verantwortung genommen wurden.


© dpa

Jacques Diouf, der Generaldirektor der FAO bei einer Pressekonferenz in Rom (Archivbild vom 03.09.2001)


 Mehr Informationen:

FAO: World Food Summit

World Food Programme

Deutsche Welthungerhilfe

Verbraucherministerium

Bauernverband

vista verde: Entwicklung


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