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Welternährungs-Gipfel: Scharfe Kritik
zum Abschluss
Über 700 regierungsunabhängige
Organisationen haben den reichen Ländern zum Abschluss des
Welternährungs-Gipfels in Rom vorgeworfen, den Hunger in
der Dritten Welt zu verstärken.
Rom/Bonn (dpa) - Durch «Agrar-Dumping»
und Protektionismus des Nordens würden die Bauern im Süden
um ihre Lebensgrundlage gebracht, sagte eine Sprecherin der regierungsunabhängigen
Organisationenn (NGO) am Donnerstag in Rom.
Der Generaldirektor der Ernährungs-
und Landwirtschafts- Organisation (FAO), Jacques Diouf, trat massiver
Kritik entgegen, der viertägige Gipfel habe keine Ergebnisse
gebracht: «Jedes Land hat sich verpflichtet, konkrete Schritte
zu unternehmen.»
Auch die Deutsche Welthungerhilfe
äußerte sich enttäuscht. Vor allem seien die Entwicklungsländer
zu wenig in die Pflicht genommen worden.
«Agrar-Dumping»
und Protektionismus des Nordens
Die Rede der NGO-Sprecherin Sarojeni
Rengam vor den Vertretern von über 180 Staaten war einer
der Höhepunkte der Konferenz. Die internationale Gemeinschaft
verfolge «eine Politik, die zu wachsendem Hunger in der
Welt führt».
Die Strategie der reichen Länder
und der Weltbank einer wirtschaftlichen Liberalisierung sei verheerend
für die Dritte Welt. «Die Folge ist eine weitere Polarisierung
zwischen Arm und Reich, zwischen Süden und Norden.»
«Nur eine grundsätzlich
andere Politik kann den Hunger beenden.» Hauptziel müsse
es sein, die Produktion der Bauern für die lokalen Märkte
in den Hungerländern zu stärken. Dabei müssten
die Dritte-Welt-Märkte vor subventionierten Dumping-Importen
aus dem Norden geschützt werden. Zu den 700 NGOs zählten
Bauernorganisationen, Hilfsorganisationen, Frauen- und Umweltgruppen.
Bislang kaum Erfolge im Kampf
gegen den Hunger
FAO-Generalsekretär Diouf
bekräftigte trotz Rückschlägen das 1996 gesteckte
Ziel der UN, bis zum Jahr 2015 die Zahl von derzeit 800 Millionen
Menschen zu halbieren. «Die FAO-Mitgliedländer haben
sich aber in Rom vor den Augen der Welt dazu verpflichtet»,
meinte er vor den Delegierten.
Allerdings räumte er ein,
bislang habe man im Kampf gegen den Hunger kaum Erfolge erzielt.
Das von der FAO vorgeschlagene «Anti-Hunger-Programm»
in Höhe von 24 Milliarden Dollar wurde bei der Konferenz
nicht verabschiedet.
Kontroverse über grüne
Gentechnik
Eine Kontroverse hinter den Kulissen
gab es über den Anbau gentechnisch manipulierter Nahrungsmittel.
Vor allem die USA hatten sich für den Anbau auch in der Dritten
Welt stark gemacht.
Dagegen meinte Diouf: «Der
Einsatz der Biotechnik in der Dritten Welt ist zumindest auf kürzere
Sicht ein Randproblem.» Das wichtigste im Kampf gegen den
Hunger sei der Zugang zu Wasser sowie die Steigerung der Produktivität
der Kleinbauern.
Welthungerhilfe: Gipfelergebnisse
«bitter enttäuschend»
Die Deutsche Welthungerhilfe
(Bonn) wertete die Gipfelergebnisse als «bitter enttäuschend»
und als «Rückschlag für die Hungernden».
Die Konferenz habe nichts wirklich Neues gebracht.
Längst getroffene Vereinbarungen
seien teilweise in neue Worte verpackt, teilweise sogar weiter
verwässert worden. Vor allem seien die Entwicklungsländer
zu wenig in die Verantwortung genommen wurden.
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