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- 10.06.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Welternährungs-Gipfel: Schritte gegen Hunger überfällig

Die internationale Gemeinschaft hält trotz schwerer Rückschläge an ihrem Ziel fest, bis 2015 die Zahl der Hungernden von derzeit 800 Millionen Menschen zu halbieren.

Rom (dpa) - Dies ist das wichtigste Ziel einer «Internationalen Allianz gegen den Hunger», die über 180 Mitgliedstaaten auf dem UN-Welternährungsgipfel am Montag in Rom verabschiedeten.

«Es ist Zeit zu handeln», rief UN-Generalsekretär Kofi Annan den über 4000 Delegierten zu. Politische Führer der Dritten Welt warfen den reichen Industriestaaten vor, ihre Agrarmärkte nach wie vor auf unfaire Weise abzuschotten. Der ugandische Staatschef Yoweri Museveni räumte ein, dass auch Kriege und Bürgerkriege ein Hauptgrund für Hungersnöte in Afrika seien.

Simbabwes Präsident Robert Mugabe, der ungeachtet eines Einreiseverbots der EU nach Rom gekommen war, verteidigte die umstrittenen Landbesetzungen und Enteignungen in seinem Land. Er verwies auf eine drohende Hungersnot im südlichen Afrika, die über zehn Millionen Menschen gefährde. Auch die Aids-Seuche sei eine schwere Bürde, da sie Millionen afrikanischer Bauern im produktiven Alter treffe.

Annan sagte: «In einer Welt des Überflusses liegt es in unserer Macht, den Hunger zu beenden. Das Versagen, dieses Ziel zu erreichen, sollte uns alle mit Scham erfüllen.» Nach wie vor sterben jeden Tag weltweit 24 000 Menschen an Unterernährung. Der Kampf gegen den Hunger käme nur schleppend voran. «Alle sind mit der Zwischenbilanz völlig unzufrieden», sagte Bundesverbraucherministerin Renate Künast.

Bereits vor sechs Jahren hatte sich die UN-Ernährungs- und Landwirtschafts-Organisation (FAO) in Rom das Ziel gesetzt, die Zahl der Hungernden in 20 Jahren zu halbieren. Tatsächlich wurde die Zahl der Unterernährten nur sehr geringfügig abgebaut.

FAO-Generaldirektor Jacques Diouf sprach von «mangelndem politischen Willen». Versprechen seien nicht gehalten worden. «Heute ist die Stunde der Wahrheit. Den Worten folgten keine Taten». Wenn es so schleppend weitergehe, werde es 60 Jahren dauern, bis das Ziel erreicht ist.

Kriege und Protektionismus seien die Hauptgründe von Hunger und Armut in der Dritten Welt, meinte Museveni. Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki sprach von einer «gemeinsamen Verantwortung» der armen und reichen Länder bei der Beseitigung von Unterernährung. Am wichtigsten sei es, dass mehr Gelder in den Agrarsektor der Entwicklungsländer investiert werden. Auch Private sollten sich dabei stärker beteiligen. Die US-Landwirtschaftsministerin Ann Veneman wies die Kritik an Handelsbarrieren der Reichen zurück. Sie setzte sich für den stärkeren Anbau genmanipulierter Nahrungsmittel ein.

Bereits vor Beginn des Gipfels hatte sich FAO-Chef Diouf verbittert darüber geäußert, dass außer dem spanischen Ministerpräsidenten José Aznar kein weiterer Staats- oder Regierungschef eines reichen Industriestaates nach Rom gekommen war. Dies sei ein Zeichen, dass die Reichen dem Kampf gegen den Hunger keinen Vorrang geben. Lediglich etwa 70 politische Führer aus Afrika, Asien und Lateinamerika kamen zu dem viertägigen Gipfel nach Rom.

In der «Deklaration von Rom» bekräftigten die FAO-Staaten außerdem das «Recht auf Nahrung». Sie forderten, die FAO solle in den nächsten zwei Jahren «freiwillige Richtlinien» erarbeiten, wie das Recht auf Nahrung zu verwirklichen sei. Besonders Deutschland habe sich dafür eingesetzt, sagte Künast.

Während Tausende von Sicherheitskräften den Gipfel im FAO- Hauptquartier in Rom hermetisch abriegelten, hielten Hunderte von unabhängigen Hilfsorganisationen am Stadtrand von Rom ein «Gegenforum» ab.

Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte, durch den Anbau genmanipulierter Nahrungsmittel in der Dritten Welt könne der Hunger nicht beseitigt werden. Vielmehr würden die Bauern in den Entwicklungsländern von Agrarkonzernen abhängig.

So habe etwa der Anbau genmanipulierter Sojabohnen in Argentinien zu einer Landkonzentration geführt. «Nahrungs-Diktatoren werden die Welt nicht ernähren», hieß es auf einem Greenpeace-Spruchband vor der römischen Engelsburg.

 Mehr Informationen:

FAO: World Food Summit

World Food Programme

Deutsche Welthungerhilfe

Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft: Policies against Hunger

vista verde: Entwicklung


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