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Welternährungs-Gipfel: Schritte
gegen Hunger überfällig
Die internationale Gemeinschaft
hält trotz schwerer Rückschläge an ihrem Ziel fest,
bis 2015 die Zahl der Hungernden von derzeit 800 Millionen Menschen
zu halbieren.
Rom (dpa) - Dies ist das wichtigste
Ziel einer «Internationalen Allianz gegen den Hunger»,
die über 180 Mitgliedstaaten auf dem UN-Welternährungsgipfel
am Montag in Rom verabschiedeten.
«Es ist Zeit zu handeln»,
rief UN-Generalsekretär Kofi Annan den über 4000 Delegierten
zu. Politische Führer der Dritten Welt warfen den reichen
Industriestaaten vor, ihre Agrarmärkte nach wie vor auf unfaire
Weise abzuschotten. Der ugandische Staatschef Yoweri Museveni
räumte ein, dass auch Kriege und Bürgerkriege ein Hauptgrund
für Hungersnöte in Afrika seien.
Simbabwes Präsident Robert
Mugabe, der ungeachtet eines Einreiseverbots der EU nach Rom gekommen
war, verteidigte die umstrittenen Landbesetzungen und Enteignungen
in seinem Land. Er verwies auf eine drohende Hungersnot im südlichen
Afrika, die über zehn Millionen Menschen gefährde. Auch
die Aids-Seuche sei eine schwere Bürde, da sie Millionen
afrikanischer Bauern im produktiven Alter treffe.
Annan sagte: «In einer
Welt des Überflusses liegt es in unserer Macht, den Hunger
zu beenden. Das Versagen, dieses Ziel zu erreichen, sollte uns
alle mit Scham erfüllen.» Nach wie vor sterben jeden
Tag weltweit 24 000 Menschen an Unterernährung. Der Kampf
gegen den Hunger käme nur schleppend voran. «Alle sind
mit der Zwischenbilanz völlig unzufrieden», sagte Bundesverbraucherministerin
Renate Künast.
Bereits vor sechs Jahren hatte
sich die UN-Ernährungs- und Landwirtschafts-Organisation
(FAO) in Rom das Ziel gesetzt, die Zahl der Hungernden in 20 Jahren
zu halbieren. Tatsächlich wurde die Zahl der Unterernährten
nur sehr geringfügig abgebaut.
FAO-Generaldirektor Jacques Diouf
sprach von «mangelndem politischen Willen». Versprechen
seien nicht gehalten worden. «Heute ist die Stunde der Wahrheit.
Den Worten folgten keine Taten». Wenn es so schleppend weitergehe,
werde es 60 Jahren dauern, bis das Ziel erreicht ist.
Kriege und Protektionismus seien
die Hauptgründe von Hunger und Armut in der Dritten Welt,
meinte Museveni. Der südafrikanische Präsident Thabo
Mbeki sprach von einer «gemeinsamen Verantwortung»
der armen und reichen Länder bei der Beseitigung von Unterernährung.
Am wichtigsten sei es, dass mehr Gelder in den Agrarsektor der
Entwicklungsländer investiert werden. Auch Private sollten
sich dabei stärker beteiligen. Die US-Landwirtschaftsministerin
Ann Veneman wies die Kritik an Handelsbarrieren der Reichen zurück.
Sie setzte sich für den stärkeren Anbau genmanipulierter
Nahrungsmittel ein.
Bereits vor Beginn des Gipfels
hatte sich FAO-Chef Diouf verbittert darüber geäußert,
dass außer dem spanischen Ministerpräsidenten José
Aznar kein weiterer Staats- oder Regierungschef eines reichen
Industriestaates nach Rom gekommen war. Dies sei ein Zeichen,
dass die Reichen dem Kampf gegen den Hunger keinen Vorrang geben.
Lediglich etwa 70 politische Führer aus Afrika, Asien und
Lateinamerika kamen zu dem viertägigen Gipfel nach Rom.
In der «Deklaration von
Rom» bekräftigten die FAO-Staaten außerdem das
«Recht auf Nahrung». Sie forderten, die FAO solle
in den nächsten zwei Jahren «freiwillige Richtlinien»
erarbeiten, wie das Recht auf Nahrung zu verwirklichen sei. Besonders
Deutschland habe sich dafür eingesetzt, sagte Künast.
Während Tausende von Sicherheitskräften
den Gipfel im FAO- Hauptquartier in Rom hermetisch abriegelten,
hielten Hunderte von unabhängigen Hilfsorganisationen am
Stadtrand von Rom ein «Gegenforum» ab.
Die Umweltorganisation Greenpeace
kritisierte, durch den Anbau genmanipulierter Nahrungsmittel in
der Dritten Welt könne der Hunger nicht beseitigt werden.
Vielmehr würden die Bauern in den Entwicklungsländern
von Agrarkonzernen abhängig.
So habe etwa der Anbau genmanipulierter
Sojabohnen in Argentinien zu einer Landkonzentration geführt.
«Nahrungs-Diktatoren werden die Welt nicht ernähren»,
hieß es auf einem Greenpeace-Spruchband vor der römischen
Engelsburg.
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