vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   P o l i t i k   &   G e s e l l s c h a f t

News - Seite 1Politik
Natur und Tiere
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 10.06.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stoff zum Streiten bleibt: Atomausstieg vor einem Jahr besiegelt

Genau vor einem Jahr wurde die Vereinbarung von Regierung und Wirtschaft über den Ausstieg aus der Atomenergie unterzeichnet. Doch Stoff zum Streiten bleibt bis heute.

Von Eva Tasche, dpa

Berlin (dpa) - Für die rot-grüne Koalition war es eines ihrer wichtigsten und zugleich heikelsten Projekte der Legislaturperiode: An diesem Dienstag ist genau vor einem Jahr die Vereinbarung von Regierung und Wirtschaft über den Ausstieg aus der Atomenergie unterzeichnet worden. Vor allem für die Grünen mit ihren Ursprüngen in der Anti-Atom-Bewegung war dies ein zentrales Ziel. Doch Stoff zum Streiten bleibt bis heute.

Noch einmal fast ein Jahr dauerte es, bis - im April 2002 - das neue Atomgesetz in Kraft trat, die gesetzgeberische Umsetzung der Vereinbarung. Der Neubau von Atomkraftwerken ist mit der Novelle jetzt verboten. Konkrete Pläne dazu gab es jedoch ohnehin nicht. Seit 1989 ist in Deutschland kein Meiler mehr in Betrieb gegangen und seit 20 Jahren keiner mehr bestellt worden.

CDU/CSU und FDP, die die Ausstiegsvereinbarungen mit der Wirtschaft stets als falschen Weg bezeichnet hatten, haben in ihren Programmen zur Bundestagswahl zwar angekündigt, sie wollten die Atomgesetznovelle wieder rückgängig machen. Sie wollen aber nur die Option auf die Atomenergie-Nutzung offen halten. Für die Betreiber selbst ist der Konsens mit der Regierung ein «akzeptabler Kompromiss» - sichert er ihnen bis zum Ende der Laufzeiten doch einen ungestörten Weiterbetrieb der Anlagen zu.

Umweltschützer kritisieren den Atomkonsens denn auch als Farce. Sie wollen eine schnelle Abschaltung statt des vereinbarten schrittweisen Ausstiegs, der sich über rund zwanzig Jahre hinziehen wird. Das erste Kraftwerk soll im nächsten Jahr in Stade schließen.

Auch wenn Ausmaß und Heftigkeit geringer geworden sind, so gibt es doch weiterhin Auseinandersetzungen und Demonstrationen bei Atomtransporten. Und Pannenserien wie im Sommer vorigen Jahres im AKW Philipsburg trugen ebenfalls nicht gerade dazu bei, die Kritiker zu beruhigen. Und dann erhielt die Atomfrage im Herbst plötzlich wieder auf bis dahin undenkbare Weise neue Aktualität.

Nach den Terroranschlägen in den USA am 11. September entbrannte eine neue Diskussion um die Sicherheit der Atomkraftwerke. Die Botschaft, dass es keinen absoluten Schutz vor einem gelenkten Flugzeugabsturz auf einen Atomreaktor geben kann, beunruhigte viele zutiefst.

Ein Terrorangriff, der eine Strahlenkatastrophe auslösen könnte, war nach der Tiefflug-Attacke auf die Zwillingstürme des World-Trade-Centers in New York nicht mehr ins Reich der reinen Fantasie zu verbannen. Die Atomkraft-Gegner fühlten sich in ihrer Forderung bestätigt, die Reaktoren sofort auszuschalten.

Kein Land der Welt mit einem derart ausgeweiteten Atomprogramm steige so schnell aus wie Deutschland, hielt Bundesumweltminister Jürgen Trittin stets dagegen. Es sei ein Interessenausgleich zwischen Gegnern und Betreibern der Atomenergienutzung gefunden worden, mit klaren Perspektiven für alle Beteiligten. Dieser Weg des Ausstiegs aus der Atomenergie sei für andere Länder eine Herausforderung.

Allerdings beschloss Finnland erst vor wenigen Tagen den Bau eines neuen Atomkraftwerks. Die deutsche Atomlobby äußerte sich hoch erfreut. In Südböhmen wurde trotz zahlreicher Proteste der zweite Block des umstrittenen tschechischen Atomkraftwerks Temelin in Betrieb genommen. Und in Deutschland streiten Bund und Land Bayern um die Sicherheit des Atomkraftwerkes Isar I bei Landshut.

Stoff zum Streiten schließlich bietet sich vielen Akteuren auch weiterhin mit der nach wie vor ungelösten Frage nach der Endlagerung. Wo die noch Jahrtausende strahlenden Reste der Atomenergienutzung dauerhaft sicher untergebracht werden können, ist in Deutschland noch völlig offen.

Die Erkundung des Salzstockes Gorleben als mögliches Endlager war mit dem Atomkonsens erst mal ausgesetzt worden. Ein vom Bundesumweltministerium eingesetzter Arbeitskreis von Experten soll bis Ende dieses Jahres Verfahrensvorschläge für die Standortsuche machen. Das dürfte heftige neue Debatten auslösen.

 Mehr Informationen:

Umweltministerium

vista verde: Atomenergie

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft | Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung