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«Ohne Getreide nur Chaos»:
Auch Arme haben gegen Hunger eine Chance
Die schlechte Nachricht: In
zwei Drittel der Entwicklungs- länder hungern heute mehr
Menschen als vor zehn Jahren. Die gute Nachricht: Es gibt auch
Regierungen, die das Blatt gewendet haben.
Von Peer Meinert, dpa
Rom (dpa) - Das bettelarme Ghana
in Westafrika zum Beispiel oder Thailand. Auch Indonesien ist
ein Sprung nach vorn gelungen, ebenso wie Nigeria und Peru - und
vor allem China. Wirtschaftlich, politisch und kulturell sind
diese «Erfolgsstaaten» sehr verschieden. Nur eins
haben sie gemeinsam - ihre Regierungen zeigten echte Bereitschaft,
etwas gegen den Hunger zu tun.
Zum Beispiel Thailand:
Anfang der 80er Jahre brachten Studien es an den Tag, dass in
den traditionell vernachlässigten Nordostregionen bis zu
70 Prozent der Kinder unternährt waren. Akuter Mangel an
Protein, Kohlenhydraten sowie an Vitamin A und Jod wurden als
Hindernis der Entwicklung festgestellt.
Die Regierung startete eine Kampagne,
die gezielt bei den Ärmsten der Armen ansetzt und sich auf
die Überwindung der Unterernährung konzentrierte - und
das mit dem Einsatz einfachster Mittel. Und mit Beteiligung der
Bevölkerung.
Es wurden weder Staudämme
noch Kraftwerke oder Fabriken gebaut. Stattdessen wurde den Bauern
geholfen, mehr Hülsenfrüchte und Erdnüsse anzubauen
sowie Hühner zu züchten und Fischteiche anzulegen.
Damit wurde nicht nur ein besseres
Nahrungsmittelangebot erzielt, gleichzeitig bekamen die Kleinbauern
mehr Kaufkraft. «All das führte dazu, dass es weniger
Armut gab und die Zahl untergewichtiger Kinder sank», heißt
es in einem FAO-Bericht.
«Innerhalb von zehn Jahren
gelang es, die schwerste Mangelernährung an Kleinkindern
zu beseitigen.» Seit Anfang der 90er Jahre sank der Anteil
der Hungernden in gesamt Thailand von 30 auf 21 Prozent.
Beispiel Ghana: Das kleine
Land schaffte es, die Zahl der Unterernährten in den vergangenen
zehn Jahren um drei Millionen Menschen zu senken. Früher
hungerten 35 Prozent der Bevölkerung, heute nur noch 15 Prozent.
Nach Fehlschlägen mit anderen
Nahrungsmitteln setzte die Regierung auf den Anbau ertragreicher
und widerstandsfähiger Manioksorten, die von Experten eigens
entwickelt wurden. Die Maniokwurzel ist besonders geeignet, auch
in Trockenperioden einigermaßen zu gedeihen.
«Seit den 90er Jahren ist
die Produktion rapide gewachsen, Folge eines Regierungsprogramms»,
lobt die FAO. «Maniok ist heute für die Ghanaer Hauptlieferant
für Kohlenhydrate und preiswertes Grundnahrungsmittel. Menschen
aller sozialer Schichten essen Maniok». Ghana ist ein Beispiel,
dass auch ärmste Länder im Kampf gegen den Hunger eine
Chance haben.
Rein zahlenmäßig kann
den größten Sprung nach vorn China vorweisen:
In den 90er Jahren sank die Zahl der Unterernährten um 76
Millionen, der Anteil der Hungernden von 16 auf 9 Prozent der
Bevölkerung.
«Ohne Landwirtschaft gibt
es keine Stabilität, ohne Getreide nur Chaos», sagte
der große Reformer Deng Xiaoping einst, der Bauern Möglichkeiten
zur privaten Produktion ebnete.
Der Erfolg an der Hungerfront
gilt auch als Folge des allgemeinen Wirtschaftswachstums in China.
Allerdings: Nach wie vor sind 116 Millionen Chinesen unterernährt
- in keinem Land außer Indien leben mehr Hungernde.
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