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- 07.06.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

«Ohne Getreide nur Chaos»: Auch Arme haben gegen Hunger eine Chance

Die schlechte Nachricht: In zwei Drittel der Entwicklungs- länder hungern heute mehr Menschen als vor zehn Jahren. Die gute Nachricht: Es gibt auch Regierungen, die das Blatt gewendet haben.

Von Peer Meinert, dpa

Rom (dpa) - Das bettelarme Ghana in Westafrika zum Beispiel oder Thailand. Auch Indonesien ist ein Sprung nach vorn gelungen, ebenso wie Nigeria und Peru - und vor allem China. Wirtschaftlich, politisch und kulturell sind diese «Erfolgsstaaten» sehr verschieden. Nur eins haben sie gemeinsam - ihre Regierungen zeigten echte Bereitschaft, etwas gegen den Hunger zu tun.

Zum Beispiel Thailand: Anfang der 80er Jahre brachten Studien es an den Tag, dass in den traditionell vernachlässigten Nordostregionen bis zu 70 Prozent der Kinder unternährt waren. Akuter Mangel an Protein, Kohlenhydraten sowie an Vitamin A und Jod wurden als Hindernis der Entwicklung festgestellt.

Die Regierung startete eine Kampagne, die gezielt bei den Ärmsten der Armen ansetzt und sich auf die Überwindung der Unterernährung konzentrierte - und das mit dem Einsatz einfachster Mittel. Und mit Beteiligung der Bevölkerung.

Es wurden weder Staudämme noch Kraftwerke oder Fabriken gebaut. Stattdessen wurde den Bauern geholfen, mehr Hülsenfrüchte und Erdnüsse anzubauen sowie Hühner zu züchten und Fischteiche anzulegen.

Damit wurde nicht nur ein besseres Nahrungsmittelangebot erzielt, gleichzeitig bekamen die Kleinbauern mehr Kaufkraft. «All das führte dazu, dass es weniger Armut gab und die Zahl untergewichtiger Kinder sank», heißt es in einem FAO-Bericht.

«Innerhalb von zehn Jahren gelang es, die schwerste Mangelernährung an Kleinkindern zu beseitigen.» Seit Anfang der 90er Jahre sank der Anteil der Hungernden in gesamt Thailand von 30 auf 21 Prozent.

Beispiel Ghana: Das kleine Land schaffte es, die Zahl der Unterernährten in den vergangenen zehn Jahren um drei Millionen Menschen zu senken. Früher hungerten 35 Prozent der Bevölkerung, heute nur noch 15 Prozent.

Nach Fehlschlägen mit anderen Nahrungsmitteln setzte die Regierung auf den Anbau ertragreicher und widerstandsfähiger Manioksorten, die von Experten eigens entwickelt wurden. Die Maniokwurzel ist besonders geeignet, auch in Trockenperioden einigermaßen zu gedeihen.

«Seit den 90er Jahren ist die Produktion rapide gewachsen, Folge eines Regierungsprogramms», lobt die FAO. «Maniok ist heute für die Ghanaer Hauptlieferant für Kohlenhydrate und preiswertes Grundnahrungsmittel. Menschen aller sozialer Schichten essen Maniok». Ghana ist ein Beispiel, dass auch ärmste Länder im Kampf gegen den Hunger eine Chance haben.

Rein zahlenmäßig kann den größten Sprung nach vorn China vorweisen: In den 90er Jahren sank die Zahl der Unterernährten um 76 Millionen, der Anteil der Hungernden von 16 auf 9 Prozent der Bevölkerung.

«Ohne Landwirtschaft gibt es keine Stabilität, ohne Getreide nur Chaos», sagte der große Reformer Deng Xiaoping einst, der Bauern Möglichkeiten zur privaten Produktion ebnete.

Der Erfolg an der Hungerfront gilt auch als Folge des allgemeinen Wirtschaftswachstums in China. Allerdings: Nach wie vor sind 116 Millionen Chinesen unterernährt - in keinem Land außer Indien leben mehr Hungernde.

 Mehr Informationen:

FAO: World Food Summit

World Food Programme

Deutsche Welthungerhilfe

Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft: Policies against Hunger

DIE ZEIT: Rettung von der Biofarm

vista verde: Entwicklung


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