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- 30.05.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Trotz Öko-Skandals: Union weiter gegen Verbraucherinformationsgesetz

Trotz der Affäre um verseuchten Futterweizen wollen die unionsgeführten Länder das von der rot-grünen Koalition geplante Verbraucherinformationsgesetz im Bundesrat auf keinem Fall passieren lassen.

Von Can Merey, dpa

Berlin (dpa) - Was den Verbraucher im Öko-Skandal besonders interessiert, dürfen Politiker und Behörden ihm nicht sagen: Welche Marken sind betroffen, ist das Ei auf meinem Frühstückstisch möglicherweise Nitrofen-verseucht?

Das Verbraucherinformationsgesetz soll das ändern. Dann könnten Politik und amtliche Stellen schon bei Verdacht auf Gesundheitsgefahren öffentlich Markennamen und Firmen nennen, ohne endgültige Beweise vorliegen zu haben.

An diesem Freitag ist das Gesetz im Bundesrat - doch dort will es die Union blockieren. Vier Monate vor der Bundestagswahl droht der Verbraucherschutz in die Mühlen des Wahlkampfs zu geraten.

Mit dem Gesetz, so will es die Regierung, soll statt des unmündigen Kunden am Ende der informierte Konsument stehen. Jeder Verbraucher soll unter bestimmten Voraussetzungen das verbriefte Recht auf Zugang zu Informationen über Lebensmittel und bestimmte andere Produkte bei Behörden haben.

Und: Behörden sollen erstmals von sich aus an die Öffentlichkeit gehen dürfen, wenn ein «ausreichender Verdacht» auf Risiken vorliegt - etwa, wenn sie Unkrautvernichtungsmittel in Lebensmitteln finden.

Mehr Aufmerksamkeit für das Gesetz als diese Woche hätte die grüne Verbraucherschutzministerin Renate Künast nicht haben können. Die Vorgänge um giftiges Nitrofen in Weizen und Bio-Lebensmitteln geben dem Reformprojekt eine ungeahnte Aktualität.

Ausgerechnet der Öko- Skandal, den Künast-Gegner bereits als Beleg des Scheiterns ihrer Politik werten, wird die Union nach Ansicht der Ministerin in Erklärungsnöte bringen - CDU und CSU beharrten auch am Donnerstag darauf, das Gesetz zu torpedieren und ein Vermittlungsverfahren abzulehnen.

Die Neuregelung «ist eine schlichte Selbstverständlichkeit gegenüber dem Bürger. Wer das blockiert, soll das den Menschen mal erklären», schimpft Künast.

Die Union argumentiert, das rot-grüne Gesetz sei «kein taugliches Mittel» gegen Nitrofen-Vertuschungen und ähnliche Fälle. Es enthalte keine Verpflichtung von Unternehmen, Behörden über kritische Ergebnisse bei Eigenkontrollen zu informieren und auch keine Bestimmungen zu Futtermitteln. Die Regierung solle erforderliche Änderungen der Lebensmittel- und Futtermittelgesetze veranlassen «und im übrigen das bereits vorhandene europarechtliche und nationale Instrumentarium ausschöpfen».

Auch Künast räumt ein, dass die Neuregelung Skandale etwa um verunreinigtes Futtermittel nicht verhindern kann. Trotzdem bedeute das Gesetz eine klare Verbesserung für den Verbraucher, denn er würde über Skandale zumindest besser aufgeklärt, Ross und Reiter könnten frühzeitig genannt werden.

Einiges deutet darauf hin, dass die Union Rot-Grün vier Monate vor der Bundestagswahl in Sachen Verbraucherinformationsgesetz schlicht keinen Erfolg mehr gönnen will.

In der ersten Behandlung des Gesetzes im Bundesrat am 26. April war Bayern noch mit einem Antrag gescheitert, der eine Blockade des Gesetzes vorsah. Auch einige unionsgeführte Länder stellten sich gegen das Ansinnen der bayerischen Staatsregierung um den Unions-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber.

Nach der Verabschiedung des Gesetzes im Bundestag kamen die Unionsländer dann auf eine Linie: Vergangene Woche beschlossen sie überraschend, das Gesetz nun doch abzulehnen und den Vermittlungsausschuss nicht einzuschalten.

Der Antrag war wieder von Bayern initiiert, Hessen und Thüringen traten ihm später bei. Diese Position bekräftigten die unionsgeführten Länder nach einem Treffen am Donnerstag.

«Wenn ich nur wüsste, was die Union in der Sache will», sagt Künast. Schließlich hätten CDU und CSU noch keinen besseren Vorschlag für ein entsprechendes Gesetz vorgelegt.

 

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CDU-CSU Fraktion

vista verde: Verbraucher

 

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