|
Erdgipfel: In Johannesburg mangelt es
nicht an Reizthemen
Zehn Jahre nach dem großen
Umweltgipfel von Rio de Janeiro geht die Vorbereitung für
das Folgetreffen in Johannesburg in die letzte Runde. Gastgeber
Südafrika machte bereits klar, dass es auf der Mammuttagung
an Reizthemen kaum mangeln wird.
Von Ralf E. Krüger, dpa
Johannesburg (dpa) - «Umweltschutz
nur um seiner selbst willen ergibt keinen Sinn», sagte Umwelt-
und Tourismusminister Valli Moosa am Dienstag. Seiner Meinung
nach müssen auf der Mammuttagung (26.8. - 4.9.) mit 65.000
Delegierten und mehreren tausend Journalisten soziale und wirtschaftliche
Aspekte stärker im Vordergrund stehen.
Konkret bedeutet das, dass die
ärmeren Länder ihr Recht auf Entwicklung stärker
herausstellen werden. Umweltschutz durch besseren Anschluss an
Wasser, an Energie und letztlich auch die Weltwirtschaft, lautete
das Motto, das Moosa internationalen Journalisten in den Notizblock
diktierte. «Man kann nicht über nachhaltige Entwicklung
reden, wenn sie der Wirtschaft in den Entwicklungsländern
kein Wachstum erlaubt», meinte er.
Der Minister, der sich in seiner
Heimat durch Strandverbote für Geländewagen und Beschränkungen
für die Plastiktütenindustrie profilierte, sieht den
Johannesburg-Gipfel als Plattform für die Erarbeitung eines
konkreten Aktionsplans. Er soll bei der Umsetzung bereits gesteckter
Ziele wirkungsvoll helfen.
Fünf große Themenkomplexe
werden in Johannesburg im Vordergrund stehen: Wassermanagement,
Energiepolitik und Zugang zur Energie für große Bevölkerungsschichten,
Gesundheitspolitik, Nahrungssicherheit und Agrarproduktion sowie
Schutz und Management von Ökosystemen und Artenvielfalt.
Das umstrittene Thema eines Schuldenerlasses
für die Dritte Welt wird aber ebenso dazu gehören wie
die Auswirkungen der zunehmenden Globalisierung. Auch die Frage
des Urheberschutzes bei Heilpflanzen steht an, die von Naturvölkern
jahrhundertlang genutzt wurden, nun aber von internationalen Pharmakonzernen
analysiert und patentiert werden («Bio-Piraterie»).
«Der Gipfel wird mit einer
politischen Erklärung darüber zu Ende gehen müssen,
was die Welt für eine Vision bei der Entwicklung der menschlichen
Gesellschaft in den kommenden zehn Jahren hat», fordert
Moosa. Er sieht dauerhaften Umweltschutz in armen Ländern
nur gesichert, wenn es den Menschen auch entsprechend gut geht.
Als Beispiel führt er Afrikas immer wieder geforderte Elektrifizierung
an. Wer Strom hat, so sein Argument, wird auch keine Wälder
abholzen.
Sein Land sieht er dabei als
beispielhaft. «Seit 1994 haben wir jährlich 350.000
Menschen Zugang zu elektrischem Strom beschafft», sagt er
nicht ohne Stolz. Unerwähnt lässt er jedoch die Tatsache,
dass Südafrika gerade mit einer veralteten deutschen Atomtechnologie
experimentiert. Die anstehende Genehmigung für den Bau eines
Prototypen ruft auch in seinem Land Umweltschützer auf den
Plan.
|