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- 16.05.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schröder: Union setzt auf alte Rezepte

Regierung und Opposition haben sich bei der Debatte zu Nachhaltigkeit gegenseitig Versagen bei der Sicherung einer umweltschonenden und wirtschaftlich erfolgreichen Politik vorgeworfen.

Berlin (dpa) - Bundeskanzler Gerhard Schröder hielt am Donnerstag im Bundestag Union und FDP vor, sie planten im Falle eines Wahlsiegs im September eine «Rückkehr in die Vergangenheit» mit längst überholten Rezepten und unverantwortlichen Versprechungen. Führende Oppositionsredner kritisierten dagegen, das rot-grüne Lager vertraue immer noch vor allem auf den Staat und dirigistische Maßnahmen.

Seine Regierungserklärung zur Nachhaltigkeitsstrategie nutzte Schröder - ebenso wie eine Reihe von Ministern - zu scharfen Angriffen auf die Wahlaussagen von Union und FDP. Das eigentliche Thema der Aussprache und der im September dazu geplante UN-Weltgipfel in Johannesburg traten dabei streckenweise in den Hintergrund.

Schröder bezeichnete den Plan der Union als falsch, bei einem Wahlsieg den Ausstieg aus der Kernenergie wieder rückgängig zu machen. Ein «Spiel mit dem Feuer» betreibe die Opposition auch mit der geplanten massiven Beschneidung von Arbeitnehmerrechten. Gerade das bevorstehende Ende des Streiks in der Metallindustrie zeige, dass Rechte nicht einseitig verändert werden dürften.

Der Union hielt er weiter vor, Wahlversprechen in einer Größenordnung von 76 Milliarden Euro zu machen und die Staatsquote unter 40 Prozent senken zu wollen, was zusätzlich 170 Milliarden Euro kosten würde. Als Folge müssten entweder bisherige Sozialleistungen gestrichen oder die Verschuldung erhöht werden.

«Beides ist schlecht für unser Land», sagte der Kanzler. Er sprach sich dafür aus, Entwicklungsländern den Zugang zu den Märkten der reichen Länder zu erleichtern. Die Regeln müssten so verändert werden, dass ein fairer Handel möglich werde.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hielt dem Kanzler entgegen, ihre Partei habe aus den Fehlern der früheren Regierungszeit gelernt. Leistung müsse sich künftig in Deutschland wieder lohnen. Statt der vom Kanzler betriebenen Politik der ruhigen Hand sei jetzt die «Zeit für Taten» gekommen. Dies werde die Union nach dem 22. September unter Beweis stellen.

Außenminister Joschka Fischer (Grüne) nannte die FDP- Steuervorschläge völlig «utopisch». Wenn sie verwirklicht würden, müsse Deutschland aus der EU austreten. Die von Union und FDP angekündigten Abgabensenkungen könnten sie nicht ernsthaft planen. «Das wäre der politische Selbstmord.»

Finanzminister Hans Eichel (SPD) sprach von einem «Betrug an den Menschen». Nach Ansicht von Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) macht die Opposition Deutschland völlig grundlos schlecht: «Wir stehen in allen gesamtwirtschaftlichen Eckpunkten besser da als Ende 1998».

Birgit Homburger (FDP) warf der Koalition vor: «Unter Rot-Grün ist der Begriff Nachhaltigkeit auf den Hund gekommen.» PDS-Fraktionschef Roland Claus verteidigte die Teilnahme von Abgeordneten seiner Partei an den Demonstrationen gegen den Besuch von US-Präsident George W. Bush in der kommenden Woche in Berlin.

Das Bundeskabinett hatte im April ein Konzept zur Nachhaltigkeit vorgelegt. Zu den 21 Punkten gehören etwa der Klimaschutz oder die Staatsverschuldung. In Johannesburg sollen die auf dem UN- Umweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro grundsätzlich beschlossenen Nachhaltigkeitsstrategien präzisiert werden.

Die Umweltorganisationen Greenpeace und BUND forderten die Koalition auf, ihre Strategie noch nachzubessern. Schröder solle überdies persönlich zum Johannesburg-Gipfel reisen.

 Mehr Informationen:

Bundesregierung: Nachhaltige Entwicklung

Rat für Nachhaltige Entwicklung

vista verde: Nachhaltigkeit


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