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- 15.05.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachhaltigkeit hat Hochkonjunktur - und ist doch weithin unbekannt

Die Nachhaltigkeit ist in Berlin zur Zeit in aller Munde. Trotzdem verbinden nur wenige Menschen in Deutschland überhaupt etwas mit dem Begriff.

Von Can Merey, dpa

Berlin (dpa) - Der Begriff ist sperrig wie ein gefällter Baum: Die Nachhaltigkeit, eigentlich ein Wort aus der Forstwirtschaft, hat in der Hauptstadt inzwischen Hochkonjunktur. Niemals zuvor wurde im politischen Berlin so viel über das Thema geredet wie in dieser Woche.

Am Donnerstag wird erstmals ein Bundeskanzler eine Regierungserklärung dazu abgeben: Gerhard Schröder (SPD) spricht gut drei Monate vor dem Weltgipfel in Johannesburg im Bundestag zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Trotzdem verbinden nur wenige Menschen in Deutschland überhaupt etwas mit dem Begriff.

Ein Bewirtschaftungsprinzip, das dadurch gekennzeichnet ist, nicht mehr Bäume zu fällen als jeweils nachwachsen, so wird Nachhaltigkeit im Lexikon definiert. Inzwischen wird das Prinzip - übertragen vom Wald auf weltweite Probleme - als Formel gegen Armut, Umweltzerstörung und ungebremste Globalisierung gepriesen. Die in rund 100 Tagen beginnende UN-Konferenz in Johannesburg nennt sich denn auch Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung.

Bislang hat noch niemand im Deutschen eine griffigere Etikette für das eigentlich nichts sagende Modewort gefunden. Globale Bedeutung erhielt der Begriff 1987 durch den Bericht einer UN-Kommission unter der damaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland.

Die Grundaussage damals wie heute: Die Wirtschafts- und Lebensweise muss im magischen Dreieck zwischen Ökologie, Ökonomie und Sozialem so geführt werden, dass auch künftige Generationen noch eine Chance haben, auf dieser Welt gut zu leben.

Vor zehn Jahren wurde Nachhaltigkeit bei der Johannesburg- Vorgängerkonferenz, dem Weltgipfel in Rio, quasi zur internationalen Maxime für die Lösung der dringenden Menschheitsprobleme ausgerufen. Doch auch acht Jahre nach Rio gaben in einer Studie des Umweltbundesamtes im Jahr 2000 nur 13 Prozent der Deutschen an, den Begriff überhaupt schon mal gehört zu haben - das waren sogar noch weniger als in der Untersuchung zwei Jahre zuvor.

Dabei gab es zu den Inhalten, die hinter dem Begriff stehen, breite Zustimmung: 77 Prozent der Befragten traten für einen fairen Handel zwischen reichen und armen Ländern ein. 83 Prozent sprachen sich dafür aus, nicht mehr Ressourcen zu verbrauchen, als nachwachsen können. Neun von zehn Befragten befürworteten das Prinzip ökologischer Generationen-Gerechtigkeit - die Umwelt sollte nicht auf Kosten späterer Generationen ausgebeutet werden.

Kaum jemand stimme nicht mit der Idee der nachhaltigen Entwicklung überein, sagte EU-Kommissionspräsident Romano Prodi vor knapp einem Jahr in einer Rede vor dem Europäischen Parlament. Zugleich beklagte er aber: «Selten bietet ein politisches Konzept so viel für so viele, und wird von so wenigen in seinem Wert geschätzt.»

Die Bundesregierung versucht nun, mit der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie als deutschem Beitrag für Johannesburg zu punkten. Doch ob es ihr gelingt, das Thema zum populären rot-grünen Markenzeichen auszubauen, ist längst nicht sicher.

Denn die Strategie ist schwierig zu vermitteln, umfasst sie doch Themen von Klimaschutz bis zu Wohnungseinbrüchen, von Güterverkehr bis zu Entwicklungshilfe, von Finanzen bis zu Luftqualität. Die FDP wirft der Regierung vor, das Chaos damit perfekt zu machen: «Das ist der sicherste Weg, dafür zu sorgen, dass niemand weiß, was Nachhaltigkeit ist.»

 Mehr Informationen:

Rat für Nachhaltige Entwicklung

Bundesregierung: Nachhaltige Entwicklung

vista verde: Nachhaltigkeit


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