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- 29.04.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

AKW-Affäre: Trittin zwingt Bayern mit Weisung zur Aufklärung

Die Bundesregierung will Bayern mit einer Weisung zur Aufklärung der Affäre um das Atomkraftwerk Isar 1 zwingen und die bayerische Atomaufsicht insgesamt überprüfen.

Berlin (dpa) - Es gebe den begründeten Verdacht, dass das Landesumweltministerium «eine zu oberflächliche Aufsicht über die Atomanlagen betreibt», hieß es zur Begründung.

Die bundesaufsichtliche Weisung ging laut Bundesumweltministerium am Freitag in München ein. Die bayerische Staatsregierung wies alle Vorwürfe zurück. In der Affäre um das AKW Isar 1 geht es um fragwürdige Sicherheitsüberprüfungen.

Vergangenen Oktober war durch einen anonymen Hinweis bekannt geworden, dass sich zwei Mitarbeiter des Atomkraftwerks verabredet hatten, bei einer Überprüfung durch den TÜV Süddeutschland relevante Daten zurückzuhalten. Unter anderem habe es von Seiten der Mitarbeiter geheißen, zur Zeit habe man den TÜV «noch fest im Griff».

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) wirft der bayerischen Regierung vor, die Aufklärung der Angelegenheit zu blockieren. Bayern weigere sich seit Wochen, dem Bund Einblick in Unterlagen zu gewähren und zur Aufklärung notwendige Fachgespräche zu führen.

Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) bezeichnete die Weisung als «durchsichtiges Wahlkampfgetöse». Trittin ordnete unter anderem ein klärendes Gespräch bis spätestens 22. Mai mit Vertretern des TÜV Süddeutschland an.

Der Staatssekretär im Bundesministerium, Rainer Baake, nannte es bedenklich, dass das Umweltministerium in München die Atomaufsicht «offensichtlich weitgehend auf den TÜV verlagert hat». Es sei nicht zulässig, sich so der Kontrolle durch die Bundesaufsicht zu entziehen. Trotz mehrfacher Aufforderung habe das bayerische Ministerium bisher verhindert, dass die zuständigen TÜV-Mitarbeiter im Beisein des Bundesumweltministeriums zu ihrer Überwachungspraxis befragt werden.

Schnappauf sagte hingegen: «Bayern setzt auf absolut konsequente Atomaufsicht.» Der Freistaat sei gerne bereit, Fachfragen zu beantworten, aber nicht zu einer Ladung zum Verhör. Trittin wolle offenbar die Bundesaufsicht zur Bundesausforschung umfunktionieren. Der Betrieb des Kraftwerks Isar 1 sei sicher.

Nach Darstellung der Ministeriums in Berlin hat der Vorgang aber «Schwächen der bayerischen Überwachungspraxis offenbart und insbesondere das Verhältnis zwischen TÜV und Anlagenbetreiber in einem fragwürdigen Licht erscheinen lassen».

 Mehr Informationen:

Bundesumwelt- ministerium

Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen

vista verde: Atomenergie


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