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Tschernobyl: Gedenkfeiern und Proteste
zum 16. Jahrestag
In der Ukraine, Russland und
Weißrussland ist am Freitag der verheerenden Reaktorkatastrophe
im Kernkraftwerk Tschernobyl vor 16 Jahren gedacht worden.
Kiew/Moskau (dpa) - In Kiew wurde
die erste Gedenkfeier um 1.24 Uhr Ortszeit abgehalten, genau zu
dem Zeitpunkt, als am 26. April 1986 der Reaktorblock vier explodiert
war. Die Katastrophe hatte weite Teile Osteuropas radioaktiv verseucht.
Aufsehen erregte der weißrussische
Präsident Alexander Lukaschenko mit der Forderung, das Kernkraftwerk
Ignalina im Nachbarland Litauen nicht stillzulegen. Weißrussland,
das Strom von dort bezieht, «erwägt sogar einen Kauf
von Ignalina», sagte er nach Angaben der Agentur Interfax
in der Stadt Tschetschersk. Ignalina gehört wie Tschernobyl
zur RBMK-Baureihe russischer Reaktoren, die als äußerst
unsicher gilt.
In Kiew legten der ukrainische
Präsident Leonid Kutschma und Regierungschef Anatoli Kinach
Blumen am Ehrenmal der «Helden von Tschernobyl» nieder.
Der Parlamentsvorsitzende Iwan Pljuschtsch rief die internationale
Gemeinschaft zu weiteren Hilfen bei der Beseitigung der Folgen
des Unglücks auf. «Tschernobyl ist nicht die Schuld
der Ukraine, sondern ihr Elend», sagte er nach Angaben von
Interfax.
Umweltschützer in Russland
und anderen Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten
(GUS) forderten ihre Regierungen zur baldigen Stilllegung «altersschwacher
Atomkraftwerke» und zum Einsatz umweltverträglicher
Methoden zur Stromherstellung auf.
Bereits vor dem Tschernobyl-Gedenktag
hatten Umweltschützer in Moskau auf dem Roten Platz gegen
Atomkraft und gegen die Einfuhr von nuklearen Abfällen nach
Russland demonstriert. Wie die Organisation «Ekosaschtschita»
(Umweltschutz) am Freitag mitteilte, waren die Teilnehmer der
nicht angemeldeten Aktion sowie mehrere Journalisten vorübergehend
festgenommen worden.
Die bislang größte
Katastrophe in der friedlichen Nutzung der Kernenergie traf Millionen
von Menschen, auch wenn das genaue Ausmaß der durch die
Radioaktivität ausgelösten Krankheiten und Todesfälle
umstritten ist. Die ukrainischen Behörden haben 4299 Todesfälle
als direkte Folge des Unglücks anerkannt.
Die Gesamtzahl der Todesfälle
in den vergangenen zehn Jahren, die mit der Tschernobyl-Katastrophe
in Verbindung gebracht werden, beläuft sich nach inoffiziellen
Schätzungen auf 170.000.
Der letzte Block des Unglückskernkraftwerks
war erst im Dezember 2000 nach finanziellen Zusagen aus dem Westen
abgeschaltet worden.
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