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Mehr als Biber und Luchs: Öko-Pionier
Weinzierl blickt zurück
An diesem Wochenende gibt Hubert
Weinzierl, Öko-Pionier der ersten Stunde und Präsident
des Deutschen Naturschutzrings, nach mehr als drei Jahrzehnten
den Vorsitz des Bundes Naturschutz (BN) ab.
Von Ulf Vogler, dpa
Regensburg/Eichstätt (dpa)
- Einer der größten Wünsche ging für Hubert
Weinzierl erst wenige Wochen vor dem Ende seiner mehr als drei
Jahrzehnte währenden Amtszeit in Erfüllung: Nach jahrelangen
Diskussionen will die rot-grüne Bundesregierung die Donau
in Niederbayern nun nicht kanalisieren und den Fluss naturnah
ausbauen.
Für Weinzierl, einen der
renommiertesten Naturschützer Deutschlands, ist das Happy
End im Kampf um den «bayerischen Amazonas» ein guter
Abschied. An diesem Wochenende gibt der 66-Jährige den Vorsitz
des Bundes Naturschutz (BN) ab. Weinzierl gilt in Deutschland
als Öko-Pionier der ersten Stunde.
Der gebürtige Ingolstädter
stammt aus einer Unternehmerfamilie. In München studierte
er Forstwirtschaft. 1969 übernahm er erstmals den BN-Vorsitz.
Sechs Jahre später war er Mitbegründer des BUND (Bund
für Umwelt und Naturschutz Deutschland).
Für Weinzierl ein lohnendes
Engagement: Seiner Meinung nach hat sich das Umweltbewusstsein
in den vergangenen drei Jahrzehnten enorm entwickelt. «Die
Menschen haben ein Gespür dafür, dass ein Leben ohne
Natur nicht geht.»
Bereits bei seiner letzten Wahl
zum BN-Chef hatte Weinzierl angekündigt, dass er nach der
Hälfte seiner Amtszeit vorzeitig zurücktreten werde.
«33 Jahre sind genug. Außerdem bin ich sehr viel in
Berlin, diese Doppelbelastung kann man auf Dauer nicht durchhalten»,
meint Weinzierl mit Blick auf seine Funktion als Präsident
des Deutschen Naturschutzrings, einem Dachverband von mehr als
100 Organisationen.
In Zukunft soll Huber Weiger,
bislang zweiter Mann hinter Weinzierl, die Zentrale von Bayerns
größtem Umweltverband in Regensburg führen. Zur
Ruhe setzen will sich Weinzierl aber noch längst nicht. «Ich
werde mich schwerpunktmäßig um meine Arbeit als Naturschutzringpräsident
kümmern.»
Seinem seit 1913 bestehenden
Heimatverband verhalf Weinzierl im Freistaat zu erheblichem Einfluss,
während seiner Amtszeit verzehnfachte sich die Mitgliederzahl
auf heute 175.000. «Wir sind eine gesellschaftspolitische
Kraft geworden, an der man nicht mehr vorbeigeht.»
So verhinderten die bayerischen
Naturschützer maßgeblich die atomare Wiederaufarbeitungsanlage
in Wackersdorf (WAA). Für Weinzierl neben der Wiederansiedlung
von Biber, Luchs und Wildkatze im Land einer der größten
Erfolge. Auch an der Gründung des ersten deutschen Nationalparks
1970 im Bayerischen Wald hatte Weinzierl erheblichen Anteil.
Doch Probleme gibt es auch weiterhin
genügend. «Wir müssen eine völlig neue Landesentwicklungspolitik
betreiben», sagt Weinzierl. Allein in Bayern würden
jeden Tag 28 Hektar Grund und Boden verbaut. «Und das geht
ungebremst weiter.»
Weitere Herausforderungen sieht
er in der Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die
Schiene sowie in der Agrarwende, die eine «große Chance
für den ländlichen Raum» sei. Auch die Reduzierung
des Energieverbrauchs müsse vorangetrieben werden, um die
Klimaziele zu erreichen.
Auch privat lebt Weinzierl mit
und für die Natur. Sein Schloss Wiesenfelden in Niederbayern
beherbergt die BN-Bildungsstätte, ein Naturkundemuseum und
eine Öko-Station. Ganz in der Nähe wohnt der 66- Jährige
mit seiner Frau Beate Seitz-Weinzierl, einer katholischen Theologin,
in einem Forsthaus.
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