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- 25.04.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehr als Biber und Luchs: Öko-Pionier Weinzierl blickt zurück

An diesem Wochenende gibt Hubert Weinzierl, Öko-Pionier der ersten Stunde und Präsident des Deutschen Naturschutzrings, nach mehr als drei Jahrzehnten den Vorsitz des Bundes Naturschutz (BN) ab.

Von Ulf Vogler, dpa

Regensburg/Eichstätt (dpa) - Einer der größten Wünsche ging für Hubert Weinzierl erst wenige Wochen vor dem Ende seiner mehr als drei Jahrzehnte währenden Amtszeit in Erfüllung: Nach jahrelangen Diskussionen will die rot-grüne Bundesregierung die Donau in Niederbayern nun nicht kanalisieren und den Fluss naturnah ausbauen.

Für Weinzierl, einen der renommiertesten Naturschützer Deutschlands, ist das Happy End im Kampf um den «bayerischen Amazonas» ein guter Abschied. An diesem Wochenende gibt der 66-Jährige den Vorsitz des Bundes Naturschutz (BN) ab. Weinzierl gilt in Deutschland als Öko-Pionier der ersten Stunde.

Der gebürtige Ingolstädter stammt aus einer Unternehmerfamilie. In München studierte er Forstwirtschaft. 1969 übernahm er erstmals den BN-Vorsitz. Sechs Jahre später war er Mitbegründer des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland).

Für Weinzierl ein lohnendes Engagement: Seiner Meinung nach hat sich das Umweltbewusstsein in den vergangenen drei Jahrzehnten enorm entwickelt. «Die Menschen haben ein Gespür dafür, dass ein Leben ohne Natur nicht geht.»

Bereits bei seiner letzten Wahl zum BN-Chef hatte Weinzierl angekündigt, dass er nach der Hälfte seiner Amtszeit vorzeitig zurücktreten werde. «33 Jahre sind genug. Außerdem bin ich sehr viel in Berlin, diese Doppelbelastung kann man auf Dauer nicht durchhalten», meint Weinzierl mit Blick auf seine Funktion als Präsident des Deutschen Naturschutzrings, einem Dachverband von mehr als 100 Organisationen.

In Zukunft soll Huber Weiger, bislang zweiter Mann hinter Weinzierl, die Zentrale von Bayerns größtem Umweltverband in Regensburg führen. Zur Ruhe setzen will sich Weinzierl aber noch längst nicht. «Ich werde mich schwerpunktmäßig um meine Arbeit als Naturschutzringpräsident kümmern.»

Seinem seit 1913 bestehenden Heimatverband verhalf Weinzierl im Freistaat zu erheblichem Einfluss, während seiner Amtszeit verzehnfachte sich die Mitgliederzahl auf heute 175.000. «Wir sind eine gesellschaftspolitische Kraft geworden, an der man nicht mehr vorbeigeht.»

So verhinderten die bayerischen Naturschützer maßgeblich die atomare Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAA). Für Weinzierl neben der Wiederansiedlung von Biber, Luchs und Wildkatze im Land einer der größten Erfolge. Auch an der Gründung des ersten deutschen Nationalparks 1970 im Bayerischen Wald hatte Weinzierl erheblichen Anteil.

Doch Probleme gibt es auch weiterhin genügend. «Wir müssen eine völlig neue Landesentwicklungspolitik betreiben», sagt Weinzierl. Allein in Bayern würden jeden Tag 28 Hektar Grund und Boden verbaut. «Und das geht ungebremst weiter.»

Weitere Herausforderungen sieht er in der Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene sowie in der Agrarwende, die eine «große Chance für den ländlichen Raum» sei. Auch die Reduzierung des Energieverbrauchs müsse vorangetrieben werden, um die Klimaziele zu erreichen.

Auch privat lebt Weinzierl mit und für die Natur. Sein Schloss Wiesenfelden in Niederbayern beherbergt die BN-Bildungsstätte, ein Naturkundemuseum und eine Öko-Station. Ganz in der Nähe wohnt der 66- Jährige mit seiner Frau Beate Seitz-Weinzierl, einer katholischen Theologin, in einem Forsthaus.


© dpa

Nach mehr als drei Jahrzehnten gibt Hubert Weinzierl den Vorsitz des Bundes Naturschutz ab.

 Mehr Informationen:

Bund Naturschutz (BN)

DNR

vista verde: Naturschutz- organisationen


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