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Grüne: Wahlkampagne vorgestellt
«Brüder, durch Sonne
zur Arbeit» soll in Abwandlung des alten sozialdemokratischen
Arbeiterlieds klar machen, dass Ökologie und Umstellung auf
moderne Energien Arbeitsplätze schaffe.
Von Ruth Lindenberg, dpa
Berlin (dpa) - Respektlos verpasst
das Grünen-Wahlplakat dem monumentalen Kanzleramtsbau in
Berlin virtuelle Sonnenkollektoren. «Grün wirkt!»
verspricht der knappe Text. Er sagt auch wobei: «Brüder,
durch Sonne zur Arbeit» soll in Abwandlung des alten sozialdemokratischen
Arbeiterlieds klar machen, dass Ökologie und Umstellung auf
moderne Energien Arbeitsplätze schaffe.
Das Motto «Grün wirkt!»,
verbunden mit Hinweisen auf künftige Pläne soll klar
machen: «Wir haben viel erreicht. Wir haben noch viel mehr
vor», sagt Bernd Heusinger von der Agentur «Zum goldenen
Hirschen», die die Kampagne der Grünen für die
Wahl am 22. September entworfen hat.
Sein Kollege Marcel Loco sieht
die Grünen als «junge Partei, schnell, aktiv, manchmal
provokativ». Letzteres wird deutlich, wenn auf einem Plakat
etwa «die Hälfte der Macht für Männer»
gefordert wird oder für «Deutschland als Einwanderungsland»
chinesisch oder afrikanisch anmutende Gartenzwerge werben - neben
dem bekannten Original.
Die Grünen setzen zu Beginn
ihrer Wahlkampagne stark auf die politischen Inhalte. Sie scheuen
aber - anders als bei früheren Wahlkämpfen - nicht vor
Personalisierung zurück. Die sieben Mitglieder der Wahlkampfmannschaft
sind - angeführt vom Spitzenkandidaten, Außenminister
Joschka Fischer, - zur Vorstellung der Kampagne in die Speicher-Etage
der Werbeagentur am Spreeufer gekommen.
Jeder der drei Minister und der
vier Partei- und Fraktionsvorsitzenden steht für ein Themenfeld
der Politik. Verbraucherschutzministerin Renate Künast beispielsweise
ist verantwortlich für «Die neue Ess-Klasse. Sicher
für alle.»
Zentrale Felder sollen Kinder-
und Familienpolitik sein, Energie-, Außen- und Sicherheitspolitik.
Dabei grenzen sie sich durchaus auch von der SPD ab, um einen
eigenständigen Wahlkampf zu führen. Joschka Fischer
steht natürlich fürs Auswärtige und Europa.
Aber auch für alles andere.
Der Spitzenkandidat und seit vielen Umfragen mit Abstand beliebteste
deutsche Politiker darf bei der Vorstellung auch mit 20 Minuten
am längsten im überfüllten Speicher- Quartier reden.
Die anderen sechs haben jeder maximal fünf Minuten.
Fischer wirkt auch bei dieser
Präsentation wieder auffallend entspannt - wie jedes Mal,
seit ihn seine Partei Anfang des Jahres zum Spitzenkandidaten
ausrief. Wiederholt hat der Außenminister seitdem verkündet,
wie viel Lust er gerade auf diesen Wahlkampf hat. «Das wird
keine Spaßentscheidung», warnt er. «Der Wind
bläst uns heftig ins Gesicht.» Aber bange machen gilt
nicht. «Von Verzagtheit keine Spur», sagt er.
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