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Weltbank: Reiche Länder ersticken
Exportversuche der armen Länder
Agrarsubventionen und Handelsbarrieren
in reichen Ländern ersticken Bemühungen von Entwicklungsländern,
sich selbst aus der Armut zu befreien, sagt der Chefvolkswirt
der Weltbank.
Washington (dpa) - Nicholas Stern
forderte bei der Frühjahrstagung von Weltwährungsfonds
(IWF) und Weltbank in Washington aggressive Schritte zur Öffnung
des Welthandel für die armen Länder.
Stern warf der Europäischen
Union vor, ein vielversprechendes Projekt von Nomaden in Mauretanien
untergraben zu haben, die Käse aus Kamelmilch produzierten.
Die EU habe plötzlich verlangt, dass die Kamele mechanisch
gemolken werden, eine Auflage, die die Nomaden in der Wüste
nicht erfüllen konnten. Nahrungsmittelimporte aus 43 armen
Ländern seien in der EU mit einer Verordnung zur Pestizidüberwachung
bei der Herstellung vereitelt worden.
Allein ein Abbau der Subventionen
in Industrieländern für Textilien und bearbeitete Güter
würde Entwicklungsländern 31,3 Milliarden Dollar im
Jahr bringen, heißt es im neuen Weltentwicklungsbericht
der Weltbank. Auch von dem Abbau eigener Handelsschranken würden
die Entwicklungsländer nach Angaben der Weltbank profitieren:
mit 27,6 Milliarden Dollar bei bearbeiteten Gütern und 31,4
Milliarden Dollar bei Agrarprodukten.
Ohne zusätzliche Anstrengungen
seien die Millennium-Ziele der Vereinten Nationen zur Halbierung
der Armut bis 2015 nicht zu schaffen, berichtet die Weltbank.
Auf der Entwicklungskonferenz im März in Monterrey/Mexiko
seien zwar 12 Milliarden Dollar (13,5 Milliarden Euro) zusätzliche
Entwicklungshilfe versprochen worden, sagte Stern. Nötig
sei aber, die Mittel von weltweit 50 Milliarden Dollar zu verdoppeln.
Allein die Agrarsubventionen der Industriestaaten seien sechs
Mal so hoch.
Rund 1,2 Milliarden Menschen
weltweit haben weniger als einen Dollar täglich zum Leben.
Diese Zahl solle in 13 Jahren halbiert sein, hatten die Vereinten
Nationen vor zwei Jahren zum Ziel erklärt. Um dies zu erreichen,
müsste das Pro-Kopf-Einkommen in den betroffenen Ländern
mit 3,6 Prozent wachsen, doppelt so schnell wie bisher. In Afrika
wären sogar sieben Prozent Wachstum nötig.
Die Weltbank will in zehn Ländern
Pilotprojekte beginnen, um allen Kindern den Besuch der Grundschule
zu ermöglichen. Das ist eines der Millennium-Ziele. Die Gouverneure
der Bank, in der Regel die Entwicklungshilfe-Minister, wollten
den Plan am Sonntag billigen.
Die Länder sollen später
Modell für ähnliche Projekte in den anderen 78 Ländern
sein, die das Ziel einer allgemeinen Grundschulausbildung sonst
nicht erreichen würden. Insgesamt gehen heute weltweit 125
Millionen Kinder nicht zur Schule.
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