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- 22.04.2002 -

 

 

 

 

 

 

Weltbank: Reiche Länder ersticken Exportversuche der armen Länder

Agrarsubventionen und Handelsbarrieren in reichen Ländern ersticken Bemühungen von Entwicklungsländern, sich selbst aus der Armut zu befreien, sagt der Chefvolkswirt der Weltbank.

Washington (dpa) - Nicholas Stern forderte bei der Frühjahrstagung von Weltwährungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington aggressive Schritte zur Öffnung des Welthandel für die armen Länder.

Stern warf der Europäischen Union vor, ein vielversprechendes Projekt von Nomaden in Mauretanien untergraben zu haben, die Käse aus Kamelmilch produzierten. Die EU habe plötzlich verlangt, dass die Kamele mechanisch gemolken werden, eine Auflage, die die Nomaden in der Wüste nicht erfüllen konnten. Nahrungsmittelimporte aus 43 armen Ländern seien in der EU mit einer Verordnung zur Pestizidüberwachung bei der Herstellung vereitelt worden.

Allein ein Abbau der Subventionen in Industrieländern für Textilien und bearbeitete Güter würde Entwicklungsländern 31,3 Milliarden Dollar im Jahr bringen, heißt es im neuen Weltentwicklungsbericht der Weltbank. Auch von dem Abbau eigener Handelsschranken würden die Entwicklungsländer nach Angaben der Weltbank profitieren: mit 27,6 Milliarden Dollar bei bearbeiteten Gütern und 31,4 Milliarden Dollar bei Agrarprodukten.

Ohne zusätzliche Anstrengungen seien die Millennium-Ziele der Vereinten Nationen zur Halbierung der Armut bis 2015 nicht zu schaffen, berichtet die Weltbank. Auf der Entwicklungskonferenz im März in Monterrey/Mexiko seien zwar 12 Milliarden Dollar (13,5 Milliarden Euro) zusätzliche Entwicklungshilfe versprochen worden, sagte Stern. Nötig sei aber, die Mittel von weltweit 50 Milliarden Dollar zu verdoppeln. Allein die Agrarsubventionen der Industriestaaten seien sechs Mal so hoch.

Rund 1,2 Milliarden Menschen weltweit haben weniger als einen Dollar täglich zum Leben. Diese Zahl solle in 13 Jahren halbiert sein, hatten die Vereinten Nationen vor zwei Jahren zum Ziel erklärt. Um dies zu erreichen, müsste das Pro-Kopf-Einkommen in den betroffenen Ländern mit 3,6 Prozent wachsen, doppelt so schnell wie bisher. In Afrika wären sogar sieben Prozent Wachstum nötig.

Die Weltbank will in zehn Ländern Pilotprojekte beginnen, um allen Kindern den Besuch der Grundschule zu ermöglichen. Das ist eines der Millennium-Ziele. Die Gouverneure der Bank, in der Regel die Entwicklungshilfe-Minister, wollten den Plan am Sonntag billigen.

Die Länder sollen später Modell für ähnliche Projekte in den anderen 78 Ländern sein, die das Ziel einer allgemeinen Grundschulausbildung sonst nicht erreichen würden. Insgesamt gehen heute weltweit 125 Millionen Kinder nicht zur Schule.

 Mehr Informationen:

Weltbank

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

vista verde: Entwicklung


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