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- 19.04.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Artenvielfalt: Zerstörung soll bis 2010 gestoppt werden

Die Teilnehmer des so genannten Urwaldgipfels in Den Haag wollen das weltweite Aussterben bedrohter Pflanzen und Tiere bis zum Jahr 2010 aufhalten.

Den Haag (dpa) - Zurzeit werde die biologische Vielfalt noch in beispiellosem Umfang durch menschliche Aktivitäten zerstört, betonten Vertreter der 182 Vertragsstaaten für die Konvention über die Artenvielfalt zum Abschluss des Gipfels am Freitag.

Auf diese Entwicklung habe die Welt bisher bis auf wenige Ausnahmen zu wenig und zu spät reagiert. In einem mehr als 130 Punkte umfassenden Arbeitsprogramm wurden Schritte zum Schutz der noch verbliebenen Urwälder und zur verträglichen Nutzung der Holzvorräte festgelegt.

Umweltschützer: Chance für Trendwende verpasst

Trotz dieser Erklärungen sei in Den Haag die Chance für eine Trendwende zum Schutz der Urwälder und ihrer einzigartigen Artenvielfalt verpasst worden, kritisierten Umweltschützer in ersten Reaktionen.

«Die Zerstörung der Urwälder wird nach diesem Gipfel weiter voranschreiten», erklärte Greenpeace-Experte Martin Kaiser nach den zweiwöchigen Beratungen in Den Haag. Die Organisation kritisierte, dass keine internationalen Schutz-Schwerpunkte festgelegt und keine klare Finanzierung vereinbart wurden.

«Die historische Chance für einen echten Durchbruch beim Schutz der letzten Naturwälder wurde leichtfertig vergeben», kommentierte der Naturschutzbund NABU. Vor allem Länder wie Brasilien und Kanada, die noch über bedeutende Urwaldflächen verfügten, zeigten kein Interesse an der Verabschiedung eines wirkungsvollen Arbeitsprogramms.

Töpfer: «Mehr erhofft»

Friends of the Earth begrüßten dagegen das in Den Haag verabschiedete Aktionsprogramm. Obwohl einige Länder das Programm vor der Beschlussfassung stark verwässert hätten, sei doch ein wichtiger Fortschritt in der internationalen Forstpolitik getan worden. Jetzt hätten die Regierungen Richtlinien an der Hand, um die Ziele der Biodiversitäts-Konvention in die Wirklichkeit umzusetzen.

Klaus Töpfer, Direktor des Umweltschutzprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), meinte in einer Bewertung der Konferenz, es sei erreicht worden, was erreichbar gewesen sei. Beim Schutz der Urwälder habe allerdings auch er «mehr erhofft als zu Stande kam».

Die Bedeutung der Konferenz sieht Töpfer darin, dass zum Schutz der Artenvielfalt wichtige Grundsätze formuliert und einstimmig verabschiedet worden seien. «Die Konvention zum Artenschutz ist volljährig geworden. Sie hat heute die Bedeutung der Klimakonvention erreicht», sagte er.

Nutzung genetischer Ressourcen

Bei der 6. Vertragsstaatenkonferenz zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt (VSK), wie der Urwaldgipfel offiziell genannt wird, sind unter anderem die so genannten Bonner Richtlinien angenommen worden. Sie enthalten Regeln für den Zugang zu genetischen Rohstoffen und über die gerechte Verteilung der aus ihrer Nutzung entstehenden Vorteile.

Der Katalog war im vorigen Oktober bei einer Konferenz in Bonn erarbeitet worden. Mit ihrer Annahme sei erstmals ein Durchbruch in der Nord-Süd-Polarisierung zwischen Rohstoff- und Industrieländern erreicht worden, sagte die Konferenzvorsitzende, Staatssekretärin Geke Faber aus den Niederlanden.

Auch beim zweiten Schwerpunktthema «Einschleppung fremder Arten» wurde eine Einigung erzielt. Dabei geht es um die nach Zerstörung der Urwälder zweitwichtigste Ursache für den Artenverlust. Die Konferenz legte fest, dass künftig Arten in fremde Gegenden nur mit Einwilligung der Empfängerländer gebracht werden dürfen.


© dpa

UNEP-Chef Klaus Töpfer: «mehr erhofft als zu Stande kam» (Archivbild)


 Mehr Informationen:

Conference of the Parties to the Convention on Biological Diversity

UNEP

Bundesumwelt- ministerium

vista verde:
Regenwald
Biodiversität
Invasive Arten


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