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Artenvielfalt: Zerstörung soll
bis 2010 gestoppt werden
Die Teilnehmer des so genannten
Urwaldgipfels in Den Haag wollen das weltweite Aussterben bedrohter
Pflanzen und Tiere bis zum Jahr 2010 aufhalten.
Den Haag (dpa) - Zurzeit werde
die biologische Vielfalt noch in beispiellosem Umfang durch menschliche
Aktivitäten zerstört, betonten Vertreter der 182 Vertragsstaaten
für die Konvention über die Artenvielfalt zum Abschluss
des Gipfels am Freitag.
Auf diese Entwicklung habe die
Welt bisher bis auf wenige Ausnahmen zu wenig und zu spät
reagiert. In einem mehr als 130 Punkte umfassenden Arbeitsprogramm
wurden Schritte zum Schutz der noch verbliebenen Urwälder
und zur verträglichen Nutzung der Holzvorräte festgelegt.
Umweltschützer: Chance
für Trendwende verpasst
Trotz dieser Erklärungen
sei in Den Haag die Chance für eine Trendwende zum Schutz
der Urwälder und ihrer einzigartigen Artenvielfalt verpasst
worden, kritisierten Umweltschützer in ersten Reaktionen.
«Die Zerstörung der
Urwälder wird nach diesem Gipfel weiter voranschreiten»,
erklärte Greenpeace-Experte Martin Kaiser nach den zweiwöchigen
Beratungen in Den Haag. Die Organisation kritisierte, dass keine
internationalen Schutz-Schwerpunkte festgelegt und keine klare
Finanzierung vereinbart wurden.
«Die historische Chance
für einen echten Durchbruch beim Schutz der letzten Naturwälder
wurde leichtfertig vergeben», kommentierte der Naturschutzbund
NABU. Vor allem Länder wie Brasilien und Kanada, die noch
über bedeutende Urwaldflächen verfügten, zeigten
kein Interesse an der Verabschiedung eines wirkungsvollen Arbeitsprogramms.
Töpfer: «Mehr erhofft»
Friends of the Earth begrüßten
dagegen das in Den Haag verabschiedete Aktionsprogramm. Obwohl
einige Länder das Programm vor der Beschlussfassung stark
verwässert hätten, sei doch ein wichtiger Fortschritt
in der internationalen Forstpolitik getan worden. Jetzt hätten
die Regierungen Richtlinien an der Hand, um die Ziele der Biodiversitäts-Konvention
in die Wirklichkeit umzusetzen.
Klaus Töpfer, Direktor des
Umweltschutzprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), meinte in
einer Bewertung der Konferenz, es sei erreicht worden, was erreichbar
gewesen sei. Beim Schutz der Urwälder habe allerdings auch
er «mehr erhofft als zu Stande kam».
Die Bedeutung der Konferenz sieht
Töpfer darin, dass zum Schutz der Artenvielfalt wichtige
Grundsätze formuliert und einstimmig verabschiedet worden
seien. «Die Konvention zum Artenschutz ist volljährig
geworden. Sie hat heute die Bedeutung der Klimakonvention erreicht»,
sagte er.
Nutzung genetischer Ressourcen
Bei der 6. Vertragsstaatenkonferenz
zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt (VSK),
wie der Urwaldgipfel offiziell genannt wird, sind unter anderem
die so genannten Bonner Richtlinien angenommen worden. Sie enthalten
Regeln für den Zugang zu genetischen Rohstoffen und über
die gerechte Verteilung der aus ihrer Nutzung entstehenden Vorteile.
Der Katalog war im vorigen Oktober
bei einer Konferenz in Bonn erarbeitet worden. Mit ihrer Annahme
sei erstmals ein Durchbruch in der Nord-Süd-Polarisierung
zwischen Rohstoff- und Industrieländern erreicht worden,
sagte die Konferenzvorsitzende, Staatssekretärin Geke Faber
aus den Niederlanden.
Auch beim zweiten Schwerpunktthema
«Einschleppung fremder Arten» wurde eine Einigung
erzielt. Dabei geht es um die nach Zerstörung der Urwälder
zweitwichtigste Ursache für den Artenverlust. Die Konferenz
legte fest, dass künftig Arten in fremde Gegenden nur mit
Einwilligung der Empfängerländer gebracht werden dürfen.
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