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- 11.04.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Umwelt-Weise warnen: Deutschlands Klimaschutzziel in Gefahr

Die Bundesregierung wird ihr ehrgeiziges Klimaschutzziel nach Einschätzung des Umwelt-Sachverständigenrats ohne Nachbesserungen am nationalen Klimaschutzprogramm verfehlen.

Berlin (dpa) - Die Umwelt-Weisen machen besonders die «Kohlebestandsschutz-Politik» der Bundesregierung dafür verantwortlich. In seinem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Gutachten fordert der Umweltrat einen langsamen kontinuierlichen Anstieg der Ökosteuer über das kommende Jahr hinaus.

Die Experten betonten, entgegen anders lautenden Meinungen aus der Opposition gebe es keinen Widerspruch zwischen langfristigem Klimaschutz und dem umstrittenen Atomausstieg. Trotz einiger Kritikpunkte stellt das Gremium der rot-grünen Umweltpolitik ein insgesamt gutes Zeugnis aus. Der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen mit sieben Experten ist ein unabhängiges Beratungsgremium der Regierung.


© dpa

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (r) wird vom Vorsitzenden des Sachverständigenrates für Umweltfragen, Martin Jänicke, das "Umweltgutachten 2002" übergeben. Im Hintergrund steht das Mitglied des Sachverständigenrates, Max Dohlmann.

Zur Entwarnung im Umweltbereich gibt es nach Ansicht des stellvertretenden Ratsvorsitzenden Martin Jänicke «nicht den geringsten Anlass». So schreite der Klimawandel mit wahrscheinlich katastrophalen Auswirkungen ungebremst voran. Deutschland sei allerdings trotz aller bestehenden Probleme weltweit Vorreiter beim Klimaschutz. Eine Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen um 25 Prozent gegenüber 1990 - also das Ziel für 2005 - sei nur mit weiteren Anstrengungen realisierbar.

Der Regierung empfehlen die Experten außerdem, die angestrebte Reduktion um 40 Prozent bis 2020 verbindlich festzulegen. Sie betonen: «Während der langfristig angelegte Ausstieg aus der Atomenergie mit einer ehrgeizigen Klimaschutzpolitik vereinbar ist, gilt dies für die bestehende Kohleförderpolitik nicht.» Auf der Bundesebene machten die Experten vor allem das Wirtschaftsministerium für die ihrer Ansicht nach verfehlte Kohlepolitik verantwortlich.

Die Umwelt-Weisen betonten, eine führende Rolle im Umweltschutz sei nicht zwangsläufig mit wirtschaftlichen Nachteilen im internationalen Wettbewerb verbunden. «In weiten Teilen ist das Gegenteil der Fall», heißt es in der Stellungnahme des Gremiums zum Gutachten, das den Titel «Für eine neue Vorreiterrolle» trägt.

Jänicke sagte, während das letzte Gutachten vor zwei Jahren noch zu dem Ergebnis gekommen sei, Rot-Grün sei dem hohen Erwartungsdruck nach dem Regierungswechsel nur bedingt gerecht geworden, so sei das Urteil dieses Mal positiver ausgefallen. «Bei aller Kritik im Detail ist es in der Summe eine vorzeigbare Leistung.» Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) erklärte, der Umweltrat bestätige mit seinem Gutachten den eingeschlagenen Kurs der ökologischen Modernisierung.

Union und FDP werteten das Gutachten als Bestätigung für die
verfehlte Politik von Rot-Grün. SPD und Umweltverbände begrüßten es hingegen und forderten, die ökologische Modernisierung weiter voranzutreiben. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland rief die Bundesregierung auf, «die lebenswichtigen Ökothemen im anstehenden Wahlkampf der Parteien nicht untergehen zu lassen».

Das Gremium wendet sich in dem Gutachten gegen das umstrittene Dosenpfand. Ausdrücklich begrüßt wird hingegen die eingeleitete ökologische Agrarwende. Die Umwelt-Weisen bedauern, dass die Bundesregierung der Novellierung des Fluglärmgesetzes vertagt hat. Im Abfallbereich beklagen sie, dass «der Weg von der Beseitigungswirtschaft hin zur Recyclingwirtschaft bislang nicht gelungen ist». Auch der Flächenverbrauch und der Artenschwund seien anhaltend alarmierend.

Die Experten betonen die parteiübergreifenden Anstrengungen für den Klimaschutz. Rot-Grün habe ihn ausgebaut, aber auch vorhergehende Bundesregierungen hätten ihren Anteil zu der Pionierrolle geleistet.

 Mehr Informationen:

Rat von Sachverständigen für Umweltfragen

Bundesumwelt- ministerium

 

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