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- 08.04.2002 -

 

 

 

 

 

 

Kampf der Bauern von Bergama gegen «Zyanid-Gold» scheint aussichtslos

Seit Jahren kämpfen die Bauern der türkischen Ägäis-Küstenregion Bergama gegen den Abbau von Gold mit hochgiftigem Zyanid. Doch bislang setzte sich die türkische Regierung immer über Gerichtsentscheide zu ihren Gunsten hinweg.

Von Ingo Bierschwale, dpa

Istanbul (dpa) - Die Bauern von Bergama (Pergamon) trugen ihren Protest vor die Gerichte und auf die Bosporus-Brücke in Istanbul. «Der mehr als 10 Jahre dauernde Widerstand der Bauern von Bergama hat zum Sieg geführt», meldeten dieser Tage türkische Zeitungen. Die von der Gesellschaft Normandy Madencilik A.S. betriebene Goldmine werde nach einem jüngsten Urteil des Verwaltungsgerichts in Izmir stillgelegt. Doch wieder einmal kam alles anders, wieder einmal schlug ihnen die Regierung in Ankara ein Schnippchen.

Wie 1997: Damals befand das oberste türkische Verwaltungsgericht unter Hinweis auf die Verfassung, dass jeder das Recht habe, «in einer gesunden und im Gleichgewicht befindlichen Umwelt zu leben». Die Goldgewinnung mit Zyanid sei nicht im öffentlichen Interesse.

Doch der Siegestaumel in Bergama war schnell wieder verflogen. Das Kabinett in Ankara setzte sich über die Entscheidung hinweg und erteilte der Tagebaugesellschaft die Erlaubnis für einen einjährigen «Probebetrieb». Erfolgreich fochten die Kläger auch diese Erlaubnis an. Doch während sie darauf warteten, dass die Anlagen versiegelt würden, kam ihnen das Kabinett in Ankara wieder einmal zuvor.

Die Regierung fasste den Beschluss, dass der Goldabbau fortgeführt werden dürfe - nicht wie bisher im Probebetrieb, sondern im «Dauerbetrieb». Was nicht bedeute, dass der Tagebau nicht mehr kontrolliert würde, beschwichtigte das Gesundheitsministerium. Falls nötig, werde der Betrieb jeden Tag kontrolliert.

Empört registrierte die Anwaltskammer von Izmir einen «Verfassungsbruch». In einem Land, in dem Gerichtsurteile nicht umgesetzt und durch einen Kabinettsbeschluss zu den Akten gelegt würden, könne von einem Rechtsstaat keine Rede sein.

Gesundheitsminister Osman Durmus zeigte sich von den Protesten unbeeindruckt. Die Messungen hätten ergeben, dass die Auffangbecken geringere Mengen Zyanid aufwiesen als «in einer einzigen Zigarette» enthalten seien. Was das Erdbebenrisiko angehe, so sei der «Widerstands-Koeffizient» doppelt so hoch wie der des Atatürk-Staudamms, des größten Stauwerks in der Türkei.

Außerdem seien nicht alle Bewohner der vom Tourismus und Olivenanbau geprägten Region gegen das Gold - nicht nur die 360 Beschäftigten, die jüngst gegen eine Schließung auf die Straße gingen. 10.000 Bürger hätten in Briefen an das Ministerium gefordert, «unsere Bodenschätze zu erschließen».

Die Gegner des Tagebaus, bei dem das Gold mit Zyanidlauge aus dem Gestein herausgewaschen wird, weisen dagegen beharrlich auf die Risiken für Grund- und Trinkwasser hin. Außerdem berge die Erdbebengefahr in der Ägäis das Risiko einer großflächigen Umweltverseuchung durch Zyanid in sich.

Welches Ausmaß eine solche Katastrophe annehmen kann, hatte zuletzt vor zwei Jahren ein Dammbruch in einem Zyanid-Gold-Minenbetrieb in Rumänien vor Augen geführt. Die giftige Schlammflut hatte sich in die Theiß ergossen, die 600 Kilometer durch Ungarn führt, und schlagartig alles Leben in dem Fluss ausgelöscht.

 Mehr Informationen:

Bayerischer Rundfunk: Nach dem Goldrausch

FIAN: Menschenrechte sind kostbarer als Gold

Greenpeace Magazin: Glänzende Geschäfte mit schmutzigen Folgen

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