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Kampf der Bauern von Bergama gegen «Zyanid-Gold»
scheint aussichtslos
Seit Jahren kämpfen die
Bauern der türkischen Ägäis-Küstenregion Bergama
gegen den Abbau von Gold mit hochgiftigem Zyanid. Doch bislang
setzte sich die türkische Regierung immer über Gerichtsentscheide
zu ihren Gunsten hinweg.
Von Ingo Bierschwale, dpa
Istanbul (dpa) - Die Bauern von
Bergama (Pergamon) trugen ihren Protest vor die Gerichte und auf
die Bosporus-Brücke in Istanbul. «Der mehr als 10 Jahre
dauernde Widerstand der Bauern von Bergama hat zum Sieg geführt»,
meldeten dieser Tage türkische Zeitungen. Die von der Gesellschaft
Normandy Madencilik A.S. betriebene Goldmine werde nach einem
jüngsten Urteil des Verwaltungsgerichts in Izmir stillgelegt.
Doch wieder einmal kam alles anders, wieder einmal schlug ihnen
die Regierung in Ankara ein Schnippchen.
Wie 1997: Damals befand das oberste
türkische Verwaltungsgericht unter Hinweis auf die Verfassung,
dass jeder das Recht habe, «in einer gesunden und im Gleichgewicht
befindlichen Umwelt zu leben». Die Goldgewinnung mit Zyanid
sei nicht im öffentlichen Interesse.
Doch der Siegestaumel in Bergama
war schnell wieder verflogen. Das Kabinett in Ankara setzte sich
über die Entscheidung hinweg und erteilte der Tagebaugesellschaft
die Erlaubnis für einen einjährigen «Probebetrieb».
Erfolgreich fochten die Kläger auch diese Erlaubnis an. Doch
während sie darauf warteten, dass die Anlagen versiegelt
würden, kam ihnen das Kabinett in Ankara wieder einmal zuvor.
Die Regierung fasste den Beschluss,
dass der Goldabbau fortgeführt werden dürfe - nicht
wie bisher im Probebetrieb, sondern im «Dauerbetrieb».
Was nicht bedeute, dass der Tagebau nicht mehr kontrolliert würde,
beschwichtigte das Gesundheitsministerium. Falls nötig, werde
der Betrieb jeden Tag kontrolliert.
Empört registrierte die Anwaltskammer
von Izmir einen «Verfassungsbruch». In einem Land,
in dem Gerichtsurteile nicht umgesetzt und durch einen Kabinettsbeschluss
zu den Akten gelegt würden, könne von einem Rechtsstaat
keine Rede sein.
Gesundheitsminister Osman Durmus
zeigte sich von den Protesten unbeeindruckt. Die Messungen hätten
ergeben, dass die Auffangbecken geringere Mengen Zyanid aufwiesen
als «in einer einzigen Zigarette» enthalten seien.
Was das Erdbebenrisiko angehe, so sei der «Widerstands-Koeffizient»
doppelt so hoch wie der des Atatürk-Staudamms, des größten
Stauwerks in der Türkei.
Außerdem seien nicht alle
Bewohner der vom Tourismus und Olivenanbau geprägten Region
gegen das Gold - nicht nur die 360 Beschäftigten, die jüngst
gegen eine Schließung auf die Straße gingen. 10.000
Bürger hätten in Briefen an das Ministerium gefordert,
«unsere Bodenschätze zu erschließen».
Die Gegner des Tagebaus, bei
dem das Gold mit Zyanidlauge aus dem Gestein herausgewaschen wird,
weisen dagegen beharrlich auf die Risiken für Grund- und
Trinkwasser hin. Außerdem berge die Erdbebengefahr in der
Ägäis das Risiko einer großflächigen Umweltverseuchung
durch Zyanid in sich.
Welches Ausmaß eine solche
Katastrophe annehmen kann, hatte zuletzt vor zwei Jahren ein Dammbruch
in einem Zyanid-Gold-Minenbetrieb in Rumänien vor Augen geführt.
Die giftige Schlammflut hatte sich in die Theiß ergossen,
die 600 Kilometer durch Ungarn führt, und schlagartig alles
Leben in dem Fluss ausgelöscht.
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