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- 22.03.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kyoto-Protokoll: Bundestag einstimmig für Ratifizierung

Als eines der ersten Länder in der EU wird Deutschland das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz ratifizieren. Mit den Stimmen aller Parteien machte der Bundestag dafür den Weg frei.

Berlin (dpa) - Vor der Verabschiedung des entsprechenden Gesetzes warb Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) in einer Regierungserklärung eindringlich um die Ratifizierung des Protokolls. Er betonte aber auch, die bisher vereinbarten internationalen Ziele «reichen nicht aus, um den Klimawandel und dessen Folgen zu verhindern». Der Bundesrat behandelt das Gesetz am 26. April, seine Zustimmung gilt als sicher.

Trittin sagte, es sei ein ehrgeiziges, aber machbares Ziel, dass alle EU-Mitgliedsstaaten das Kyoto-Protokoll wie angekündigt bis zum 1. Juni ratifizierten. Ziel der internationalen Staatengemeinschaft ist es, bis zum Weltgipfel für Nachhaltigkeit im September in Johannesburg das Protokoll von Kyoto in Kraft treten zu lassen.

Hierfür muss es von mindestens 55 Staaten ratifiziert werden, die zusammen mindestens 55 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen der Industriestaaten von 1990 repräsentieren. Im Protokoll verpflichten sich die Teilnehmerstaaten, ihre gemeinsamen Emissionen der sechs wichtigsten Treibhausgase bis 2012 um mindestens fünf Prozent im Vergleich zu 1990 senken.

Deutschland hat im Rahmen der Lastenverteilung in der EU zugesagt, den Ausstoß dieser sechs Treibhausgase bis 2012 um 21 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu senken. Trittin zog eine positive Bilanz: Zwischen 1990 und 1999 sei ein Minus von 18,7 Prozent oder 180 Millionen Tonnen erreicht worden. «Wir sind damit lediglich 2,3 Prozentpunkte vom deutschen Kyoto-Ziel entfernt», sagte er. «Wir sind Vorreiter und wollen Vorreiter bleiben.»

Die «Herkulesaufgabe» habe gerade erst begonnen, «aber wir haben ein wirkungsvolles Instrument verabschiedet». Trittin betonte: «Mit diesem Regelwerk stellen wir uns der vermutlich größten umweltpolitischen Herausforderung des 21. Jahrhunderts: Den Klimawandel so zu begrenzen, dass Mensch und Natur damit leben können.» Union und FDP trugen das Ratifizierungsgesetz zwar mit, kritisierten aber die Klimaschutzpolitik der Regierung.

Trittin griff erneut die USA für deren Klimapolitik an. «Es ist das größte Problem des Kyoto-Protokolls, dass der größte Verursacher von Treibhausgas-Emissionen sich einseitig aus dem Kyoto-Protokoll verabschiedet hat.»

In den USA sei der Pro-Kopf-Ausstoß von Treibhausgasen doppelt so hoch wie in Europa, die Vereinigten Staaten seien verantwortlich für 25 Prozent der weltweiten Kohlendioxid (CO2)-Emissionen. «Aber sollen wir, wenn sich 25 Prozent verweigern, deshalb darauf verzichten, auf zunächst 75 Prozent einen Deckel zu machen?»

Der CDU-Abgeordnete Klaus Lippold sagte, die Regierung habe ihre Hausaufgaben beim Klimaschutz nicht gemacht. Die Ökosteuer sei ein falsches Instrument. Er kritisierte auch den Atomausstieg.

Die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Birgit Homburger, warf Trittin Versäumnisse vor. SPD und Grüne verteidigten die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung.

 Mehr Informationen:

Bundesumwelt- ministerium

vista verde: Klimaschutz

 

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