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Entwicklungshelfer retten Wasser mit
Schilf, Chlor und Vakuumklos
Mehr als eine Milliarde Menschen
weltweit hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Daher zählt
die Frischwassergewinnung und -aufbereitung zu den wichtigsten
Aufgaben der Entwicklungszusammenarbeit.
Von Christof Bock, dpa
Berlin/Eschborn (dpa) - 129 Liter
Frischwasser nutzt ein Deutscher im Durchschnitt jeden Tag. Davon
rauschen allein 39 Liter durchs Klo. Das Ausmaß dieser Verschwendung
machen die Richtlinien der Vereinten Nationen (UN) klar: Demnach
liegt das menschliche Existenzminimum bei 20 Litern - für
Trinken, Waschen, Kochen. Rund 1,2 Milliarden Menschen weltweit
haben nach Schätzung der UN nicht mal diese Menge an sauberem
Wasser zur Verfügung.
Daher zählt die Frischwassergewinnung
und -aufbereitung zu den wichtigsten Aufgaben des Bundesministeriums
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Bis zu 400 Millionen Euro aus Berlin fließen jährlich
in Wasserprojekte in Entwicklungsländern, berichtet die parlamentarische
Staatssekretärin Ursula Eid (Grüne).
Damit sei Deutschland einer der
größten Geldgeber weltweit. «Die Staaten der
UN wollen erreichen, dass sich bis 2015 die Zahl der Menschen
ohne Wasserzugang immerhin auf 600 Millionen halbiert.»
Das Ministerium arbeitet eng
mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit
(GTZ) im hessischen Eschborn zusammen. GTZ- Projektleiterin Christine
Werner hat mit ihrem Team Pilotstudien für einen sinnvollen
Wasserhaushalt der Zukunft entwickelt. Sie sollen unter anderem
in Algerien, Kuba und China verwirklicht werden.
Die Experten weisen hier der
Abwasserreinigung eine Schlüsselrolle zu. In Algerien will
sich die GTZ an der Renovierung mehrerer Vorstadt-Plattenbausiedlungen
beteiligen. Hier soll künftig das Spül- und Duschwasser
direkt getrennt recycelt werden: «Es hat ja weitaus weniger
Krankheitserreger als Fäkalien und Urin.»
Die menschlichen Ausscheidungen
sollen derweil als Phosphatlieferant und Energieträger von
Biogasanlagen Nutzen finden. «Damit könnten diese Siedlungen
bis zu 50 Prozent ihres Energiebedarfs decken», sagt Werner.
Eine Hi- Tech-Lösung und
eine günstige Variante sind vorbereitet: «Wir können
Membranfiltrationen einbauen. Das ist aber anspruchsvolle Technik,
die jetzt noch teuer ist.» Eine Alternative seien Pflanzenkläranlagen,
eingebettet etwa in Schilf-Wurzelwerk.
Angesichts der starken Bevölkerungszunahme
und der steigenden Wasserknappheit arbeitet die GTZ in China gleich
an drei verschiedenen Mustersiedlungen. Hier geht es unter anderem
um die Verbreitung von Vakuum-Toiletten, wie man sie aus dem Flugzeug
oder ICE-Zug kennt. Damit soll kostbares Frischwasser eingespart
werden.
Afghanistan: Einfache und effektive
Technik gefragt
Für den Aufbau solch ausgefeilter
Technik haben der Mediziner Christian Katzer und seine Kollegen
von der internationalen Hilfsorganisation «Ärzte ohne
Grenzen» (MSF) keine Gelegenheit. Sie helfen in Katastrophengebieten
und Flüchtlingslagern. 60.000 Menschen mussten jetzt in einem
Lager nahe der afghanischen Stadt Peschawar versorgt werden. «Das
sind täglich eine Million Liter», sagt Katzer.
Das Wasser für die bis zu
90.000 Liter großen Tanks der Lager wird häufig kilometerweit
mit Lastwagen von den nächsten Seen oder Flüssen angekarrt
und dann gereinigt, berichtet Katzer. «Wenn wir nach einem
Erdbeben in einem abgelegenem Notgebiet sind, haben wir keine
Zeit, Brunnen zu bohren.»
Dieses Oberflächenwasser
sei oft stark verschmutzt mit Schwebeteilchen und Keimen: Viele
Flüchtlinge hätten sich an verschmutztem Wasser infiziert,
bevor sie ins Lager gekommen seien: «Wir gehen davon aus,
dass 50 bis 60 Prozent der Erkrankungen, die wir in Afghanistan
behandelten, dadurch entstanden waren.»
Aluminiumsulfat, das auch in
Wasserwerken der Industrienationen verwendet wird, trennt in den
Tanks die Schwebeteilchen vom klaren Wasser. «Wir können
dann von oben abschöpfen», sagt Katzer.
Zusätzlich wird Chlor beigemengt:
«Das tötet die Keime ab. Wir benutzen eine Dosis, die
auch die Krankheitserreger in den Kanistern der Menschen tötet.
Wegen des chlorigen Geschmacks ist das klare Wasser zuerst nicht
sehr beliebt.»
Dennoch werde den Leuten schnell
klar, dass sie dafür nun kein Risiko eingehen. Hochkomplexe
Anlagen, für die eigene Experten einfliegen müssen,
haben sich nach Erfahrung Katzers nicht bewährt - kompliziertere
Technik werde später selten gepflegt. «Unser System
hat man aber nach fünf Minuten begriffen.»
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