vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   P o l i t i k   &   G e s e l l s c h a f t

News - Seite 1Politik
Natur und Tiere
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 20.03.2002 -

 

 

 

 

 

 

Entwicklungshelfer retten Wasser mit Schilf, Chlor und Vakuumklos

Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Daher zählt die Frischwassergewinnung und -aufbereitung zu den wichtigsten Aufgaben der Entwicklungszusammenarbeit.

Von Christof Bock, dpa

Berlin/Eschborn (dpa) - 129 Liter Frischwasser nutzt ein Deutscher im Durchschnitt jeden Tag. Davon rauschen allein 39 Liter durchs Klo. Das Ausmaß dieser Verschwendung machen die Richtlinien der Vereinten Nationen (UN) klar: Demnach liegt das menschliche Existenzminimum bei 20 Litern - für Trinken, Waschen, Kochen. Rund 1,2 Milliarden Menschen weltweit haben nach Schätzung der UN nicht mal diese Menge an sauberem Wasser zur Verfügung.

Daher zählt die Frischwassergewinnung und -aufbereitung zu den wichtigsten Aufgaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Bis zu 400 Millionen Euro aus Berlin fließen jährlich in Wasserprojekte in Entwicklungsländern, berichtet die parlamentarische Staatssekretärin Ursula Eid (Grüne).

Damit sei Deutschland einer der größten Geldgeber weltweit. «Die Staaten der UN wollen erreichen, dass sich bis 2015 die Zahl der Menschen ohne Wasserzugang immerhin auf 600 Millionen halbiert.»

Das Ministerium arbeitet eng mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) im hessischen Eschborn zusammen. GTZ- Projektleiterin Christine Werner hat mit ihrem Team Pilotstudien für einen sinnvollen Wasserhaushalt der Zukunft entwickelt. Sie sollen unter anderem in Algerien, Kuba und China verwirklicht werden.

Die Experten weisen hier der Abwasserreinigung eine Schlüsselrolle zu. In Algerien will sich die GTZ an der Renovierung mehrerer Vorstadt-Plattenbausiedlungen beteiligen. Hier soll künftig das Spül- und Duschwasser direkt getrennt recycelt werden: «Es hat ja weitaus weniger Krankheitserreger als Fäkalien und Urin.»

Die menschlichen Ausscheidungen sollen derweil als Phosphatlieferant und Energieträger von Biogasanlagen Nutzen finden. «Damit könnten diese Siedlungen bis zu 50 Prozent ihres Energiebedarfs decken», sagt Werner.

Eine Hi- Tech-Lösung und eine günstige Variante sind vorbereitet: «Wir können Membranfiltrationen einbauen. Das ist aber anspruchsvolle Technik, die jetzt noch teuer ist.» Eine Alternative seien Pflanzenkläranlagen, eingebettet etwa in Schilf-Wurzelwerk.

Angesichts der starken Bevölkerungszunahme und der steigenden Wasserknappheit arbeitet die GTZ in China gleich an drei verschiedenen Mustersiedlungen. Hier geht es unter anderem um die Verbreitung von Vakuum-Toiletten, wie man sie aus dem Flugzeug oder ICE-Zug kennt. Damit soll kostbares Frischwasser eingespart werden.

Afghanistan: Einfache und effektive Technik gefragt

Für den Aufbau solch ausgefeilter Technik haben der Mediziner Christian Katzer und seine Kollegen von der internationalen Hilfsorganisation «Ärzte ohne Grenzen» (MSF) keine Gelegenheit. Sie helfen in Katastrophengebieten und Flüchtlingslagern. 60.000 Menschen mussten jetzt in einem Lager nahe der afghanischen Stadt Peschawar versorgt werden. «Das sind täglich eine Million Liter», sagt Katzer.

Das Wasser für die bis zu 90.000 Liter großen Tanks der Lager wird häufig kilometerweit mit Lastwagen von den nächsten Seen oder Flüssen angekarrt und dann gereinigt, berichtet Katzer. «Wenn wir nach einem Erdbeben in einem abgelegenem Notgebiet sind, haben wir keine Zeit, Brunnen zu bohren.»

Dieses Oberflächenwasser sei oft stark verschmutzt mit Schwebeteilchen und Keimen: Viele Flüchtlinge hätten sich an verschmutztem Wasser infiziert, bevor sie ins Lager gekommen seien: «Wir gehen davon aus, dass 50 bis 60 Prozent der Erkrankungen, die wir in Afghanistan behandelten, dadurch entstanden waren.»

Aluminiumsulfat, das auch in Wasserwerken der Industrienationen verwendet wird, trennt in den Tanks die Schwebeteilchen vom klaren Wasser. «Wir können dann von oben abschöpfen», sagt Katzer.

Zusätzlich wird Chlor beigemengt: «Das tötet die Keime ab. Wir benutzen eine Dosis, die auch die Krankheitserreger in den Kanistern der Menschen tötet. Wegen des chlorigen Geschmacks ist das klare Wasser zuerst nicht sehr beliebt.»

Dennoch werde den Leuten schnell klar, dass sie dafür nun kein Risiko eingehen. Hochkomplexe Anlagen, für die eigene Experten einfliegen müssen, haben sich nach Erfahrung Katzers nicht bewährt - kompliziertere Technik werde später selten gepflegt. «Unser System hat man aber nach fünf Minuten begriffen.»


© IAEA

Am 22. März ist Weltwassertag.


 Mehr Informationen:

World Water Day 2002 - Water for Development

BMZ

gtz

Ärzte ohne Grenzen

vista verde:
Entwicklung
Wasser


 Lesen Sie auch:

Opfer von Hyänen und Halsabschneidern: Kampf um Wasser in Afrika

UN-Gipfel in Monterrey: Mehr Geld für arme Länder

Rau mahnt Industrieländer: Afrika nicht vernachlässigen

Botswana: Den wahren Herren der Kalahari wird der Wasserhahn abgedreht

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft | Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung