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- 20.03.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wieczorek-Zeul: Entwicklungshilfe auch im Sicherheitsinteresse

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) hat die höheren Ausgaben für Entwicklungs- hilfe, die in den kommenden Jahren auf den deutschen Steuerzahler zukommen, verteidigt.

Monterrey (dpa) - «Wir haben auch eine eigenes Sicherheitsinteresse, dass es anderen Menschen in der Welt gut geht», sagte die Ministerin auf der UN-Konferenz für Entwicklungsfinanzierung in der nordmexikanischen Stadt Monterrey. Führende UN-Vertreter würdigten am Mittwoch die Entscheidung der EU und der USA zur Erhöhung ihrer staatlichen Entwicklungshilfe als Wendepunkt in den Nord-Süd- Beziehungen.

Monterrey als Wendepunkt

Der US-Ökonom Jeffrey Sachs, Sonderberater von UN-Generalsekretär Kofi Annan für die Millenniumsziele, sagte während der UN-Konferenz: «Wir sollten auf Monterrey als einen Wendepunkt zurückschauen, die Stimmung wandelt sich».

Der Leiter des UN-Entwicklungsprogramms UNDP, Mark Malloch Brown, erklärte, dass die weltweite Entwicklungshilfe mit den jüngsten Zusagen aus Brüssel und Washington von derzeit 52 Milliarden UD-Dollar (59 Mrd. Euro) bis 2006 um 12 Milliarden Dollar, also mehr als 20 Prozent steigen werde. Dies sei der Monterrey- Konferenz zu verdanken.

Wieczorek-Zeul sagte Dienstagabend (Ortszeit) auf einer Pressekonferenz, sie bemerke nach dem 11. September in der deutschen Bevölkerung eine wachsende Akzeptanz für die weltweite Armutsbekämpfung. «Die Menschen spüren: entweder es gibt menschliche Sicherheit in allen Regionen, oder die Unsicherheit kommt zu uns».

Öffnung der Agrarmärkte des Nordens

Die Bundesregierung hatte sich vor dem EU-Gipfel in Barcelona verpflichtet, ihre Entwicklungshilfe von derzeit 0,27 Prozent des Bruttosozialproduktes auf 0,33 Prozent im Jahr 2006 zu erhöhen. Das bedeutet eine Steigerung um eine Milliarde Euro von 5,8 auf 6,8 Milliarden Euro pro Jahr. Wieczorek-Zeul erinnerte daran, dass sich alle Teilnehmer des UN-Millenniumsgipfels 2000 in New York festgelegt hätten, die extreme Armut bis 2015 zu halbieren.

Auf der Konferenz wird darüber diskutiert, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Neben staatlicher Entwicklungshilfe wird auch privaten Kapitalzuflüssen ein hoher Stellenwert eingeräumt und die Entwicklungsländer zu Eigenanstrengungen ermahnt.

Der so genannte «Monterrey-Konsens» fordert außerdem Handelsliberalisierungen, insbesondere eine Öffnung der Agrarmärkte des Nordens für Importe aus dem Süden. Auf die sozialen Folgen für die deutschen Bauern angesprochen, sagte Wieczorek-Zeul, die gegenwärtige EU-Agrarpolitik sei nicht nur umstritten, sondern auch nicht verbraucherfreundlich.

Tobin-Steuer kein Tabu

Die Ministerin zeigte Sympathie für alternative Finanzierungsinstrumente wie die Einführung einer Steuer auf internationale Devisentransaktionen. «Wir können es uns nicht erlauben, solche Ideen mit Tabus zu belegen», sagte sie bei der Vorstellung einer von ihrem Ministerium in Auftrag gegebene Studie des Frankfurter Ökonomen Paul Bernd Spahn über die Machbarkeit einer solchen von dem kürzlich gestorbenen amerikanischen Nobelpreisträger James Tobin angeregten Steuer.

Die so genannte Tobin-Steuer soll zusätzliche Mittel für die Armutsbekämpfung einbringen und außerdem die Währungen der Schwellenländer vor Spekulanten schützen. Nach der Spahn-Studie ließe sich die Steuer auch im europäischen Alleingang verwirklichen.

Bei einer Diskussion am Dienstag kritisierte der Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Finanzpolitik von Deutsche Bank Research, Ulrich Schröder, die Tobin-Steuer als kontraproduktiv. Sie sei ein Handels- und Investitionshemmnis, sagte Schröder.

Die UN-Konferenz hatte am Montag begonnen und wird am Donnerstag mit einer Plenarsitzung der Staats- und Regierungschefs fortgesetzt. Am Freitag soll auch US-Präsident George W. Bush sprechen.


© dpa

Bundesentwicklungs- hilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul gab am Freitag vor ihrer Reise nach Mexiko vor dem Plenum des Bundestages einen Bericht zur Entwicklungspolitik der Bundesregierung ab.


 Mehr Informationen:

Internationale Konferenz zur Entwicklungs- finanzierung in Monterrrey

Global Forum - Financing the right to sustainable and equitable development

BMZ

Kampagne "Globale Gerechtigkeit ökologisch gestalten"

vista verde: Entwicklung


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